Nach über zwei Jahren Abstinenz: Aktuelle Informationen

Liebe Leute,

vor mehr als drei Jahren begann meine Reise durch Südamerika, vor zwei Jahren und einem Monat (am 30. Juni 2014) endete sie. Was seitdem alles in meinem Leben, im Leben der Kinder passiert ist und sich generell geändert hat, möchte ich versuchen in diesem Artikel zusammenzutragen.
Mittlerweile sind auch unsere Nachfolger, die 2014/15 und 2015/16 in Quiquijana waren, wieder in Deutschland angekommen; die dritte Generation nach meinem Freiwilligendienst ist bereits in Peru, besucht jedoch noch den Sprachkurs in Cusco. 

 

Meine Illusion mit den Kindern wirklich guten Kontakt zu halten, scheiterte maßlos. Nur beiläufig bekommt man mit, was im Andenhochland passiert. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen, halte ich nach wie vor an dem Plan fest, Peru und seine wunderschönen Nachbarstaaten noch einmal zu besuchen.
Allerdings steht aktuell mein Studium im Vordergrund: Mittlerweile (nach einem Jahr Fehlentscheidung) studiere ich an der Universität zu Köln Regionalstudien Lateinamerika. Begreife nach und nach immer mehr Zusammenhänge, die mir zuvor gar nicht bewusst waren und lerne täglich Neues über Land und Leute sowie über Politik und Geschichte. 

 

Auch mit den Bekanntschaften, die wir in Peru geschlossen haben, ist es schwierig, auf Dauer guten Kontakt zu halten, der einer Freundschaft gleicht kommt. Es gibt natürlich noch die ein oder andere treue Seele, die auch mal hin und wieder bis mitten in die Nacht aufbleibt, um über das Internet telefonieren zu können. Aber dennoch heißt es: Ausnahmen bestätigen die Regel. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Peruaner (Achtung: Verallgemeinerung) schlichtweg nach dem Prinzip "Aus den Augen, aus dem Sinn leben" - was mich stellenweise traurig macht. Natürlich könnte auch ich hier mehr Eigeninitiative zeigen, was mir persönlich jedoch z.B. durch die riesige Zeitverschiebung von sieben Stunden schwer fällt. 

 

Wie ihr alle vielleicht wisst, kümmert sich die Kinderhilfe Cusco-Peru e.V. darum, dass die Kinder in dem Jugendhaus ein Dach über dem Kopf, warme Mahlzeiten, Liebe und vor allen Dingen Aufmerksamkeit in allen Situationen geschenkt bekommen. Ohne diese Organisation würden all diese lieben Kinder auf der Straße oder in absoluter Armut leben. Nun sind ehemalige Freiwillige aller Jahre einen Schritt weiter gegangen: Es wurde ein zweiter Verein gegründet. Ein Verein, der sich um die Jugendlichen kümmern wird, denen nach dem Abschluss der Schule die Mittel fehlen, um in Cusco oder Lima zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Uns allen ist die Zukunft der Kinder/ Jugendlichen wichtig und ich wurde nicht nur einmal von vielen von euch gefragt, was denn mit den Jugendlichen passiere, die die Schule abgeschlossen haben. Die Lösung: Die Jugendförderung Cusco-Peru - Un futuro para la juventud e.V. 
Dies ist der Verein, im Dezember 2015 von einigen Ehemaligen gegründet wurde. Um weitere Informationen zu erhalten, schaut einfach mal auf der Internetseite vorbei: 


http://www.jugendfoerderung-cusco.de/ 

oder stellt mir hier Fragen; ich versuche sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

Bis dahin alles Gute und vielen Dank fürs Zuhören,

Anna.

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A mis peruanos

Exactamente hace cuatro meses llegue de Perú a Alemania. Ya extraño mucho a mis amigos, a mis compañeros y a mi segunda familia - las hermanitas en Quiquijana - tambien la musica y las fiestas peruanas y los jugos ricos! Ahora yo sé que me enamoré de Perú. Descubrí una cultura y un idioma nuevo, muchas personas bonitas e impresionantes, una organización extraordinaria que es un segundo hogar, el amor y mil cosas maravillosas más...

Pensaba que mis sentimientos se tranquilizarian con el tiempo, pero ahora sé que tendré añoranza en todas las partes del mundo!

Un gran saludo a mi gente en Quiquijana y Peru. Que saben que no voy a olvidarlos. Nos vemos pronto! ♥

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Das Jahr ist tatsächlich vorbei.

Seit zwei Wochen bin ich jetzt schon wieder hier ... Hier ein abschließender Bericht über mein Leben in den Anden. ♥

Liebe Leute,

auch wenn ich es noch nicht recht glauben kann (und möchte), ist die letzte Woche in Quiquijana schon Geschichte. Gerade bin ich in Cusco, in meinem zweiten neuen zu Hause Südamerikas und tue Dinge, die ich das ganze Jahr über machen wollte, aber nie geschafft habe.

 

Aber zurück zu Quiquijana:

Die Woche verlief ruhig und stressig, mit weinenden und lachenden Augen, mit Putzaktionen und Minuten, in denen alles verwüstet wurde. Viel mussten wir doch noch in der letzten Wochen erledigen, wie zum Beispiel unsere Plakate mit Fotos fertigstellen, Fotos ausdrucken, die bei der Massen-Ausdruck-Aktion in Cusco untergegangen sind oder unsere Zimmer auf Hochglanz bringen. Viel haben wir noch zusammen mit den Schwestern gelacht und über die Zukunft jedes einzelnen gesprochen. Am Freitagmittag saßen wir dann noch einmal mit allen Schwestern zusammen am Mittagstisch, um uns voneinander zu verabschieden (Der Abschied fand dann doch noch drei weitere Male statt, da man sich immer mal wieder in Cusco oder Quiquijana über den Weg gelaufen ist)

 

Der Abschiedstag an sich begann um drei Uhr nachmittags mit den Kindern auf dem Hof, da wir alle zusammen Volleyball gespielt haben. Neben unserer Abschiedsfeier war dieser Tag auch der Geburtstag der Kinder, die in den Monaten Januar bis Juni Geburtstag hatten – so gab es im Anschluss für rund die Hälfte der Kinder Geschenke. Von uns Freiwilligen bekam jedes Kind zwei Fotos geschenkt – eines von sich selbst oder zusammen mit einem Freund und ein Gruppenbild von uns Freiwilligen, in der Hoffnung nicht in Vergessenheit zu geraten. Außerdem haben wir Luftballons mit Helium gefüllt, sodass jedes Kind einen Wunsch auf einen Zettel geschrieben hat, den Zettel am Ballon befestigt und ihn fliegen ließ. Die Wünsche reichten von „Ich möchte, dass meine Familie und ich immer gesund bleibt“ über „Ich wünschte, ich wäre ein intelligenter Junge“ bis hin zu dem Wunsch, seine Klassenkameradin einmal zu küssen. Auch hat Franca eine PowerPoint Präsentation vorbereitet mit Fotos und Videos, die uns an das Jahr erinnern werden. Abends haben wir noch einen Tee getrunken und Rosinenbrötchen gegessen, sodass der Tag auch einen schönen Ausklang fand. Zwischenzeitlich war ich ein wenig traurig und habe mich auf den Innenhof der Albergue gesetzt. Plötzlich kam die Kleinste aus der Albergue zu mir, setzte sich auf meinen Schoss und sagte im ganz ernsten Ton: „Du, Anna, wir beide müssen jetzt spielen, damit du nicht mehr traurig bist“, nahm ihre Geschenke aus der Tüte und erklärte mir, dass ihre Kinderunterhose für mein Gesicht bestimmt sei, ihre Haarspangen Dekoration für meine Jacke und ihre Zahnpasta verhindert, dass die Zeit vergeht. (So kreativ wäre ich auch gerne mit fünf Jahren gewesen). – Und meine Traurigkeit wich einem herzlichen Lachen.

 

Mit Regina habe ich noch unser gemeinsames Zimmer geputzt – Fenster auf Hochglanz gebracht, unsere Sachen gepackt und Tüten für die neuen Freiwilligen zusammengestellt mit Dingen, die wir hier in Peru lassen. Es war wirklich ein langer Putzmarathon, in dem wir auch viel lachen mussten. Am Ende haben wir uns mit einer Sprite und Keksen zusammengesetzt und unser Zimmer bewundert und uns gefragt, warum wir noch nie früher auf die Idee kamen, einmal alles – wirklich alles – zu putzen.

 

Da der Abschied am Donnerstagnachmittag war, hatten wir noch genügend Zeit am Freitag durch die Straßen zu schlendern, den Mamis auf der Straße „Auf Wiedersehen“ zu sagen, nochmal in die Albergue zu gehen und mit dem ein oder anderen Kind uns zusammenzusetzen und zu quatschen. Als ich mitten im Gespräch vertieft war, dirigierte mich Schwester Cecilia zu mir. Ein wenig verunsichert ging ich hoch, mit dem Gedanken etwas verbrochen zu haben. Stattdessen schenkte sie mir ein wunderschönes selbstgemachtes Armband in den Farben Kolumbiens. Da sie selbst aus Kolumbien stammt und sie möchte, dass ich – ihre geheime Freundin – sie einmal dort besuche, soll mich dieses Armband stets an dieses Vorhaben erinnern. (Und selbstverständlich ist es mein Verdienst, dass Kolumbien so weit in der WM gekommen ist!)

 

Am Samstagmorgen bin ich zusammen mit Benni schon sehr früh morgens nach Cusco zu gefahren. Die Schwestern fuhren auch dorthin, um unsere Koffer mitzunehmen, die dann in der Wohnung Sör Nellys abgeladen wurden. So trafen wir sie nur rund zwei Stunden wieder in Cusco, später noch einmal beim Einkaufen und noch ein drittes Mal auf der Straße, bis wir uns endgültig verabschiedet haben. Außer von Nelly – denn sie hat uns sogar noch zum Flughafen begleitet.

 

Dieses Jahr in Peru, aber vor allen Dingen in Quiquijana werde ich niemals vergessen. Schon jetzt, zwei Wochen wieder in Deutschland, vermisse ich die Kinder sehr. Hoffentlich sehe ich sie noch einmal in meinem Leben wieder, auch wenn das bei sehr vielen wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein wird.

 

In der letzten Woche hatten wir noch eine Woche frei. Diese Zeit habe ich genutzt, um die Dinge, die ich das ganze Jahr über machen wollte, aber nie geschafft habe, zu erleben. So war ich beispielsweise in der Sixtinischen Kapelle Südamerikas, im Korikancha (dem Sonnentempel der Inkas in Cusco), an einigen Aussichtspunkten und Kirchen, auf einem mehr oder weniger spannenden Konzert und bin sehr viel durch die Straßen Cuscos geschlendert, habe noch Stunden mit meinen peruanischen Freunden verbracht und Minute für Minute mehr Abschied genommen. In dieser letzten Woche herrschte vor allen Dingen Ausnahmezustand in Cusco, da die Straßen wegen des Festes Inti Raymi (das Fest zu Sommersonnenwende) von Touristen überflutet wurden. Kaum konnte man sich auf dem Plaza bewegen, auf dem ich mich doch sonst immer so gerne aufhielt. So entdeckte ich noch viele kleine andere schöne Orte, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Wie bereits erwähnt haben wir in der letzten Woche „wie Peruaner“ nicht im Haus unserer Gastfamilie im touristischen Stadtzentrum gewohnt, sondern in der Wohnung von Nelly hausen dürfen. Diese Wohnung liegt außerhalb von all dem Trubel; die Leute auf der Straße grüßen wie die Leute aus Quiquijana, in den kleinen Läden kann man einkaufen für wenig Geld und man unterscheidet dort eben nicht, ob man weiß oder dunkelhäutig ist, Ausländer oder Peruaner, Frau oder Mann, sondern man wird angelächelt, wenn man auch ein Lächeln verschenkt.

 

Das waren meine letzten Tage in diesem atemberaubend, schönen Land. Jetzt beginnt die Zeit des Studierens und ich kann nur hoffen, dass mein Plan, nach dem Studium noch einmal wiederzukommen, aufgeht.

 

Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben. Mein besonderer Dank geht an meine Familie, neben meinen wundervollen Eltern und meinem lieben Bruder ganz besonders an meine Großeltern. Danke! An meinen Chef, den Herrn Gravenkötter und der tollen Organisation der Kinderhilfe Cusco-Peru e.V., alle Leute, die regelmäßig meinen Blog gelesen haben – Insbesondere Danke Gisela und Ingrid! Danke an alle, die mir deutlich gemacht haben, dass sie an mich denken und gut finden, was ich tue. Danke. Ich umarme euch alle.

 

In Liebe,
Anna

 

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Ein Jahr neigt sich dem Ende ...

Entschuldigt für die Verspätung, dafür heute wie üblich in ganzer Länge ... In 13 Tagen bin ich wieder da!

Liebe Leute,

 

auch in der vorletzten Woche unserer Arbeit in Quiquijana musste viel vorbereitet werden, anderes haben wir „zum letzten Mal“ gemacht, wieder anderes zum ersten Mal – Dinge, die man in einem Auslandsjahr in den Hochanden Perus unbedingt einmal gemacht haben muss.

Mit Pfingstmontag begann unsere Woche schon einmal ganz anders als gewohnt – Die Kinder waren nicht in der Schule und hatten so auch keine Hausaufgaben auf; auf der Chacra stand dennoch die alltägliche Arbeit an. Also spielten wir am Nachmittag mit den wenigen Kindern, die da waren, da viele doch erst gegen Abend eintrudelten, da sie den freien Tag bei ihren Familien verbracht haben. Am Abend besuchten wir mit den meisten Kindern und den Schwestern zusammen die Messe, in der ich zwischen sehr vielen kleineren Kindern saß, die mich wieder sehr herzlich und wild beim Friedensgruß umarmt haben. Ich werde es in Deutschland in der Messe vermissen, meinem Mitchristen nur die Hand reichen zu können und keine herzliche, friedvolle Umarmung zu schenken.

 

Am Dienstag nahm wieder alles seinen gewöhnlichen Gang. Die Wasserprobleme auf der Chacra dominierten den Morgen der Jungs, in dem sie schon wieder mit unserer Motorpumpe Wasser aus dem Fluss holten und die Felder außerhalb der Gewächshäuser bewässerten. An diesem Vormittag waren wir auch alle zusammen auf der Chacra, sodass die restlichen Mädchen damit beschäftigt waren, Mangold, Radieschen, Rote Beete und Spinat anzupflanzen. Zurzeit haben wir nicht all zu viele Pflanzen auf der Chacra, die wir ernten können, sodass wir in der nächsten Zeit noch einige säen müssen, um unsere Kinder zu versorgen.

 

Am Nachmittag bin ich bei der Hausaufgabenbetreuung ein wenig verzweifelt, da alle Kinder einfach nur das taten, was sie wollten. Obwohl ich die Hausaufgaben mit einem Kind begonnen hatte, wollte es sie plötzlich nicht fertig stellen, die anderen erst gar nicht anfangen und meine drei Mädels finden es in letzter Zeit eh immer cooler zu malen, als ihre Hausaufgaben zu machen. Glücklicherweise kann sich dann Schwester Poli, die auch immer im Raum sitzt, durchsetzen und die Kindern, die einfach nichts tun, zurechtweisen.
Außerdem ist diese Woche die letzte Woche, in der wir Englisch-/ Computerunterricht geben. Nachdem wir mit den Kindern in den letzten Tagen und Wochen einiges geübt haben und Tests geschrieben haben, entschlossen wir uns dazu, in der letzten Woche noch einmal einen Film zu schauen. Ich bin froh, wenn die Zeit des Englischunterrichts vorbei ist.

 

Am Mittwochmorgen habe ich es mit Regina das erste Mal geschafft, so früh aufzustehen, um mit den Kindern in der Albergue zusammen zu frühstücken. Auch wenn ich morgens noch viel, viel, viel mehr als sonst gefroren habe - da wir rund eine Stunde früher das Haus verlassen haben - hat es sich gelohnt zu sehen, wie die Kinder morgens genüsslich ihre Brot essen und ihren Tee trinken. Zusätzlich gibt es jeden Montag und Donnerstag ein hart gekochtes Ei, am Dienstag und Freitag Suppe und am Mittwoch eine frittierte Wurst. Gut gestärkt machte sich Regina im Anschluss auf den Weg zur Chacra und ich buk mit Anna-Maria und Florian dieses Mal Brot – und zwar zum allerletzten Mal in diesem Jahr. Zusammen mit Poli putzten wir im Anschluss noch die Fenster, machten noch einmal eine Art Grundreinigung und erfreuten uns an sehr leckeren Brötchen.
Nachmittags nahm alles seinen gewöhnlichen Gang; ich machte mit meinen Kindern zusammen ihre Hausaufgaben, die allerdings wieder nur aus Malen bestanden. Am Abend gab ich zum allerletzten Mal in meinem Leben Englischunterricht. Haben den Film glücklicherweise auch noch zu Ende schauen können und damit den Unterricht mit ein wenig Lachen beendet.

 

Am Donnerstag war einer der schönsten Tage des Jahres in Quiquijana. Begonnen hat der Tag mit vielen Kindern auf der Chacra. Da ein großes Schulfest stattfand (Jubiläum der Schule), waren viele Kindern nicht gezwungen zur Schule zu gehen und kochten lieber mit uns auf der Chacra Kartoffeln, dicke Bohnen und Chamote (ein süße Variante der Kartoffel) in einem Erdofen. Mit dem Bau des Erdofens waren wir auch sehr lange beschäftigt. Gut beschreiben, wie alles abläuft kann ich leider nicht, aber schaut euch am besten die Fotos in meiner Galerie an. Es ist eine typische Art in den Hochanden Kartoffeln und dicke Bohnen auf diese Art und Weise zu garen, die allerdings so aufwendig ist, dass wir es in der Albergue nur einmal im Jahr machen.
Am Nachmittag schauten wir dann mit vielen Kindern das Eröffnungsspiel der WM im unserem geliebten Nachbarland. Leider musste ich währenddessen noch einigen kleinen Kindern bei ihren Hausaufgaben helfen, sodass ich nur eines der vier Toren mitbekommen habe. Mit den Schwestern und Pavela haben wir die Spiele bis zur unserer Abreise getippt. Allerdings haben wir immer nur den Gewinner getippt, da die Schwestern sagen, dass sonst niemand gewinnen könne.

Abends waren wir dann noch mit einigen Kindern im Colegio, in dem wir uns einige Tänze unserer Kinder anschauen konnten. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, wäre ich auch noch wirklich gerne länger geblieben.

 

Am Freitag haben die Jungs gewaschen, ich war zusammen mit Christian und den Mädels auf der Chacra, auf der wieder gegossen werden musste. Sonst ist an diesem Tag nicht viel passiert; abends sind Regina, Franca und ich zurück nach Cusco gefahren. Florian und Benni haben mit den Kindern einen Ausflug am Samstag gemacht, sodass sie noch in Quiquijana geblieben sind.

 

Als ich vor elf Monaten ins Flugzeug gestiegen bin, konnte ich nicht verstehen, dass ich ein Jahr lang in Peru leben werde und meine Familie und meine Freunde für 355 Tage nicht sehen kann. Heute – kurz vor meiner Ausreise – kann ich nicht verstehen, dass das Haus, in dem ich gerade lebe, gar nicht mein Zuhause ist und in weniger als drei Wochen in meinem einigen Bett schlafe. Mein Tagesablauf hier ist absolut zum Alltag geworden. Auch wenn ich jetzt sage, dass ich das letzte Mal Brot gebacken habe, - ich glaube, verstanden habe ich das noch nicht. Ich freue mich riesig, euch bald alle wiederzusehen, aber ich kann nicht glauben, dass das so bald wieder sein wird.

 

So planen wir gerade unseren Abschied, es gibt Millionen Listen, was noch alles getan werden muss. Angefangen von restliche Geschenke kaufen, über Fenster in unseren Zimmern putzen, Abschiedstexte für Pavela schreiben und Benotungen für unsere Kinder im Unterricht schreiben bis hin zu Fotos ausdrucken und uns schließlich und endlich wirklich verabschieden.

 

Damit verabschiede ich mich für heute,
eine herzliche Umarmung in die weite Welt,

bis in dreizehn Tagen …
eure Anna

Eines meiner Herzenskinder ♥
Eines meiner Herzenskinder ♥
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Alles und Nichts aus Quiquijana

Liebe Leute,

 

 

wisst ihr eigentlich, dass ich heute in drei Wochen schon wieder in meinem eigenen Bett schlafen werde? Dass ich in ein bisschen mehr als drei Wochen wieder deutsche Sommerluft genießen werde, euch alle wiedersehen kann und wieder im guten, alten Deutschland sein werde?

Ich freue mich mittlerweile auch wirklich auf diese Zeit. Besonders jetzt, da ich einen Plan habe, wie mein Leben nach meinem Leben in Peru weitergehen soll. Aber da ich noch hier bin und ich die letzten drei Wochen auch noch in vollen Zügen genießen möchte und werde, schreibe ich euch heute noch einmal, wie unser typischer Alltag zurzeit aussieht.

 

Montag, 2. Juni 2014

Am Montag war ich mit Florian und Anna-Maria alleine auf der Chacra, da unsere drei Musiker mit ihren Instrumenten beim Pfarrer zu Hause Lieder aufgenommen haben. Florian, Anna-Maria und ich waren zur gleichen Zeit damit beschäftigt, alle Mangoldfelder zu säubern. Dabei haben wir mindestens vier Schubkarren Mangold zu den Kühen gebracht – darunter viele Spinnen, Frösche und Regenwürmer.

Nachmittags lief alles drunter und drüber, mehr als ¾ aller Kinder waren auch nachmittags noch in der Schule, da dort ein Sportfestival stattfand. Einerseits gar nicht so schlecht, nur mit vier Kindern die Hausaufgaben machen zu müssen – aber diese vier hatten natürlich sehr viel Lust Hausaufgaben zu machen, während ihre gleichaltrigen Klassenkameraden Fußball spielten. Im Endeffekt war der Nachmittag anstrengender als ein normaler, da einfach niemand auf mich hören wollte. Nach der Hausaufgabenbetreuung und Abendbrot gingen wir mit den Kindern zur Messe, bei der auch nach und nach die sportlichen Kinder im Jogginganzug eintrudelten.

Abends im Englischunterricht sah es nicht viel rosiger aus. Nach häufigem Androhen haben wir unseren Test mit den Kindern geschrieben – und selbstverständlich wussten sie nichts. Gerade einmal das Wort „family“ wussten sie, wobei mehr als die Hälfte das Wort zusätzlich noch falsch schrieb. Die restlichen Vokabellücken blieben frei – Deprimierend wenn man bedenkt, dass wir seit den letzten drei Wochen ausschließlich diese Vokabeln lernen. Exakt den gleichen Text werden wir nächste Woche mit ihnen noch einmal schreiben. Hoffentlich merken sie so, dass sie Vokabeln sehr viel weiter bringen, als sie annehmen.

 

Dienstag, 3. Juni 2014

Dienstag musste ich erst einmal im Bett liegen bleiben. Nicht nur wegen meinen Husten, sondern auch dass mein rechtes Bein merkwürdig angeschwollen war. Als ich mit Pavela redete, war sie sich sicher einen Spinnenbiss diagnostizieren zu können, was mich zuerst sehr beunruhigte. Also entschloss ich mich am Vormittag im Bett zu bleiben, mein Bein mit Salbe einzureiben und zu warten, dass es ein wenig abschwillt. – Was auch super geklappt hat, nachmittags sah es schon wieder humaner aus! So konnte ich mich nachmittags auf den Weg zur Hausaufgabenbetreuung machen und verbrachte die Zeit damit, das menschliche Herz, das Nervensystem und ein Gemälde über Mülltrennung zu malen. Die Zeit verstrich, der Englischunterricht rückte näher und der Wahnsinn begann. Mit den kleineren Kindern wollten wir auch heute einen Vokabeltest schreiben und es scheiterte sehr. Von den 16 Vokabeln, die wir in den letzten Wochen ununterbrochen geübt haben, wussten sie im Durchschnitt 1 ½ - Mittlerweile hasse ich es wirklich, Englischunterricht zu geben, da man so viel vorbereiten kann, wie man möchte, aber die Kinder gar kein Interesse zeigen. Auch in der anderen Gruppen von Franca und Anna-Maria ist die Situation nicht rosiger, sodass wir uns im Anschluss an die Stunde mit den Schwestern zusammengesetzt haben, um erneut über die Situation zu reden. Mit Erfolg.

 

Mittwoch, 4. Juni 2014

Auch am Mittwoch war ich mit Florian und Anna-Maria alleine auf der Chacra, da das Aufnehmen der Lieder einige Zeit beansprucht, sodass die drei Musiker unter uns am frühen Vormittag ein Stück aufnahmen und am späten Vormittag Brot buken. Auf der Chacra passierte soweit nichts Besonderes, wir sind nach wie vor damit beschäftigt, die Maiskörner von ihrem Stängel zu trennen, Löcher zu graben und zu schließen und zurzeit nur wenig zu ernten. Viele Felder sind momentan leer und können neu bepflanzt werden, da mittlerweile auch wirklich alle Tomatenpflanzen an die Kühe verfüttert worden. Schon am Nachmittag habe ich bemerkt, dass die Schwestern mit ihrer Rede über Englisch bei den Kindern Spuren hinterlassen haben, denn meine Kids fragten mich während der Hausaufgabenbetreuung viele Dinge, was es auf Englisch bedeutet. So lernen im Moment meine kleinen Mädchen die Farben auf Quechua und jede Farbe musste auch auf Englisch übersetzt werden – und sie ließen partout nicht locker. Ein anderes Kind begann aus heiterem Himmel auf Englisch zu zählen. Das sind Momente, in denen ich mit offenem Mund dasitze und nicht glauben kann, was gerade passiert.

Abends im Englischunterricht schrieben wir mit den älteren Kindern den Text von Montag ein zweites Mal. Einer von den rund 10 Kindern wusste wirklich jede Vokabel, auch wenn viele falsch geschrieben wurden, aber darauf liegt wirklich nicht mehr das Augenmerk. Auch wenn viele Kinder trotzdem nur rund fünf Wörter wussten, war ich so stolz, einen Erfolg zu sehen.

 

Donnerstag, 5. Juni 2014

Am Donnerstag war der einzige Tag der Woche an dem wir alle zusammen auf der Chacra waren. So mussten wir unter anderem Wasser aus dem Fluss holen, um die Tanks zu füllen, ein bisschen Salat ernten für die Schwestern und viel Mais abbeeren. Viel zu tun gab es nicht, sodass wir auch ein bisschen unserer Zeit die Sonne genossen. (Wer behauptet das Südamerika ja immer so warm sei: Zurzeit laufe ich mit dicken Wollsocken und dicker Jacke durch die Straßen!)

Nachmittags begannen wir schon einiges für den Abend vorzubereiten. Da am Wochenende die meisten Kinder in ihren Dörfern bei ihren Familien sind, feiern wir Feste, die aufs Wochenende fallen, meist donnerstagsabends. Am Lagerfeuer versammelten wir uns alle, um gemeinsam zu singen, Texte über den heiligen Geist zu hören, die Kinder mussten einiges auswendig Gelerntes aufsagen und so stimmten wir uns auch mit Tee und Brötchen auf das Pfingstfest ein. Ich kann im Moment gar nicht verstehen, dass schon wieder 50 Tage seit Ostern vergangen sind.

Es war ein schöner Abend. Auch die Kinder merken langsam, dass uns zusammen nicht mehr viel Zeit bleibt. Einige fragen, ob ich ihnen ein persönliches Foto von mir schenken kann, anderen sagen mir, wie sehr sie mich vermissen werden und die süße achtjährige Ruby lächelte mich an und sagte: „I love you, Anna!“ – Mein Herz blieb glaube ich wirklich für eine Sekunde stehen.

 

Freitag, 6. Juni 2014

Am Freitag wurde mir durch die Planungen unseres Abschieds noch einmal bewusst, wie wenig Zeit uns noch bleibt und was wir noch alles für unsere große Abschiedsfeier planen müssen. Auch die Wochenenden werden weniger. Auch wenn ich mich wirklich freue, bald wieder da zu sein, kann ich mir noch nicht vorstellen, dass ich bald wirklich im Flugzeug nach Deutschland sitzen werde. Für mich fühlt es sich oft noch so an, als würde ich jetzt hier für immer leben.

An diesem Morgen waren Regina und ich dran, die Wäsche zu waschen – Zum letzten Mal. Es ist schon merkwürdig zu wissen, dass man Dinge, die man ein Jahr lang täglich oder wöchentlich gemacht hat, zurzeit zum letzten Mal tut. – So werde ich auch noch nur einmal backen, zwei Mal mit dem Bus nach Quiquijana fahren und vielleicht noch fünf Mal über meinen geliebten Plaza de Armas laufen.

 

Das wars für heute von mir,
bis in drei Wochen,

eure Anna

 

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Kleine Zusammenfassung!

Liebe Leute,

kaum zu glauben, aber: Die Zeit rast! Mittlerweile haben wir nur noch vier Wochen im Projekt, auf die ich mich wahnsinnig freue. Da es aber von den letzten beiden Wochen nicht allzu viel zu berichten gab, schreibe ich heute eine kleine Zusammenfassung von unseren Arbeitsbereichen; berichte noch einmal von allem, was in den letzten Wochen so passiert ist. Vieles wird sich aus den letzten Einträgen wiederholen, anderes ist neu.

 

Chacraarbeit

 

Auf der Chacra dominiert das Wasserproblem unseren Tagesablauf. Heißt: Wir durften in den letzten Wochen kräftig in die Pedale der Fahrradpumpe treten; jede Woche einmal einen Motor installieren, der zwei riesige Tanks mit Wasser aus dem Fluss füllt und mit einem dicken Schlauch jede Pflanze einzeln begießen, was sonst ein perfekt durchdachtes Schlauchsystem übernimmt. Ursache für dieses Wasserproblem sind übrigens die Bauarbeiten an einer Brücke rund eine halbe Stunde von unserer Chacra entfernt. Der Sand, den die Bauarbeiter immer wieder freischaufeln müssen, um die Brücke fertigzustellen, verstopft unsere Wasserkanäle. Dieses Problem beansprucht viele Stunden, sodass zwischenzeitlich nicht viel Zeit für anderes blieb. Nichtsdestotrotz haben wir die Insektenplage im zweiten Gewächshaus überwunden, haben alles vom Unkraut befreien können, Löcher bzw. Reihen gehackt, um Neues zu pflanzen und hin und wieder auch genug Zeit gehabt, Quatsch zu machen. Obwohl das Wetter nämlich in den letzten Wochen extrem kalt geworden ist, heizen sich die beiden Gewächshäuser so sehr auf, dass eine Wasserdusche aus dem Brunnen sehr gut tut. Außerdem haben wir, wie bereits erwähnt, allen Mais geerntet. So hatten wir vor rund zwei Wochen alle Hände voll zu tun, jeden Maiskolben zu schälen und nach Farben zu sortieren. Neben vielen fast weißen, gibt es auch einige dunkelgelbe und vereinzelnd lilafarbene Kolben, die nun im zweiten Gewächshaus ausgebreitet zum Trocknen liegen. Auch habe ich bereits schon einmal erwähnt, dass wir vieles nicht mehr anpflanzen können, da es für einige Pflanzen zu feucht bzw. zu kalt ist. So wichen alle Tomatenpflanzen, Gurken und Radieschen, sodass auf dieser Fläche Blumenkohl, dicke Bohnen, Erbsen und rote Beete wachsen können.

 

Hauaufgabenbetreuung

 

Mit vielen meiner Kinder bin ich mittlerweile ein eingespieltes Team. Es macht Spaß, ihnen bei ihren Hausaufgaben zu helfen, auch wenn ich hin und wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlage, wenn ich ihre Aufgaben sehe. Nicht selten müssen sie in hunderter Schritten die Zahlen 0 bis 10.000 aufschreiben, in fünfhunderter Schritten die Zahlen 1.000.000 bis 0, im Anschluss die Division lernen, obwohl die Grundregeln für Addieren und Subtrahieren fehlen. Da freue ich mich schon immer über Aufgaben wie „Schneide aus der Zeitung 50 Wörter aus und lerne die Silbentrennung“ oder „Schreibe ein Gedicht für die Mutter zum Muttertag.“ Hier scheint es dem Lehrer gleichgültig zu sein, ob die Kinder sich wirklich eigene Gedanken machen oder einfach Texte aus einem x-beliebigen Buch abschreiben. Viele der Kinder sind wirklich schon wie Geschwister geworden, wobei der Zugang zu anderen wirklich schwierig ist. Während einige noch nach der Hausaufgabenbetreuung mit mir zusammensitzen und lachen, Galgenmännchen spielen oder Pokémons malen, ist es bei anderen schwierig, nur eine Stunde zusammen zu sitzen und die Hausaufgaben zu erledigen. Auch schwierig ist es, dass fast jede Woche ein neues Kind hinzukommt. Um das Kind kennenzulernen, fehlt die Zeit - um zu merken, ob er/ sie dich gerade anlügt oder wirklich keine Hausaufgaben aufhat, da die Arbeit mit den bisherigen Kindern voll und ganz ausreichen würde, um den Tag zu füllen.

 

Der Englischunterricht

 

ist zum Haare raufen. Nachdem wir die Unterrichtsreihe der Verben mit den Kindern beendet hatten, haben wir begonnen einen Film zu schauen. Anstatt dass sie darüber glücklich wären und nun ein bisschen bereitwilliger lernen, gehen sie einfach aus dem Raum raus, wenn sie keine Lust mehr haben, zum Film passende Vokabeln zu lernen. Stattdessen schreien sie im Raum rum und veräppeln uns nach Strich und Faden. Letztens behaupteten die Großen vor dem Unterricht zu uns, dass sie so viele Hausaufgaben auf hätten, sodass sie gar keine Zeit hätten, um Englisch zu lernen. Kaum war eine der Schwestern im Raum, die die Erlaubnis erteilen sollte, von Unterricht fern zu bleiben, behaupteten sie, dass sie gar nicht zum Englischunterricht gehen konnten, da der Raum abgeschlossen sei. Solche Art von Lügen hören wir fast jeden Tag, was mich hin und wieder einfach nur zur Verzweiflung bringt, andererseits auch belustigt, wie stumpf die Kinder lügen können.

 

Cusco

 

Cusco – eine traumhafte Stadt. Mittlerweile könnte ich mir sogar vorstellen, einmal in dieser Stadt zu leben, auch wenn man überall als „gringa“ bezeichnet wird. In Cusco haben wir mit den Freunden unseres Gastbruders wirklich nette Leute kennengelernt, die ich auch nie wieder in meinem Leben missen möchte. Oft treffen wir uns mit ihnen am Wochenende, feiern Geburtstage oder ich schreibe hin und wieder bei Facebook oder Whatsapp mit ihnen. Am letzten Wochenende war aber ein „Freundes-freies-Wochenende“, da wir zu sechst, mit allen Freiwilligen, in ein Nachbardorf gefahren sind, um dort fliegen zu lernen – Paragliding stand auf dem Tagesplan, was einfach atemberaubend schön war! Wir hatten zwei liebe Fluglehrer – Edgar und Leo – die je mit einem von uns im Schlepptau abgehoben sind. Die Landschaft ist einfach wundervoll, geprägt von Feldern und Bergen. Das i-Tüpfelchen war, dass ich im Sonnenuntergang fliegen durfte, wodurch leider aber ein wenig der Wind ausblieb – sodass ich am nächsten Tag noch einmal geflogen bin. Mit Leo habe ich auch einige Drehungen und Spiralen in der Luft gedreht, wodurch dem ein oder anderen in der Luft zwar schlecht geworden ist, ich allerdings einfach nur meine Freude hatte und nie mehr landen wollte. Allerdings ließ an diesem Wochenende Sonnenbrand und Mückenstiche grüßen!

Sonst bummel ich in Cusco einfach gerne durch die Straßen, besorge das ein oder andere Mitbringsel für meine lieben Freunde und meine Familie, genieße stundenlang den Plaza de Armas oder treffe mich, wie gesagt, mit Freunden meines Gastbruders.

 

Was sonst noch so geschah

 

Da es aber trotz alledem immer einen Tag der Woche gibt, der aus der Reihe fällt, möchte ich von je einem Ereignis der letzten beiden Wochen berichten.

 

Am 15. Mai, einem Donnerstagnachmittag, feierten wir mit allen Kindern die Gründerin des Schwesternordens. Begonnen hatten die Vorbereitungen am Vortag, als Franca, Florian und ich zusammen mit Schwester Poli viele Apfelkuchen gebacken haben, die wir donnerstagabends zusammen aßen. Außerdem fand ein Malwettbewerb statt – bei dem aber keiner gewann, da die Oberschwester alle Bilder als „hässlich“ empfand. Später schauten wir noch einen kindlichen Film über das Leben Madre Magaritas, bei dem allerdings viele der Kinder einschliefen. Ein Geschwisterpaar schlief Arm in Arm auf dem gleichen Stuhl; dieses Bild werde ich so schnell nicht mehr aus den Augen verlieren.

 

An diesem Montag wurde unser Küken in der Gruppe, Regina, auch endlich 18 Jahre alt. Da aber der Tag im Prinzip ein ganz normaler Arbeitstag war, gingen wir morgens auf die Chacra, um vor allem Unkraut zu jäten - eine Aufgabe, die man sich gewiss nicht als Geburtstagsgeschenk wünscht. Auch die Hausaufgabenbetreuung verlief normal bis zum dem Punkt, als Pavela „Happy Birthday“ mit allen Kindern der Sekundaria anstimmte. Auch später in der Messe sang der Pastor mit der Gemeinde für Regina. In dieser Messe wurde außerdem ein kleiner Junge getauft, der mich während der Messe immer zuckersüß anlächelte.

 

Damit verabschiede ich mich aus dieser Woche und wünsche euch, dass das gute Wetter in Deutschland weiterhin so schön bleibt!

 

Einen eiskalten Gruß aus dem frierenden und kalten Cusco,

eure Anna

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Ein bisschen Alltag

Liebe Leute

 

In weniger als 2 Monaten werde ich schon wieder im Flugzeug nach Düsseldorf sitzen. Auf der einen Seite freue ich mich riesig auf einige Gesichter und Dinge, die man im Hochandenland nicht erleben kann, aber auf der anderen Seite wird es auch ein sehr unschönes Gefühl sein, da ich nicht weiß, ob oder wann ich die Menschen wiedersehe, die ich hier kennen-, schätzen- und liebengelernt habe. Wenn ich daran denke, kommen mir ab und zu jetzt schon die Tränen. Einige der Kinder sind schon fast wie Geschwister für mich geworden - und selbstverständlich findet man es dann doof, einige Geschwister eventuell nie wieder zu sehen.

 

Jetzt möchte ich ein wenig von meiner Woche berichten, die zwar manchmal drunter und drüber ging, aber eigentlich voll und ganz dem Alltag entspricht:

 

Montag, 5. Mai 2014 –

 

Der Montagmorgen war vor allen Dingen wieder geprägt vom Reihen graben. Dieses Mal haben wir es so gemacht, dass wir je zweier Teams gebildet haben. Während beispielsweise Florian mit der Spitzhacke die Erde aufgelockert hat, hatte ich Pause und konnte anschließend mit der Schaufel die lockere Erde hinausschiffen. Da wir drei solcher Teams bilden konnten, ging die Arbeit wirklich sehr gut und auch schnell von der Hand, auch wenn ich so viel mehr als sonst geschwitzt habe. Auch Romolo, der Mann unserer Bäuerin, hat tatkräftig mitgeholfen, sodass nun alle Reihen gegraben sind und die Aufgabe der nächsten Tage sein wird, die Reihen mit Dünger zu füllen und wieder zu schließen. Romolo hat es bei solchen Arbeiten einfach drauf, weshalb ich nicht stolz auf meine Leistung sein kann – Während ich mich noch an der ersten Reihe abmühe, hat Romolo schon längst die dritte fertiggestellt; schon frustrierend. Auch haben wir wie jeden Montag geerntet. Dieses Mal Rote Beete, Mangold, Salat und Tomaten.

Nachmittags fand für mich wohl die schlimmste Hausaufgabenbetreuung des Jahres statt, da all meine Kinder nicht wirklich Hausaufgaben aufhatten, allerdings je ein Lied und ein Gedicht für ihre Mutter zum Muttertag schreiben sollten. So setzte ich mich über eine halbe Stunde mit den Kindern hin und schrieb einen ziemlich guten Text, den jedoch am Ende kein Kind haben wollte, da sie wie aus dem Nichts ein Buch aus ihrer Schultasche zauberten und daraus Texte abschrieben. Die ganze Arbeit für die Katz. Nach der Messe fand auch der Englischunterricht statt, der sehr erfolglos und laut verlief.

 

Dienstag, 6. Mai 2014 –

 

Ich kann nicht mehr. Schon wieder bin ich mit starken Bauch- und Kopfschmerzen aufgewacht. Mir ist schwindelig und konnte so schon wieder nicht arbeiten, was mich im Moment ziemlich fertig macht und Nerven kostet. Dienstag ist immer der Tag, an dem ich die kleine Nataly aus dem Kindergarten abhole, was mich sehr viel Kraft gekostet hat. Die Kleine ist aber zuckersüß! Außerdem haben an diesem Vormittag erneut nicht nur mein Körper rebelliert, sondern auch die Lehrer der einen Grundschule gestreikt, sodass nur eins meiner Kinder aus meiner Gruppe Unterricht hatte. Die anderen wurden nachmittags mit Arbeitsblättern versorgt. Beziehungsweise haben wir die Aufgaben, die schon am vorherigen Tag hätten gemacht werden sollen, fertig gestellt. Im Internetcafé habe ich einige Gedichte für die Mutter ausgedruckt, die die Kinder mit Schönschrift in ihr Heft übertragen haben. Schockierend war es für mich, wie auch die, die keine Eltern mehr haben, große Herzen in ihre Hefte gemalt haben mit Großbuchstaben „Ich liebe dich, Mama“ geschrieben haben.

 

Abends beim Englischunterricht haben wir mit den großen Kindern angefangen einen Film zu gucken, um auch einmal etwas „cooles“ mit ihnen zu machen. So schauen wir zurzeit „Beim Leben meiner Schwester“ auf Spanisch mit englischen Untertiteln, halten hin und wieder den Film an und fragen nach Vokabeln. Am Ende des Filmes werden wir einen Test über alle gelernten Vokabeln schreiben.

 

Während ich krank im Bett lag, habe ich unter anderem viel nachgedacht, was ich vor allem hier oben in den Anden vermissen werde. Auch hatte ich mich über dieses Thema mit Franca und Regina am Wochenende unterhalten. Für mich steht fest, dass ich definitiv Cusco und auch Quiquijana zu gleichen Anteilen vermissen werde. Das einfache Leben oben im Andendorf, das Einkaufen in kleinen Läden, womit man die Familien gut unterstützen kann. Das freundliche Grüßen von Jung und Alt. Die Andenkette und die wärmende Sonne am Nachmittag rund ums Jahr. Die Kinder und vor allem auch unsere Nonnen. Wie auch in Cusco durch die Straßen zu schlendern, einen Fruchtsaft zu trinken. Die liebgewonnen Freunde und Bekannten. Der Plaza de Armas besonders bei Nacht oder in einem Café einen guten Kaffee zu trinken, die Aussicht zu genießen und eventuell auch von jedem als „Gringa“ abgestempelt zu werden.

 

 

Mittwoch – 7.Mai 2014 –

 

Am Mittwochvormittag hatten wir auf der Chacra wieder eine besondere Aufgabe. Da unser Wasserproblem immer noch nicht behoben ist, haben wir heute den Schlauch freigelegt, der unter anderem für den Zufluss verantwortlich ist und haben festgestellt, dass sich in einem Gelenk des Rohres eine Metalldose verfangen hatte, wodurch das Wasser nicht mehr weiterfließen konnte. Allerdings muss diese Dose mutwillig in den Schlauch gedrückt worden sein, da ein Netz verhindert, dass solch große Gegenstände ins Rohr gelangen können. So legten wir erst mit Spitzhacke und Schaufel das Rohr frei, sägten es anschließend an einer Stelle auf und entdeckten kurze Zeit später den Übeltäter. Mit sehr dreckigen Fingern und einem rund 10 Meter langen Schlauch gingen wir später zurück zur Chacra, ernteten dort noch eine Menge angefangen von Mangold über Rote Beete bis hin zu Maiskolben. In den Gewächshäusern war es wieder sehr heiß, sodass wir ein wenig früher von der Chacra zurückgehen durften. So habe ich noch Regina, Schwester Poli und Benjamin beim Brotbacken geholfen und erst im Anschluss zum Schwesternhaus gegangen, um mich umzuziehen und für das Mittagessen fertig zu machen.

Nachmittags lief alles nach Plan, der Englischunterricht mit den Kleinsten fiel für ein Rosenkranz-Gebet aus und mit den jüngeren des offiziellen Englischunterrichtes haben wir auch einen Film geschaut, der bei allen sehr gut angekommen ist. Sehr müde und erschöpft viel ich abends wieder ins Bett mit der Gewissheit am nächsten Morgen ordentlich auf der Chacra arbeiten zu dürfen.

 

Donnerstag – 8.Mai 2014 –

 

Donnerstag, ein schön sonnig und warmer Tag, an dem auf der Chacra Löcher geschlossen werden mussten und Tomatensträucher zurückgeschnitten wurden. Durch die Hitze haben wir uns aber auch viel ausruhen dürfen und im Haus gesessen und über vieles gequatscht. Nach dem täglichen Spülen machten Regina und ich uns wieder auf den Weg nach unten, ruhten uns noch vor der letzten Hausaufgabenbetreuung der Woche aus. Bei dieser gab es heute nicht allzu viel zu tun, allerdings habe ich schon wieder einen neunen Jungen hinzubekommen. Mittlerweile darf ich auf neun Viert- bzw. Fünftklässler aufpassen. Außerdem kommen hin und wieder die Kleinsten von Schwester Poli hinzu, mit denen ich dann die Zweier- oder Dreier- Reihe übe. Ein Mädchen zum Beispiel kann nicht verstehen, dass man bei x10 einfach nur eine Null anhängen muss und braucht gefühlt zwanzig Minuten, um die Aufgabe 3x10 auszurechnen. – Das mathematische Verständnis ist bei den meisten sehr niedrig.

Im Englischunterricht am Abend haben schon einige Kinder gefehlt, um nachmittags ihren Familien im Dorf beim Vorbereiten für Muttertag zu helfen. So schauten wir nur mit einigen wenigen Kindern den Film weiter, wobei viele der vierzehn/ fünfzehn jährigen Kinder ausgeflippt sind, als sich an einer Stelle zwei Menschen geküsst haben – Wundersüß!

Als wir im Schwesternhaus ankamen, feierte unser Pastor in seinem Garten mit vielen Christen einen Gottesdienst, den Regina und ich von unserem Balkon aus beobachten. Auch wenn viel auf Quechua gebetet wurde, war die Stimmung sehr schön. Der Garten mit vielen Menschen gefüllt und mit noch mehr Kerzen erleuchtet.

 

Freitag – 9.Mai 2014 –

 

Am Freitagmorgen wurden in den Schulen schon Muttertag gefeiert, sodass Regina und Franca diese Feier mit ihren Instrumenten begleiteten, Anna-Maria fuhr mit den Schwestern nach Cusco, um Lebensmittel einzukaufen, die beiden Jungs knechteten auf der Chacra und ich wusch alleine alle Kleidung. So verstrich der Morgen zwar etwas langweilig, aber es gab Zeit genug, um Fotos für meinen Blog rauszusuchen (schaut mal in der Bildergalerie) und einmal im sturmfreien Haus meine Musik in angemessener Lautstärke zu hören.

Nach dem Mittagessen fuhren wir dann schon zurück nach Cusco. Ich besorgte mit Regina noch schnell ein Geburtstagsgeschenk für einen Kumpel, der an diesem Wochenende seinen Geburtstag feierte und zu dem wir auch am Abend eingeladen waren.

 

Damit verabschiede ich mich aus Quiquijana bzw. Cusco.

 

Bis ganz bald,

eine liebe Umarmung,

 

eure Anna

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Schöne letzte Tage im April, schöner Start in den Mai

Liebe Leute,

schon wieder ist eine Woche vorbei und ich kann kaum glauben, dass die Zeit schon schnell vorübergeht. Manchmal habe ich am Freitagnachmittag das Gefühl, ich sei gestern erst nach Quiquijana gefahren – wobei es diesmal wirklich stimmte.

Die Woche begann ziemlich ruhig mit wenig Ausnahmen – allerdings lag ich schon am Montagvormittag erkältet mit Husten, Schnupfen und vor allen Dingen Halsschmerzen im Bett und ließ gezwungenermaßen die anderen alleine auf der Chacra arbeiten, wobei an diesem Morgen mehr krank waren, als arbeiten konnten. – Die kalten Monate sind wieder gekommen und wir müssen uns daran gewöhnen, wieder morgens mit Schal und Mütze aus dem Haus zu gehen.

 

Hier in Peru kann man eigentlich eher sagen „der launische Mai“, als der „regenreiche, wetterunbeständige April“. Denn wenn man morgens gegen 7:30 / 8 Uhr aus dem Haus geht, fragt man sich, warum der Pullover, die Mütze und der dicke Schal nicht ausreichend wärmen. Vier Stunden später – auf dem Rückweg von der Chacra zum Schwesternhaus – regt man sich auf, diese ganzen Kleidungsstücke tragen zu müssen, da man eingehen würde, würde man sie anziehen.

Allerdings kommt es auch gerne vor, dass die Sonne in ihrer vollen Pracht scheint und einen Sonnenbrand erzeugt und in der nächsten Sekunde der strömende Regen mit Gewitter dein Eis nicht mehr schmecken lässt.

 

Auf der Chacra haben wir im Moment die schöne Aufgabe in den heißesten Teilen der Gewächshäuser lange, zwanzig Zentimeter tiefe Reihen mit Spitzhacke und Schaufel zu graben. Spätestens nach sechs Reihen geben wir im Durchschnitt auf, während uns schon der Schweiß vom Rücken tropft und der Schwindel pro Sekunde zunimmt.

 

„Aus Grün wird Grau“

Vor allen Dingen in den letzten Wochen wandelt sich sehr die Farbe der Felder und des Waldes. Die großen Maisfelder wurden radikal zurückgeschnitten, die Wiesen mit Schutt belagert und die Bäume wirken seltsamer Weise auch kahler als zuvor. Die Regenzeit ist vorbei, die Sonne kommt. Die Felder sind zum Ernten bereit und ein tristes grau weicht der Farbe der Hoffnung und des Lebens, dem Grün. Außerdem habe ich ein wenig das Gefühl das mit diesem Wandel auch ein bisschen meine Hoffnung schwindet. Die Hoffnung, hier wirklich etwas zu verändern, ein kleines Stück zu verbessern, zu verschönern. Auch wenn kein Freiwilliger diese Illusion haben sollte, dass sich durch seine Hilfe in einem Land, in dem es feste Strukturen gibt (wie in jedem Land), etwas verändern könnte, hofft es im Prinzip jeder.

 

Nachdem der Montag mit einer schönen Messe abgeschlossen worden ist, entpuppte sich diese Woche wieder sehr abwechslungsreich, mit vielen Ausnahmen und Besonderheiten. So gaben wir kein einziges Mal in dieser Woche Englisch- oder Computerunterricht und die Hausaufgabenbetreuung fand auch nur noch am Dienstagnachmittag statt – Und zwar nur mit den Grundschülern. Während Anna-Maria, Regina, Benni und Flo mit den Kindern der Sekundaria den Mais auf unserer Chacra ernteten, halfen Franca und ich bei den Hausaufgaben unserer Kleinsten. „Male das Rathaus, dein Haus und deine Schule“, „Schreibe die vorige und folgende Zahl von 5000, 4876 und 3256 auf“ (das waren nur einige, leider wenige Beispielzahlen), „Schreibe eine Zusammenfassung des Buches Paco Yunque“ oder „Beschreibe mit deinen eigenen Worten wie das Verdauungssystem des Menschen funktioniert“ – Ich werde die Augenblicke vermissen, in denen rund zwanzig Kinder auf mich zu rennen und alle gleichzeitig eine Lösung hören möchten. Nach der Ernte und unserer Hausaufgabenbetreuung nahm alles seinen gewöhnlichen Gang, die Kinder begannen ihre Sachen zusammenzusuchen, um am nächsten Morgen schon früh zu ihren Familie aufzubrechen.

 

Während die Kinder zu ihren Familie liefen, machten wir uns auf den Weg zur Chacra, hackten Reihen in der Erde und ernteten einen Sack Mangold, je einen halben Eimer Tomaten und Bohnen sowie fünf Salatköpfe – Von allem nur ein bisschen, da wir ja auch nur eine handvoll Kinder zu ernähren hatten. Währenddessen waren Flo und Franca in der abzureißenden Küche beschäftigt, in dem sie mit Schleifpapier die Wände abschmirgeln mussten.

 

Und von diesem Mittag an bis Donnerstagnacht gab es rein gar nichts für uns zu tun – Die Kinder bei ihren Familien, das Wasserproblem auf der Chacra vorübergehend besiegt. Daher machte ich mich am Donnerstagmorgen (um 5:30 Uhr – so bekloppt wie ich bin) auf den Weg nach Cusco, um dort schon gegen 8 Uhr einzutrudeln. Nachdem ich schnell meine Sachen in der Gastfamilie untergebracht hatte, schlenderte ich durch die Straßen mit dem eigentlichen Gedanken, zu frühstücken. Als ich am Plaza de Armas ankam, änderte sich dieser Plan abrupt, da gerade die Glocken der Kathedrale zur Messe riefen. Dort feierte ich eine schöne Messe mit einem jungen Pastor, der eine schöne, eindrucksvolle Predigt hielt. Kaum verließ ich die Kirche wieder, kamen mir mehrere hunderte Männer und Frauen entgegen, die demonstrierten. Wogegen weiß ich leider nicht genau, ich wusste nur, dass es Zeit war, zu gehen, als neben mir eine Rakete in die Luft schoss, die mich für einen Moment nicht mehr hören ließ. Nach der Messe sprach mich Ezequiel an, ein junger Kunststudent aus Cusco, der mich versuchte ein wenig über die Demonstrationen aufzuklären und mit mir eine Runde zu spazieren, um sich ein wenig zu unterhalten. An diesem Vormittag habe ich nicht nur viel über die deutsche Geschichte geredet, sondern auch viele neue Dinge über die Inka-kultur erfahren.

 

Im Anschluss habe ich mit meinem lieben Opa telefoniert, der an diesem Tag seinen Geburtstag feierte (Auch hier Alles Gute, liebster Opa!), war in der Stadt eine Kleinigkeit essen und genoss in vollen Zügen die heiße Sonne, erledigte noch das ein oder andere und machte mich am Nachmittag, gegen sechs Uhr auf den Weg zurück nach Quiquijana. Im Endeffekt bin ich heilfroh schon so früh gefahren zu sein, denn ich brauchte an diesem verfluchten Abend über drei Stunden, um wieder anzukommen. Fiel abends todmüde ins Bett, nachdem ich über 17 Stunden auf den Beinen war, ohne ein einziges Mal lange zu sitzen oder gar zu schlafen (Mitleid?)

 

Am Freitagvormittag wuschen Regina und Franca die Wäsche – Ich war zusammen mit den anderen auf der Chacra, wobei wir an diesem Vormittag wieder nicht mehr geschafft haben, als sieben Reihen zu graben – in rund vier Stunden. Morgens wollte ich mich noch dagegen währen meinen Pullover auszuziehen aus Angst zu erfrieren, wenige Stunden später wollte ich nichts mehr von meinem Pulli wissen und ihn am liebsten auf der Chacra liegen lassen.

 

Nach dem Mittagessen sollten wir eigentlich noch aus der umzubauenden Küche den Schutt zur Chacra fahren. Aber „wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Filippa her“. Unsere Köchin hatte sich kurze Zeit vorher dazu bereit erklärt, die Sache in die Hand zu nehmen, und den Schutt zu verlagern, sodass wir schon um drei Uhr die Fahrt nach Cusco antreten konnten.

 

Damit verabschiede ich mich aus dem heiß-kalten Cusco,

in Liebe und bis bald,
eure Anna

 

P.S.: Seid euch bewusst: Es sind keine zwei Monate mehr! ♥

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Der ganz normale Trubel ♥

Liebe Leute,

 

Das Osterfest ist nun mit allen Feierlichkeiten und Extra-Aktionen vorbei, sodass auch bei uns in der Albergue langsam aber sicher Alltag einkehrt. So findet beispielsweise die Hausaufgabenbetreuung wieder zur gewohnten Zeit und im gewohnten Umfang statt und das Unvorhersehbare im Tag hat sich ein wenig reduziert. Denn obwohl die heilige Woche vorbei ist, heißt es noch lange nicht, dass eine Woche strikt nach Plan abläuft. Seht selbst:

 

So waren wir am Montagmorgen zwar wie gewohnt mit allen auf der Chacra – Wir vier Mädchen haben geerntet und Tomaten zurückgeschnitten und die Jungs sind noch einmal zu der Brücke gelaufen, an der sich die Wasserquelle unserer Chacra befindet, denn: Es gibt schon wieder bzw. immer noch kein Wasser. Mit Schaufel und Spitzhacken geht es an solchen Tagen dann darum, die Quelle von Sand, Staub und Dreck zu befreien. Wir Mädchen werden bei diesen Aufgaben nur hin und wieder benötigt, sodass wir dann Aufträge bekommen wie in der Zeit zu ernten oder Sträucher zurückzuschneiden. Da hier im Moment wieder die Kälte einkehrt, können wir vieles nicht mehr anpflanzen. Statt Zucchini, Tomaten, Böhnchen oder Gurken gibt es jetzt wieder viele Erbsen oder Kohlköpfe. Die alten, vertrocknenden Pflanzen sind vielen großen, neuen Löchern gewichen, in denen wir demnächst neue Samen einpflanzen werden. Auch wenn das Löcher hacken und Erde auflockern sehr anstrengend sein kann, macht es uns Spaß, uns körperlich richtig auszutoben.

 

Am Dienstagmorgen haben wir auf der Chacra Hilfe von unseren starken Jungs der Albergue bekommen, da erneut die Schule und alle Lehrer gestreikt haben. Statt zur Schule zu gehen durften die kleinen Jungs daher aus den Gewächshäusern Steine sammeln und nach draußen tragen und die Großen zur Quelle laufen, um unser Wasserproblem zu beheben. Während wir Freiwilligen damit beschäftigt waren, Löcher zu mit Dünger zu schließen, schlichen immer wieder die kleinen Jungs mit einem Sack Steine auf dem Rücken um uns herum. Es ist der Wahnsinn, wie stark die Kinder sind und niemals zugeben würden, dass ein Sack zu schwer bepackt wurde.

 

Die Hausaufgabenbetreuung ist ehrlich gesagt noch anstrengender, wenn die Kinder keine Hausaufgaben aufhaben. Wenn alle Zwerge im gleichen Augenblick um eine neue Aufgabe bitten, da sie die erste bereits erledigt haben. Wenn du direkt zum „bösen Mädchen“ wirst, da du dem Kind, das um Hilfe bittet, nicht sofort helfen kannst, da du gerade damit beschäftigt bist, die ausgedachte Aufgabenstellung einem anderen Kind zu erklären. Dann will das eine Kind partout nicht das Buch lesen, das du für sie ausgesucht hast, motzen, dass es „zu einfach sei“, aber eine halbe Stunde benötigen, um eine Seite zu lesen. Manche Kinder haben dann so viel Köpfchen, sich Bücher auszusuchen, die sie schon auswendig kennen, um die Fragen über das Buch im Anschluss ratzfatz beantworten zu können. Am Dienstagnachmittag war wie gesagt so ein Tag, wobei ich sehr froh war, dass meine drei Mädchen in der Gruppe sich zu beschäftigen wussten und ich mir nur Aufgaben für meine kleinen Bengel ausdenken musste. Außerdem nahmen wir den Tag zum Anlass alle Hefte zu kontrollieren, ob immer alle Hausaufgaben gemacht worden sind und jede erste Seite des Heftes ordentlich bemalt und beschriftet worden ist.

 

Am Mittwochmorgen haben wir wieder alle Pflanzen der Gewächshäuser gegossen, was fast den ganzen Vormittag in Anspruch nahm. Zum Glück gibt es im Moment sehr viele leere Felder, die schon mit Löchern bestückt, jedoch noch nicht bepflanzt sind, sodass man diese zurzeit nicht gießen muss. Außerdem haben wir wie immer ein bisschen geerntet, um die Albergue mit frischem Gemüse zu versorgen. Nachmittags bei der Hausaufgabenbetreuung nahm alles seinen gewöhnlichen Gang – Marco Antonio veräppelte mich wieder nach Strich und Faden, meine drei Mädchen hatten Hausaufgaben auf, die sie nicht machen wollten; mein Schlauster war ausnahmsweise mit seinen Mathehausaufgaben überfordert und Angel – mein kleiner Sonnenschein & Engel, beschäftigte sich mit den ersten Seiten seiner Hefte, die von Tag zu Tag immer schöner und bunter werden. Die schlimmsten fünfzehn Minuten des Tages war die Viertelstunde Englischunterricht mit der Primaria. Die Grundschüler sind gewiss nicht mehr so motiviert, wie am Anfang, vor drei Wochen. Viele hören einfach nicht zu und quatschen, andere sind mitten im Unterricht rausgegangen, ein Mädchen wollte auf den Bänken am anderen Ende des Raumes toben und der Rest saß mehr oder weniger desinteressiert auf ihren Stühlen und ließen die Minuten verstreichen. Solche Tage sind immer wieder entmutigend, da man sich bei der Auswahl des Themas doch immer viel Mühe gibt und versucht kindliche Plakate zum Lernen vorzubereiten.

 

Der Donnerstag – Statt Chacraarbeit, Küche abreißen.

 

Der coolste und sicherlich lustigste Vormittag dieser Woche war der Donnerstagmorgen, in dem Benjamin, Anna-Maria und ich zusammen mit Pavela die einst erste Küche der Albergue abgerissen haben. Mit Spitzhacke, Hammer und Schaufel kloppten wir auf einem Zement-, Steinofen ein, sodass wir am Ende des Tages nicht nur Blasen an den Fingern hatten, sondern auch ein Finger sehr blau und angeschwollen war.

 

Am Freitagmorgen wuschen Anna-Maria und ich, während Franca, Regina und Florian auf der Chacra waren und Benjamin erneut seine Kraft beim Küchenabriss unter Beweis stellen durfte.

Es ist gruselerregend, wie schnell im Moment die Wochen im Projekt vorübergehen, die Wochenende in Cusco verstreichen und im Endeffekt, wie wenig Zeit uns noch bleibt. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, bald wieder in Deutschland zu sein, weil ich nicht begreifen kann, dass das Jahr so fix vorrüberging – Was nicht heißen soll, dass ich euch nicht vermisse!

 

Ich sende euch einen ganz lieben Gruß zu,

bis ganz bald,

eure Anna

 

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Ostern in den Anden. ♥

Liebe Leute,

 

nachdem die vorletzte Woche doch eher sehr ruhig vorüberzog, in der nur der Freitagvormittag durch Extraaufgaben aus der Reihe fiel, begann der Montagmorgen (07.04) der letzten Woche schon viel versprechend abwechslungsreich. Erst musste ich mich wieder daran gewöhnen, unten im Schwesternhaus zu schlafen; nicht mehr neben Franca, sondern neben Regina aufzuwachen und dann daran, dass der Weg zur Chacra nun wieder um einiges länger ist, als zuvor. Dort angekommen haben wir wieder einige Löcher mit Dünger geschlossen, Mangold gesäubert und einige Blätter geerntet.

 

Außerdem bekommen wir seit dieser Woche Unterstützung auf der Chacra von einem Jungen, dessen Studium doch erst in einem Monat beginnt (da für die ärmeren Studenten des Landes einfach mal ein Monat gestrichen wird und die Schwestern nicht so viel Geld aufbringen können); haben am Mittwochvormittag 895 Brote gebacken; sind im Englischunterricht wieder erneut verzweifelt; am Montag- und Dienstagabend in der Messe gewesen und im Anschluss Choclo (große Maiskolben) mit dem Pastor gegessen.

 

Auch haben wir uns noch am Montagvormittag mit Pavela zusammengesetzt, um über unsere Hausaufgabenbetreuung zu sprechen, damit die letzten drei Monate noch reibungslos verlaufen können. Da ich einen Jungen in meiner Gruppe habe, der behauptet, nie Hausaufgaben auf zuhaben – aber auch so „intelligent“ ist, die Hefte, in denen Hausaufgaben zu erledigen sind, in der Schule zu lassen – haben wir beide nun eine Möglichkeit gefunden, ihm auf die Füße zu treten. Bisher wusste ich nämlich nie, dass es noch zwei weitere Schüler in der Albergue gibt, die in der gleichen Klasse sind, da sie in einem anderen Raum zusammen mit Pavela arbeiten.

Am Montagmontag wurde Franca außerdem „Plötzlich Patentante“, da eine Art Nottaufe von der halb jährigen Sheyla Marisol gefeiert wurde, die leider sehr erkrankt ist. Die Eltern hatten somit keine Taufpaten zu ihrer Seite, sodass der Pastor kurzerhand auf Franca gezeigt hat und sie dazu aufforderte, nach vorne zukommen. Auch in der Osternacht wird ihre größere zwei jährige Schwester getauft, bei der entweder Anna-Maria oder ich die ehrenvolle Aufgabe übernehmen dürfen, Patentante fürs Leben zu werden. Dadurch wird sicherlich noch ein weiterer Teil von uns hier in Peru bleiben. Ob ich nun Patentante werde oder nicht, würde ich die Familie im Laufe der letzten Monate gerne einmal in ihrem Heimatdorf Accopata besuchen – Ein armes Nachbarandendörfchen Quiquijanas, durch das wir jeden Sonntag und Freitag mit dem Bus durchfahren.

 

Um noch etwas über den Englischunterricht und meine Hausaufgabenbetreuung zu berichten. Im Moment kann ich einfach nur sagen: Es ist anstrengend. Einerseits erfüllt mich die Arbeit im Moment mehr als sonst und ich bin froh über jede Sekunde, die ich mit meinen süßen Rabauken verbringen kann, andererseits bringen mich im Moment auch die Hausaufgaben der Knirpse um den Verstand. Nicht selten müssen die Kinder in ihren Heften malen und das sind dann so Dinge wie nackte Frauen und Männer im Sozialkundeunterricht, das Verdauungssystem in Biologie, die Kreuzigung Jesu in Religion oder Vikunjas in „Kommunikation“, da eine Geschichte über diese süße Tier handelte – Und wer wird gefragt, diese schöne Dinge für sie zu zeichnen? „ANNA, ayudameeeeeee!“ (Anna, hilf mir!) Und zugebenermaßen, wenn die Kleinen lieb und nett „Bitte“ sagen, lässt sich die liebenswürdige Freiwillige aus Deutschland dazu bereitschlagen.

 

Und schon begann die „Semana Santa“ – Die heilige Osterwoche – die hier im Andenhochland mit besonders viel Programm verbunden ist. Angefangen hat alles am Montagmorgen, an dem ich zusammen mit Florian und Franca 20 kg Brotteig zu Brötchen geformt habe und außerdem ein sehr Mehl, Butter, Fett und Zucker-haltiges Süßgebäck für rund 100 Personen backen durfte. Es machte unheimlich viel Spaß, denn besonders mit der Hilfe Schwester Polis und Cristians geht die Arbeit immer gut von der Hand, sodass wir doch immer recht zügig fertig werden. Nachmittags wurde die Hausaufgabenbetreuung auf nur rund eine Stunde gekürzt, damit alle Kinder der Albergue zusammen mit uns und den Schwestern zuerst die Messe zur Einleitung der heiligen Woche feiern und im Anschluss an einem rund 2 ½ stündigen, aber wundervollen Kreuzweg teilnehmen konnten. Viele starke Männer Quiquijanas wurden der Aufgabe zuteil, das schwere Kreuz auf ihren Schultern zu tragen, viele süße Kinder liefen mit Kerzen in der Hand andächtig mit, sieben Kinder unserer Albergue durften die Messe dienen, an jeder Station standen Männer und Frauen mit Blumen, die sie Jesus entgegenwarfen und ihn mit Weihrauch verehrten. Anders als ich es bisher kannte, wurden einfache Pfannen für den Weihrauch verwendet, anstatt große, veredelte, teure Weihrauchfässer. Wieder etwas, was mich schwer beeindruckt hat, wie man aus einfachen Dingen Großes zaubern kann. Auch wenn sich dieser Kreuzweg wirklich sehr in die Länge zog, bin ich sehr froh daran teilgenommen zu haben und zu sehen, wie auch andere Nationen einem solchen Tag/ einer solchen Woche entgegensehen.

 

Auch der Dienstagvormittag begann nicht alltagsgemäß, da zu Beginn Anna-Maria und Franca schon einmal in der Albergue blieben, um zusammen mit Schwester Poli den Saal für Ostern zu schmücken. Aber auch die übrigen bekamen ein schöne Aufgabe: Da wir im Moment kein Wasser auf der Chacra haben, sind wir erneut zu unserer Wasserquelle am Fluss gelaufen, an der zurzeit der Brückenbau im vollen Gange ist. Aber genau aus diesem Grund konnten wir nicht viel mit unseren Schaufeln bezwecken, da dort rund zehn Männer standen, in ihrem Element vertieft, sodass wir direkt nach der Ankunft wieder den halbstündigen Weg zurück zur Chacra gelaufen sind. Dort haben wir noch schnell einen vollen Sack Bohnen für die Suppe geerntet, geduscht und zum Mittagessen gegangen. Ich habe um ein Uhr Nataly (unser einziges Kindergartenkind) vom Kindergarten abgeholt, auf dem Rückweg ihren rund achtzehn jährigen Bruder kennengelernt, der wohl auch in Quiquijana lebt und danach mich innerlich auf das Programm des Nachmittags eingestimmt. Denn auch an diesem sonnigen Nachmittag gab es nur eine verkürzte Hausaufgabenbetreuung, da sich die Schwestern ein tolles Programm für die heilige Osterwoche ausgedacht haben. Begonnen hat der Nachmittag mit einem Weg, der schwierig zu belaufen war, da viele große Steine das Entlanglaufen erschwerten. Selbstverständlich sollte  der Weg unser Leben symbolisieren und die Steine unsere Fehler, die unseren Lebensweg hier und da nicht einfach gestalten. Viele Kinder sind diesen Weg einen Text vorlesend gegangen und haben an jeden Stein ihre Bitte an Jesus vorgetragen. Nachdem alle Texte verlesen worden waren, trat Florian – verkleidet als Jesus – hervor, der ein großes Herz in der Hand hielt „Ich bin Jesus, der euch alle liebt!“. Auch er lief den Weg entlang, stolperte über den ein oder anderen Stein und im Endeffekt ist glaube ich für jeden deutlich geworden, dass uns Jesus trotz unsere Fehler liebt.

 

Im Anschluss wurden unsere 72 Kinder in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste sah bei einem Rollenspiel über das letzte Abendmahl zu, bei dem Florian wieder Jesus darstellte und 12 unserer Kinder die Aufgaben der Jünger übernahmen. Dabei durften alle Kinder auch Wein trinken (in unserem Falle Chica morada) und Brot essen. Die zweite Gruppe sah einen Ausschnitt der Passion Jesu Christi. Danach halfen wir noch einigen Kindern bei ihren Hausaufgaben und mussten glücklicherweise wieder keinen Unterricht geben, da die Zeit so schnell vorüberzog.

 

Am Mittwoch lag ich zur erst einmal krank mit Bauch- und Kopfschmerzen in meinem Bett und konnte mich erst zum Mittagessen aufraffen, zur Albergue zu gehen. Allerdings gegessen habe ich nichts, sondern beteiligte mich nur an einem Gespräch mit zwei Gästen aus Deutschland, die sich unser Projekt vor Ort ansahen. Da die beiden Zahnärzte sind/ waren, haben sie uns auch einige Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten für die Zähne der Kinder dagelassen. Ihnen haben wir auch die Albergue in all ihren Facetten gezeigt und die Arbeit auf der Chacra demonstriert.

 

Bevor der Nachmittag mit der Hausaufgabenbetreuung begann, half ich unserer lieben Köchin Filippa in der Küche, die schwer damit beschäftigt war, Tomaten, Gurken, Petersilie und Kohl für einen Salat zu zerschnibbeln. Außerdem griff ich ihr und den Schwestern im Anschluss beim Verteilen des Essens unter die Arme, was mir immer wieder viel Freude bereitet.
Zwischenzeitlich war Filippa ziemlich beunruhigt, da ihre rund sechs jährige Tochter viel länger als normal für den Weg von der Schule zur Albergue brauchte. Nach rund zwei Stunden Verspätung machte auch ich mir große Sorgen, sodass ich auf dem Rückweg zum Schwesternhaus besonders auf die Kinder, die mir entgegenkamen geachtet habe. Und tatsächlich: Am Straßenrand fand ich sie plötzlich, brachte sie zu ihrer Mutter und beide waren doch im Endeffekt glücklich.

 

Bei der Hausaufgabenbetreuung gab es leider an diesem Mittwoch ziemlich viel zu tun, da die meine Mädchen wieder malen mussten. „Male Jesus am Kreuz!“, „Male Jesus wie er an Palmsonntag mit Palmwedeln empfangen wird“, „Erkläre mit eigenen Worten wofür „INRI“ steht, schreibe die Dinge auf, die du an Gründonnerstag und Karfreitag gegessen hast“, und „Erkläre, warum man in der Osterwoche kein Fleisch isst.“  Zwei meiner Jungs mussten einige Aufgaben in Mathematik lösen, was einige Zeit beansprucht hat, mein dritter Junge – mein kleiner Bengel, der nie Lust hat, seine Hausaufgaben zu machen – eine Zusammenfassung über den Tod Jesu schreiben. So wollten die drei Mädchen, dass ich ihnen die Kreuzigung und den Hergang des Palmsonntags in ihr Heft zeichne, die beiden Jungs mein mathematisches Fachwissen und mein kleiner Rabauke eine perfekte, nicht länger als ein Satz lange, Zusammenfassung über die Kreuzigung Jesu bekommen.

 

Im Anschluss habe ich noch alleine die komplette Grundschule in Englisch unterrichtet und habe mit ihnen Vokabeln gelernt, die mit der Schule zu tun haben. Leider sind die Lektionen der CD nicht so kindgerecht gestaltet, wie das Einführungsvideo, in dem man ein tolles Lied singt, in dem viele Vokabeln eingebaut sind. So werden nun nur noch abwechselnd das spanische Wort mit der englischen Übersetzung eingeleuchtet. „Campana – Bell“, „Profesor – Teacher“, „Pizarra – Blackboard“. So sind die Kinder nicht mehr so topmotiviert, wie zu beginnt. Allerdings habe ich mir vorgenommen, mir noch einige andere lustige Lernmethoden auszudenken, die die Lernbereitschaft der Kinder fördert und sie nicht den Spaß am Lernen der Weltsprache verlieren.

 

Unsere Aktivitäten für diesen Abend begannen um 19 Uhr. Begonnen haben wir mit einem tollen Lagerfeuer, das die Schwestern mit unserer Hilfe in der Mitte des Hofes aufgebaut haben. Florian und Benjamin hatten die tolle Idee, dass jedes Kind einen Zettel bekommt und auf diesem Zettel alle Ängste und Sorgen aufschreibt, sodass sie im Anschluss im Feuer verbrannt werden konnten. Während die süßen Mädchen neben mir die Angst vor Spinnen und Ratten aufgeschrieben haben, konnte man an vielen anderen Zetteln erkennen, das ihnen die Aufgabe gefallen hat: Die Blätter waren vollgeschrieben bis oben hin, selbstverständlich weiß ich nur nicht, was sie bedrückt und selbst wenn, würde ich es nicht zum Anlass nehmen, es hier zu veröffentlichen. Entschuldigung!

 

Später gab es dann noch für jedes Kind ein im Lagerfeuer erhitztes Marshmallow, Tee und eins der Brote, die wir am Montagvormittag in der Bäckerei gebacken haben. Die Kinder hatten sichtlich ihren Spaß, vor allem mit den hohen Flammen des Feuers. Die Krönung des Abends waren jedoch zwei junge Männer, die in vielen Städten und Ländern Südamerikas eine Marionetten-Show vorführen. Sie sind nur mit ihren Fahrrädern unterwegs und halten mal hie mal da an, fragen an kleinen und großen Institutionen nach, ob sie mit ihren Marionetten Kinderherzen beglücken dürfen. Im Laufe der Woche habe ich einen der beiden zufällig auf der Straße getroffen, der mich lieb angesprochen hat, was ich denn hier in Quiquijana mache. Daher habe ich ihm ein wenig vom unserem Projekt der Albergue erzählt, er war hellauf begeistert und hat im Anschluss sofort mit Sör Nelly gesprochen, ob er zusammen mit seinem spanischen Kollegen in der Albergue seine Show vorführen kann. Nelly hat dem zugestimmt und es war phänomenal lustig! Die Show war perfekt durchdacht, es wurden viele Titelmusikstücke verschiedener bekannter Filme untergebracht und Bücher fliegen gelassen, ein Troll lernte Flötespielen und ein kleiner Jungs stellte seine Jonglierkünste unter Beweis. Ein begabter Pianist klimperte so lange auf seinem Klavier, bis es zusammenbrach und auch unsere Katze Stuart kam im perfekten Moment um die Ecke gestreut, sodass auch er seinen Part zugesprochen bekam. Selbst die Schwestern kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, die beiden waren einfach richtig gut und vor allen Dingen lustig.

 

Donnerstagmorgen war dann schon der erste Feiertag, sodass wir erst einmal ausschliefen und dafür sehr von den Nonnen belächelt wurden. Nachdem um neun Uhr dann der Wecker geklingelt hat, haben Regina und ich Fotos ausgetauscht und unsere Blogartikel geschrieben, geduscht und uns auf das Festessen zu Mittag gefreut. Zuvor haben wir beim Pastor zu Hause einige Maiskörner geschält; im Anschluss bin ich auch zurück nach Cusco gefahren, um mit Bekannten aus Cusco über die heiligen Tage nach Urubamba zu fahren.

 

Ich wünsche euch auf diesem Wege wunderschöne Ostertage, viel Erfolg bei der Ostereiersuche und einige glückliche, stressfreie Tage!

 

Liebe Familie, esst bitte ein Stück Gugelhupf für mich mit!

 

Liebe Gisela, du hattest in der letzten Woche Geburtstag. Auch hier möchte ich dir alles Liebe und Gute nachträglich wünschen! Ich hoffe, dir geht es rundum gut!  

 

Beste Grüße und bis bald,

eure Anna!

 

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Keinen Artikel

Liebe Leute,

da diese Woche bis auf einen Stromausfall, Zimmertausch und zweifaches Brotbacken absolut nach dem Plan verlaufen ist, gibt es dieses Wochenende leider keinen Artikel. Ich schreibe nächste Woche wieder ausführlich! ♥ 

 

Bis nächste Woche,

eure Anna

 

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Mein neuer Arbeitsplan ♥

Zeit

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

8:30 – 11:30

Chacra - Ernten

Chacra

Chacra – Ernten

Chacra

Chacra

Brot backen

Waschen

12:30

Mittagessen

15:30 – 16:30

 

Hausaufgaben-betreuung

 

Hausaufgaben-betreuung

 

Hausaufgaben-betreuung

 

Hausaufgaben-betreuung

 

Hausaufgaben-betreuung*

 

16:30 – 17:30

16:30 – 17:30

16:30 – 17:00

16:30 – 17:30

 

 

 

 

 

Cusco!

 

Katechese

 

Musik*²

Englischunterricht mit den

Kleinsten

Park mit den Kleinsten oder Volleyball

18:00 Uhr

17:30 – 19:30

Messe

Abendbrot

19:30 – 20:30

 

Englisch- bzw. Computerunterricht

 

* Hausaufgabenbetreuung mit den Kindern, die auch am Wochenende in der Albergue wohnen (Im Anschluss fahren wir nach Cusco)
*² Franca und Regina spielen in dieser Stunde einige Stücke verschiedener Musikrichtungen, um die Kinder für Musik und Rhythmus zu inspirieren 
*³ Benjamin und Florian unterrichten den Umgang mit dem PC und wir vier Mädels die englische Sprache

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Schon wieder ein Monat im Projekt! ♥

Liebe Leute,

ich kann es mal wieder nicht glauben, wie schnell die Zeit rast. Gerade beginne ich diesen Blogeintrag zu schreiben; es ist Mittwochabend und würde ich meinem Zeitgefühl rechtgeben, wäre es Montagmittag. Aber auch in dieser Woche haben wir wieder sehr viel erlebt; angefangen von der wohl besten Englischstunde dieses Jahres über den „Geburtstag“ des Schwesternordens Siervas de Cristo Sacerdote, dem unsere vier lieben Nonnen angehören bis hin zu tollen Momenten des Blödelns und Quatsch machen mit unseren Kindern.

Am Montag nach der Arbeit auf der Chacra fand eine Reunión statt, bei ich wieder festgestellt habe, dass die Zeit, die uns noch bleibt, gar nicht so kurz ist, wie angenommen. Aber dennoch und definitiv zu kurz! Ich freue mich schon wie ein Honigkuchenpferd auf die folgenden Ereignisse wie die große Maisernte auf dem Feld Hermana Polis, die Osterwoche mit Lagerfeuer auf dem Innenhof, die zweite große Geburtstagfeier der Kinder, den Wettbewerb, bei dem eine Hymne für die Albergue geschrieben werden soll oder den Festtag der Gründerin des Schwesternordens. Bekanntermaßen rast die Zeit nur noch einmal um einiges schneller, wenn es viel Programm gibt.

Von der Chacra gibt es diese Woche nicht allzu viel Neues zu berichten. Wie auch in den letzten Wochen haben wir eine Menge geerntet und mit dem Triciclo zur Albergue gebracht. Langsam aber sicher werden auch die Tomatensträucher leerer – Es ist der absolute Wahnsinn, dass wir seit knapp einem Monat alle drei Tage zwei Eimer geerntet haben, es aber immer noch genügend große, rote Früchte gibt, um davon satt zu werden! Nebenbei graben wir neue Löcher und Reihen mit Spitzhacken und Schaufel, die wir an anderen Tagen wieder geschlossen haben. Allerdings haben wir Zuwachs von zwei Truthähnen bekommen, die Juana in der letzten Woche in Arequipa erworben hatte. (Ziemlich scheue Tiere, wenn es ums Fotografieren geht)

Mit den Kindern macht mir die Arbeit viel Spaß! Auch wen ich am Anfang eher skeptisch war, ob ich den Sprung von den größten Kindern zu den Kleinsten ohne weiteres meistern werde, macht mir die Arbeit mit meinen sieben Rabauken mindestens genauso viel Spaß, wie mit den Großen. Manchmal möchte ich zwar am liebsten, dass die Kinder die Hefte zuschlagen und die schwachsinnigen Hausaufgaben nicht machen, aber das hätte nur zur Folge, dass sie Probleme mit ihren Lehrern bekommen, anstatt, dass sich etwas im Schulsystem ändert. „Schreibe die Zahlen 7000 bis 8000 auf“, „Schreibe in Sechserreihe die Zahlen von 0 bis 900“, „Schreibe 10 Wörter, die mit ‚pla, ple, pli, plo, plu‘ beginnen“, und mein täglicher absoluter Favorit „Schreibe die Zahlen 22789, 12403, 57835 aus“ (allerdings rund 30 solcher Zahlen!).

Man merkt, dass ich von diesen Aufgaben nicht allzu viel halte. Das kann ich ihnen leider nur nicht sagen, da sie dann nur einige Bestätigung hätten, ihre Hausaufgaben nicht zu machen. Zur Folge hat das Ärger mit dem Lehrer/ der Lehrerin, was ich keinem Kind zumuten möchte und kann.

Der Englischunterricht!

Man mag es kaum glauben, aber zurzeit macht mir der Englischunterricht wahnsinnig Spaß. Ich unterrichte nun nur noch mit Regina zusammen, denn unsere ehemaligen Gruppen haben wir in zwei gleichgroße kleinere aufgeteilt. Zwei in der Gruppe der größeren Schüler (14 bis 18 Jahre) wissen Dinge, die ich niemals von ihren erwartet hätte. Vokabeln wie „singen“, „spielen“, „schlafen“, „essen“ oder „haben“ sind für sie kein Problem und vergessen das „s“ in der dritten Person Singular nur noch selten. Sie fragen nach, wenn ihnen etwas komisch vorkommt und haben Sätze gebildet wie „Ich esse einen Apfel“, was im letzten Jahr noch absolut undenkbar gewesen wäre. Mich freut es so, dass ein sichtbarer Erfolg zu sehen ist! Aber auch die kleinen scheinen nach und nach die Regel „He/ She/ It – das S muss mit!“ zu verinnerlichen. Zwar ist die Stunde mit ihnen immer noch deutlich anstrengender; nicht nur ein Kind wurde in der letzten Stunde rausgeschmissen, aber es bessert sich! Und das macht mich froh.

Am Dienstag war der „Geburtstag“ unserer Nonnen, da es ein Feiertag zu Ehren Marias war, die die Schwestern Kolumbiens und Perus stark verehren. Aus diesem Grund waren Franca und ich nicht auf der Chacra, sondern haben in der hauseigenen Bäckerei der Albergue zwei Apfelkuchen gebacken, die wir nach dem Festessen unten im Schwesternhaus verputzt haben. Leider habe ich von der Messe in der Kapelle unten nicht all zu viel mitbekommen, da ich noch auf den Kuchen im Ofen aufpassen musste, dass er nicht verbrennt, da er einfach nicht fertig werden wollte. Als ich gerade unten ankam, war der Pastor schon in seiner Predigt vertieft. Im Anschluss hab ich schnell die süße Nataly im Kindergarten abgeholt und auf meinen Schultern zur Albergue gebracht, sodass ich nicht viel zu spät beim Mittagessen im Schwesternhaus ankam. Zusammen mit Franca habe ich den noch nicht ganz fertigen Kuchen aus dem Ofen geholt und nach unten geflitzt, während die anderen schon beim zweiten Gang waren. Das Festessen bestand aus sage und schreibe vier Gängen: Nach einem phänomenalen Salat Schwester Polis, gab es eine leckere Suppe und im Anschluss ein riesiges Stück Lasagne für jeden - Und ehrlich: Ich war schon nach dem ersten Gang pappsatt. Zum guten Abschluss gab es dann noch den Kuchen und ein leckeres Eis, das der Pfarrer Cesar spendiert hat. Alles superlecker, aber jeder von uns ist fast geplatzt oder an Magenüberlastung gestorben. Mit Hermana Cecilia und Schwester Delfina sind wir zusammen zur Albergue zurückgelaufen und haben so viel gelacht, wie lange nicht mehr zusammen. Cecilia hat Delfina in ihrer Gangart nachgemacht, hat uns gezeigt, wie man nach einem solchen Essen richtig geht und mit mir beschlossen, gemeinsam zu platzen. Nach einer Stunde des Verdauens und Ausruhens haben wir uns nachmittags noch beim Volleyballspielen ausgelassen und laut Musik gehört, Hausaufgaben mit den Grundschülern gemacht und den Tag locker und gemütlich ausklingen lassen.

Und jetzt, liebe Leute, werde ich von dem berichten, was ihr mir wahrscheinlich nicht glauben werdet. Ich nenne diesen Lebensabschnitt „Projekt Peruanerin“, denn ich habe mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort „Ja“ gesagt. Als ich mich mit einem guten Freund meines Gastbruders über mein Leben in Peru unterhalten habe, sagte ich, dass es mir nicht gefiele von jedem als „Gringa“ bezeichnet; von vielen als Touristin betrachtet und daher auch preislich über den Tisch gezogen zu werden. Er erwiderte mir, dass wir uns am nächsten Wochenende (diesem hier) treffen werden, zum Frisör gehen, meine Haare dunkel färben, braune Kontaktlinsen kaufen und meine Haut durch Bräunungsmittel verändern. Ich habe gelacht, es nicht als ernst wahrgenommen und ihm die Hand drauf gegeben – Jetzt habe ich das Schlamassel. Wenn ich es nicht tue, schulde ich ihm einen Kasten Bier. Und Wettschulden sind Ehrenschulden!

Am Donnerstag und Freitag ist nicht mehr sonderlich viel passiert; außer, dass wir am Freitagabend kurz bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Cusco gemacht haben, Tamales zubereitet haben. Zusammen mit Hermana Poli haben wir einige Maisplanzen geschält, die Körner zu einer Masse mit einer Art Fleischwolf zerkleinert und im Anschluss die Masse in Maisblätter eingewickelt, gekocht - Schmeckt echt super! Danach habe ich mich schon mit den anderen wieder auf den Heimweg gemacht und sehe gespannt einem schönen Wochenende entgegen.

 

Liebe Grüße aus den Anden,

eure Anna. ♥

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Paracas, Iquitos, Lima - Teil 2 meines Urlaubes!

Nach drei erfolgreichen Tagen in der Heimat, in denen ich auch die drei Chilenen, die ich in La Paz kennenlernte, wiedertraf, stieg am 07. Februar mein Flugzeug in die Lüfte, das mich nach Lima gebracht hat. Lima war jedoch nicht das Ziel meiner weiteren Reise, da ich dort zu einem späteren Zeitpunkt eine ganze Woche verbracht habe; zusammen mit meinen Kollegen und meinem Chef Herrn Dr. Gravenkötter. So fuhr ich direkt weiter nach

Paracas

Paracas ist eine kleine Stadt an der Südküste Perus, die vor allen Dingen für die davorliegenden Inseln „Islas Ballestas“ bekannt sind; kleine Inseln, die auch die „kleinen Galapagosinseln“ genannt werden. Unter anderem findet hier der vom Aussterben bedrohte Humboldt-Pinguin sein zu Hause, Seerobben, und eine Menge seltener Vögel, die die Insel damals durch ihre Exkremente populär gemacht haben. (Stichwort: Guano-Boom) Am zweiten Morgen machte ich mich auch schon früh auf den Weg diese Inseln zu besuchen; saß zusammen mit rund 40 anderen Personen auf einem Boot und alle zusammen haben bestimmt rund eine Millionen Fotos geschossen – und wahrscheinlich untertreibe ich maßlos! Die Inseln an sich darf man leider nicht betreten, die Tiere kann man aber gut vom Motorboot aus beobachten. Die Artenvielfalt und vor allem die immense Anzahl der Tieren ist wirklich sehr beeindruckend, außerdem ist die Landschaft wundervoll – die Inseln bestehen quasi aus erodierten Felsbrocken, die aus dem Wasser ragen und auf denen sich die Tiere aufhalten. Der strahlendblaue Himmel am Horizont unterstreicht das Bild des perfekten Ausfluges.

 

Auch in dieser Stadt habe ich mich in einem Backpacker Hostel direkt am Plaza de Armas einquartiert, in dem ich schnell viele nette Leute kennengelernt habe und das Nationalgetränk Pisco, das in der gleichnamigen Nachbarstadt den Ursprung findet, an einigen Abenden trank.

 

Außerdem schließt keine zwei Kilometer hier der Stadt Paracas ein wunderschöner Nationalpark an, den man meiner Meinung nach gesehen haben muss. In einem Autobus machten wir uns diesmal mit rund 20 Personen auf den Weg, Strände, Aussichtspunkte, die Wüste und die Küste zu bewundern. (Wenn mir jemand von euch da draußen erklären kann, wie die trockenste Wüste dieser Erde auf den größten Ozean dieser Welt treffen kann, meldet euch bitte bei mir!)

In diesem Nationalpark genoss ich vor allen Dingen die Ruhe, die herrschte, wenn der restliche Teil der Gruppe aus den Augen verschwand. Es gab zum Beispiel den roten Strand, la Playa Roja, der auf Grund der Farbe aus als der „Strand des Teufels“ betitelt wird. Die Aussichtspunkte haben einen Blick über das Meer schweifen lassen, der unglaubliche Geruch der Tiere hängt mir immer noch in der Nase. Auch hätte ich an einer kleinen Badebucht schwimmen gehen können; da ich aber nicht allzu große Lust hatte mit rund fünfhundert anderen Personen auf kleinstem Raum im Wasser zu plantschen, entschied ich mich einen Berg hochzulaufen, der ebenfalls einen traumhaften Rundumblick der traumhaften Natur bot. Wäre hier oben nicht schon wieder ein Typ gewesen, der mich angequatscht hätte und den Versuch wagte, meine Nummer zu erbetteln, hätte ich es sicherlich nur um einiges mehr genießen können.

 

Besonders in meinem Hinterkopf sind auch die riesigen Pelikane geblieben, die an diesem Ort ihr zu Hause gefunden haben. Am Strand standen immer zwei Männer, die mit diesen Tieren Shows vorgeführt haben, die wirklich sehr eindrucksvoll gestaltet waren. Pelikane sind einfach so schlaue, große und wunderschöne Tiere. Zuvor habe ich sie noch nie gesehen, sodass ich immer noch gerne an diese Stunden des Beobachtens zurückdenke.

 

In Paracas und Umgebung habe ich sicherlich nicht so viel unternommen, wie ich in den vier Tagen hätte unternehmen können. Habe die Zeit genutzt, über mich und mein Leben nach dem Auslandsjahr in Peru nachzudenken, anstatt viele Programmpunkte abzuarbeiten. War nicht in der benachbarten Oase Huacachina, die sich gewiss gelohnt hätte, sondern saß oder lag die meiste Zeit in der Sonne und habe mich berieseln lassen, wie mein Zukunft aussehen soll.

 

So fuhr ich nach vier schönen Tagen in der Sonne wieder nach Lima, um dort in mein Flugzeug zu steigen und nach Iquitos zu fliegen. ♥

Iquitos

Schon bevor ich meine Reise nach Peru antrat, wusste ich, dass ich diese Stadt, die mitten im Amazonasgebiet Perus gelegen ist, besuchen möchte und werde. Iquitos liegt ganz im Norden des Landes Perus, man kann fast schon sagen, an der Grenze zu Kolumbien. Allerdings ist diese Stadt nicht mit dem Bus oder Auto zu erreichen, sodass man sich zwischen den Optionen zu fliegen oder mit dem Schiff zu fahren, entscheiden muss. Aus zeitlichen Gründen entschied ich mich für ersteres und landete am 14. Februar in der Stadt, in der ich den ersten wirklichen Kulturschock erlebt habe. Als ich aus dem Flugzeug stieg, brachte mich erst die Hitze mitten in der Nacht um meinen Verstand und anschließend die jungen Mototaxifahrer. Anstatt dass wie in jeder anderen Stadt hundert Männer auf dich warten, die dich zu deinem Hotel oder Hostel bringen wollen, standen hier dreihundert Jünglinge, die durch dich 30 Cent verdienen wollten, indem sie dich mit ihrem Motorrad mit Anhänger zu dem Ort deiner Wünsche bringen. Und die Stadt war dreckig: von Müll und Dreck fast übersät, im ersten Moment musste ich wirklich schlucken. Allerdings habe mich im Laufe der Tage doch sehr in den Charme der Stadt, die direkt am größten Fluss der Welt liegt, verliebt.

 

Primärer Grund für meine Reise in den Urwald, war meine Großtante, die 20 Jahre lang in dieser Stadt missionarischen Dienst geleistet hat, jedoch seit mittlerweile nun mehr 16 Jahren verstorben ist. Und man mag es kaum glauben, aber ich habe mit ihrem besten Freund aus damaligen Zeiten sprechen können und das Haus besucht, in der sie über die Jahre hinweg gelebt hat. Von den Menschen wurde ich wie eine Tochter behandelt, einer Frau kamen die Tränen, als sie mich sah. Die ehemalige Mitbewohnerin meiner Großtante habe ich auch kennengelernt und als ich ihr erklärte, wer ich bin und warum ich hier bin, kam sie aus dem Staunen und vor allem aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Stellte mir einige Fragen zu meiner Familie, über meine Arbeit hier in Peru und den Grund meines Besuches. Sie gab mir vor allen Dingen mit auf den Weg, dass ich mein gutes Herz behalten solle, auf mich aufpassen muss und meinen eigenen missionarischen Weg finden werde. Leider traue ich mich nie ältere Leute zu bitten, langsamer zu sprechen, sodass ich nicht alles verstanden habe, was sie mir über sie erzählte, aber eines steht fest: Sie hat sie bewundert und für ihre Taten geehrt.

Auch konnte ich ihr Grab vor Ort besuchen, was mir sehr viel bedeutet hat, denn im Prinzip war sie der Grund, warum ich mich dazu entschlossen hatte, ein Auslandsjahr genau in Peru zu absolvieren.

 

Auch war ich für drei Tage im Urwald und das waren wohl mit die drei Tage, die ich niemals vergessen werde. Ich habe Piranhas geangelt, mit Affen gespielt, Papageien sinnlose Wörter beigebracht, Faultiere, Affen und Tukane auf meinem Arm gehalten, wunderschöne Vögel beobachtet, lauschte dem Lärm der Insekten oder den schönen pfeifenden Vögeln, genoss die bunten & großen Früchte und die angenehme Hitze, liebte die farbenfrohen Schmetterlinge; bin im Amazonas geschwommen und vor allen Dingen: mit einem Delfin!

 

Als wir (damit meine ich die beiden liebenswürdigen Niederländer Tessa und Rick und meine beiden Guides Magno und Glen) uns dazu entschlossen hatten, einen Köpper in das kühle Amazonaswasser zu machen und für einige Zeit zu schwimmen, kam ein süßer, kleiner Delfin zu mir und zog mich für einige Zeit durch das Wasser. ♥ Ich hätte niemals erwartet, dass ich jemals mit einem Delfin schwimmen werde und auch mein Guide Magno sagte mir, dass dies unwahrscheinlich selten passiert. In der Gruppe hatte ich insgesamt wahnsinnig viel Spaß auch wenn nach den drei Tagen mein Spanisch ziemlich abgebaut hatte, da mich die niederländische und englische Sprache aus dem Konzept warf und für Sprachverwirrung sorgte.

 

Um auch wieder an die deutsche Sprache erinnert zu werden, kam Regina schon am nächsten Tag auch nach Iquitos geflogen, mit der ich zusammen den Markt im Stadtviertel Belén besucht habe – ein Stadtviertel, auf Holzstämmen errichtet, um bei Hochwasser nicht überschwemmt zu werden. So viel Leid auf einem Fleck habe ich noch nie gesehen: Schlafende Männer und Frauen auf den Verkaufsflächen und dem Boden, viel Fleisch unhygienisch wie eh und je an jedem Stand, Schlamm auf dem Boden und Dreck, sodass man keine Stelle betreten konnte, ohne schmutzig zu werden. Bananen in Massen verfault auf dem Weg, Schildkrötenköpfe frei und ohne Problem zum Verkauf. Zwischenzeitlich konnte ich wirklich nicht atmen; der Atem stockt immer noch, wenn ich an das Leid denke, die Blicke der Einheimischen und den Gestank, den ich selten oder vielleicht auch noch nie gerochen habe. Irgendwann wollte ich von dort einfach nur weg; nein, musste einfach nur von dort weg, da mir in dem Augenblick wieder so vieles über den Kopf gewachsen ist.

 

Regina trat am nächsten Tag auch die gleiche Tour an, die ich einen Tag zuvor abgeschlossen hatte, sodass ich mich wieder schneller von ihr verabschieden musste, als ich sie wiedergesehen habe. So nutzte ich die Zeit noch andere Teile der Stadt kennenzulernen, erneut zum Grab meiner Tante zu fahren, mit anderen Einheimischen zu sprechen, die sie kannten und langsam aber sicher meine Sachen zusammen zu packen, um meinen Rückflug nach Lima anzutreten.

 

Iquitos hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt und ich würde diese Reise immer wieder gerne wiederholen. Habe viel an die wichtigsten Freunde und Familienmitglieder gedacht und euch gerne bei mir gehabt, um euch das wundervolle, harmonische Leben am anderen Ende der Welt zu zeigen.

 

Nach dieser Woche flog/ fuhr ich allerdings schon das dritte Mal nach Lima, in die Hauptstadt Perus, die zentraler Knotenpunkt des Landes ist.

Lima

In Lima kam ich schon zwei Tage vor unserem großen Zwischenseminar der Kinderhilfe Cusco-Peru e.V. an, sodass ich zunächst Zeit fand, die Wellen und das Meer auf eigene Faust zu erkunden. Mein ganz großer Wunsch über dem Meer einen Paragliding-Sprung zu machen, ließ sich leider aufgrund Windmangels einfach nicht verwirklichen, sodass ich die meiste Zeit am Wasser saß, mich mit lustigen Peruanern unterhielt oder im Hostel meines Vertrauens das Internet blockierte. Schon nach weniger als 48 Stunden Lima machte ich mich auf den Weg zu unserem Hotel, in dem ich alle Freiwilligen wiedertraf – Florian und Benjamin habe ich rund acht Wochen nicht mehr gesehen – und das Zwischenseminar stattfand. Auch unsere Oberschwester Sör Nelly war für einen Tag anwesend, wodurch wir die wenigen Probleme, die im Raum standen, klären konnten. Neben dem theoretischen Stoff, den es in diesen Tagen zu besprechen galt, fanden wir glücklicherweise auch ein wenig Zeit den Altstadtkern Limas kennenzulernen und das wohl wichtigste Museum über die verschiedenen Kulturen des Landes zu besichtigen. Es hat definitiv gutgetan, einmal über die Dinge, die mich über das Jahr hinweg beschäftigt haben, mit meinem Organisationsleiter Herrn Doktor Gravenkötter persönlich zu besprechen und Dinge über das Projekt zu erfahren, die wir bis dato nicht so wussten. In diesen Tagen haben wir auch an einem Nachmittag die Zeit gefunden, ein Projekt in „Lima 2.0“ zu besuchen. Mit Lima 2.0 meine ich das Lima, von dem niemand erzählt, wenn man über die Hauptstadt Perus spricht. Denkt man an Lima stellt man sich die Hochhäuser und Einkaufszentren in Miraflores oder Barranco vor; die ewiglangen Strände oder assoziiert damit die Rosa Nautica, das bekannte Restaurant direkt auf dem Meer. Aber wer verbindet mit Lima die rund 8 Millionen Menschen, die in Armut leben? Zwei Stunden entfernt von den Touristenorten, aber immer noch in Lima? Die Orte, an denen ein einiger Wasseranschluss etwas Besonderes ist? Wo es statt gepflasterte Straßen der Staub dominiert? Aber genau dort waren wir! Haben uns ein Projekt einer Bekannten unseres Chefs angesehen, die dort ein Frauenhaus, ein Kindergarten und eine ärztliche Versorgungs-Zentrale errichtet hat. Im Frauenhaus beispielsweise bekommen die Frauen, die vielleicht arbeitslos sind, die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen – Ob es eine Ausbildung zur Frisörin, ob es der Umgang mit Häkel- oder Stricknadel oder ob es eine Lehre zur Köchin ist - den Frauen wird eine Perspektive geboten und das ist für mich eine der wichtigsten Punkte in der Entwicklungshilfe.

Da Anna-Marias und mein Flug verschoben worden war, durften wir beide uns schon sehr früh am 1. März auf den Rückweg nach Cusco machen, wo ich nach rund 1 ½ Monaten mich erneut in meine neue Heimat verliebt habe. Das Preisniveau in der ehemaligen Inkahauptstadt ist bei weitem niedriger, sodass ich mich sehr gefreut habe, für ein Taxi nur noch rund 5 Soles statt 25 zu bezahlen – Natürlich muss man beachten, dass Lima viel größer und weitläufiger ist. Aber auch hinsichtlich Essen und Übernachtungen ist Cusco günstiger, als es die Hauptstadt Lima ist, was mein Portmonee doch sehr erfreut.

 

Nach einem Wochenende, in dem ich auch endlich meinen Gastbruder Chano kennengelernt habe, der am 11. Februar seit Auslandsjahr in Neuseeland beendet hatte, und froh war, für die nächsten Wochen mehr oder weniger sesshaft zu sein, machte ich mich wieder auf den Weg ins Projekt, in dem uns viele liebenswürdige Rabauken empfingen.

 

Liebe Leute,

das war mein Urlaub quer durch Südamerika 2014! Ich hoffe sehr stark, dass ich nach Beendung meines Auslandsjahres schnell noch einmal Zeit finden werde, diese Länder zu besuchen; besonders die Atacama-Wüste, Iquitos und natürlich Cusco – die Orte, an denen mein Herz am meisten hängt.

 

Bis bald, eure Weltbummlerin.

 

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Besuch im Andendorf und der ganz normale Wahnsinn!

Da Florian und ich uns am Sonntagabend doch erst ziemlich spät auf den Weg nach Quiquijana gemacht haben, haben wir leider den Bus, den wir immer nehmen, nicht mehr bekommen; ließen uns deshalb zu einer anderen Busstation bringen, die den gleichen Weg ein wenig schneller fährt - demnach aber auch das doppelte kostet (statt 5 Soles; 10 Soles; statt 1,20 €, 2,40 € für die rund 80 km bis nach Quiquijana). Dennoch kam ich eine zusätzliche dreiviertel Stunde später als gewohnt in dem schlafendem Mädchenschlafsaal an, da rund sechs Kilometer vor unserem Dorf einige große Steine eines Berges lawinenartig auf die Straße hinabgefallen sind, sodass die Durchfahrt nach Quiquijana für mehrere Stunden nur im Schritttempo vonstattengehen konnte und sich ein unendlich langer Sau von LKWs und Bussen gebildet hatte. Als ich in meinem Zimmer ankam, fiel ich sofort todmüde in mein Bett - und konnte trotzdem nicht schlafen; irgendjemand hat wohl behauptet rund 3 Stunden Schlaf sei ausreichend.

Montagsmorgens musste trotzdem auf der Chacra ordentlich gearbeitet und mit dem Triciclo Obst und Gemüse zur Albergue gebracht werden. Im Moment gibt es immer noch wahnsinnig viel zu ernten, sodass unser Triciclo manchmal fast zu klein ist, alles zu den kleinen, hungrigen Kindern zu bringen. Denn Körbe Salat; Säckeweise Blumenkohl, kleine Bohnen, Rote Beete, Brokkoli und Mangold, zwei Eimer Tomaten und mal hier eine Hand Petersilie, Radieschen oder Kräuter für Tee nehmen doch einigen Platz in Anspruch.

Nachmittags hat Pavela, die Lehrerin der Albergue, alle Kinder in Gruppen eingeteilt und so ist jetzt klar, dass ich die folgenden drei Monate mit den Kleinsten zusammen arbeiten und ihnen bei ihren Hausaufgaben unter die Arme greifen werde. An diesem Nachmittag, als sich alle Kinder in Reihen aufgestellt haben, um zu sehen, wer in welcher Klassenstufe ist und welcher Freiwilliger welche Gruppe übernimmt, habe ich mich stellenweise wirklich gewundert, wer ungefähr in einem Alter ist und andererseits Gesichter wiedergesehen, die erst seit dieser Woche wieder in Quiquijana leben - Mein Herz ist aufgegangen und ich freue mich noch auf das ein oder andere Gespräch über ihre Ferien. So verbringe ich auch einige Zeit meiner Mittagspause bei den Kindern; spiele nicht unbedingt Volleyball mit (da mein Geschick für diesen Sport nicht all zu groß ist), sitze aber gerne mit den Kindern zusammen und bewundere die Kinder und Schwester Poli, die wahre Profis sind.

 

Dienstagmorgen ging auf der Chacra die Post ab: Florian, Regina, Benjamin und ich haben im zweiten Gewächshaus neun rund 30 cm tiefe Reihen mit Spitzhacke und Schaufel gegraben, da in diesem Bereich des Gewächshauses die Nähstoffe in der Erde sehr begrenzt sind. Daher haben wir mit der guten Hilfe von Romolo die Erde einmal komplett umgegraben, auch wenn wir stellenweise große Probleme hatten, die hinausgeschaufelte Erde unterzubringen. Dies werden wir in der nächsten Zeit noch an der einen oder anderen Stelle wiederholen; damit die Erde noch einmal aufgelockert wird, zwei/ drei große Steine entfernt werden können und die Erde durch ein wenig Dünger bzw. Asche nähstoffreicher wird. Der Abend war außerdem wieder der erste, an dem ich wieder nach sehr, sehr langer Zeit Englisch unterrichtet habe. Hier gibt es seit Wiederbeginn des Unterrichts eine wichtige Änderung, da wir die viel zu große Gruppe des Englischunterrichts in zwei Gruppen a 10 Schülern aufgeteilt haben. Davon erhoffen wir uns, dass die Kinder besser aufpassen und vielleicht doch noch die ein oder andere kleine Grammatik behalten. Und das hat sich auch sofort als richtig erwiesen, da mich ein Junge, der früher nie aufgepasst hat, mit dem Merkspruch “He/ She/ It - Das »S« muss mit!” einige Stunden nach dem Unterricht ansprach - Ich fühle mich stolz! - An dieser Stelle merkt man vielleicht noch einmal, auf welchem englischen Niveau wir uns hier befinden!

 

Am Mittwoch hieß es nach langer Zeit wieder für mich Brot zu backen. Durch die Hilfe des größten Jungen in der Albergue, der ab April in Cusco studieren wird, sind die 15 Kilo Teig im Handumdrehen verarbeitet worden, sodass die restlichen Stunden des Vormittags dazu verwendet wurden, die Bleche der Bäckerei mit viel Clorox und viel heißem Wasser zu säubern. Da diese Bleche jedoch einige Jahre auf dem Buckel haben, stellte sich diese Aufgabe als größere Herausforderung heraus, als man annehmen könnte. Denn innerhalb dieses Vormittags (rund drei Stunden) haben wir zu viert nur sage und schreibe fünf Bleche mehr oder weniger sauber bekommen. Dafür sind die Brötchen an diesem Morgen umso besser geworden, sodass die Frustration über die Bleche nicht allzu lange bei mir anhielt. Den Boden und die Arbeitsflächen hat die andere Brot-back-Gruppe schon in der letzten Woche gesäubert, sodass man mittlerweile wieder den wahren Glanz der Bäckerei erkennen kann.

 

Nachmittags arbeite ich seit Neustem ja nicht mehr mit den Größten der Albergue zusammen; sondern mit den Kleinsten. Diese sind momentan stark damit beschäftigt, die erste Seite ihrer Aufgabenhefte zu verschönern, sodass die liebe Anna in den letzten Tagen viele Hunde, Schmetterlinge oder Strichmännchen malen durfte; Hefte mit Klarsichtfolie einband oder den Schülern half, die vorgemalten Zeichnungen bunt zu malen.

Andere Kinder haben auch schon kleine Hausaufgaben auf. Drei Schülerinnen der dritten Klassen mussten an diesem Mittwochnachmittag einen Art Steckbrief über sich anfertigen, indem sie Dinge wie Vorname, Nachname, Alter, Geburtstag oder Größe aufschreiben sollten. Die Hausaufgabe trug den Namen “Ich kenne meinen Körper und respektiere ihn!”, sodass es für mich persönlich sehr erschreckend war, dass keiner der drei rund zehn jährigen Mädchen wusste, wann sie geboren wurden und stellenweise (glaube ich) nur geschätzt haben, wie alt sie sind.

Am Abend fand auch wieder eine Messe statt, die sehr gut besucht war, sodass ich die ganze Messe stehen musste. Sehr süß war ein kleines Baby, das mich die ganze Messe über mit ihrem Schokokeks in der Hand und riesigen Kulleraugen anlächelte, während es auf dem Rücken seiner Mutter in einem Tuch eingewickelt hin und wieder damit kämpfte, nicht einzuschlafen.

Auch am Donnerstagvor- und Nachmittag lief einiges außerhalb des Planes ab, denn: Wir hatten großen Besuch. An diesem Tag waren rund 40 Mediziner (Optiker, Zahnärzte, Gynäkologen und allgemein Mediziner) aus Kalifornien in unserer Albergue, um am Vormittag Männer, Frauen und kleine Kinder Quiquijanas zu untersuchen und am Nachmittag in die Augen, den Mund und auch auf die Haut unserer Kinder zu schauen. Die Mediziner haben nicht nur Zahnbürsten für lau an die Kinder verteilt, sondern hatten ebenfalls 1300 Brillen im Gepäck, wovon vieler unserer Kinder stolze Besitzer geworden sind. Wir Freiwilligen trugen vor allen Dingen die ehrwürdige Aufgabe, den zum Teil nur englisch sprechenden Ärzten das Krankheitsbild der Kinder zu übersetzen, durften aber auch unsere Zähne oder Augen kontrollieren lassen. Bei den Übersetzungen kam ich an der einen oder anderen Stelle schwer ins Stocken, da mir nach neun Monaten Spanisch die englischen Vokabeln mehr denn je fehlen. So habe ich oft die Sprache “Spenglish” erfunden - die wunderbar klingende Mischung aus Englisch und Spanisch. Als sich die Mediziner in einem Rutsch gegen halb fünf auf den Weg machten, die Albergue zu verlassen, konnte ich meinen Augen kaum glauben, als fast alle Kinder mit ihren Rucksäcken in der Hand in den Arbeitsraum schritten, um freiwillig ihre Hausaufgaben zu erledigen. Normalerweise ist es ein bombastischer Aufwand, jedes Kind dazu zu bewegen, den Saal zu betreten und ruhig zu arbeiten - Heute war es (natürlich mit einigen Ausnahmen) kein Problem. Sehr wichtig für die Kinder war es, glaube ich, zu erfahren, dass sie die englische Sprache brauchen, um sich beispielsweise mit diesen schlauen, helfenden Ärzten zu unterhalten. Auch hier kam ich an der einen oder anderen Stelle ins Staunen, als einige Kids die Ärzte wissbegierig fragten, wie sie denn hießen oder wie alt sie seien. (AUF ENGLISCH!)

Nachdem ich am Freitagmorgen die zuckersüße, wie ein kleiner Wasserfall redende Nataly, die Kleinste der Albergue, zum Kindergarten gebracht hatte, stand auf dem Programm mit Franca unten im Schwesternhaus zu waschen. Da mich eine neue Floh-Plage gepackt hat - alleine mein Rücken zählt mehr als 20 Stiche - wuschen wir neben vielen Klamotten auch meinen Bettbezug und so kann ich nur hoffen, dass die hässlichen Biester das Schleudertrauma in der Waschmaschine nicht überlebt haben; die restlichen juckenden Monster in meiner Matratze durch das Anti-Floh-Pulver gestorben sind.

Nachmittag waren erneut die Ärzte anwesend, die auf unserem Hof für Stimmung sorgten, indem sie gegen unsere Jungs ein Fußballtunier veranstalteten. Obwohl Peru seit 36 Jahren an keiner Weltmeisterschaft mehr teilgenommen hat, zogen unsere Jungs die Amerikaner ordentlich ab. Ein Amerikaner schaffte es jedoch eine Fensterscheibe mit dem Fußball zu zerschießen; hat aber ehrenvoll die 10 Soles, die jedes Kind in dem Fall bezahlen muss, auch den Schwestern für eine neue Scheibe gegeben. Mir hat die gute Stimmung auf dem Hof wahnsinnig gut gefallen. Viele Jugendliche voller Energie und Tatendrang auf einem Hof - Einfach eine tolle Sache. Außerdem haben sie viele Spielsachen an die Kinder verteilt, sodass diese auch ein großes Strahlen im Gesicht hatten.

 

Liebe Leute,

diese Woche hat mir wieder gezeigt, warum ich hier bin und wie sehr unsere Unterstützung vor Ort benötigt wird. Kann mir nicht vorstellen und mag mir noch gar nicht ausmalen, in 100 Tagen im guten, alten Deutschland zu sein – ohne die zuckersüßen Rabauken, die mich zwar hin und wieder um meinen Verstand bringen, aber einfach durch und durch liebenswürdig sind. Bin fast ein wenig eifersüchtig auf die neuen Freiwilligen, die mit den Kindern zusammen arbeiten werden; mit den Schwestern lachen und das Leben in den Anden genießen. Andererseits freue ich mich auch bald wieder bei euch zu sein; auch auf der Straße meine Muttersprache zu sprechen und dass für das Erste die Sprachvermischung- und verwirrung ein Ende hat.

Ich wünsche euch einen sonnigen, liebenswürdigen Tag.

 

Eure Anna.

Auch wenn die Qualität nicht die Beste ist. ♥
Auch wenn die Qualität nicht die Beste ist. ♥
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Teil 1 meiner unvergesslichen Reise. ♥

Liebe Leute,

 

Die Zeit rast!

Das habe ich vor allen Dingen sechs Wochen lang erfahren dürfen: Die Wochen meines Urlaubes, in denen ich sehr viele Orte Südamerikas bereisen durfte. Orte, die mir den Atem raubten. Orte, die ich niemals vergessen werde. Orte, in denen ich so viele liebenswürdige Menschen aus aller Welt kennenlernen durfte. Die letzten Wochen habe ich noch gewiss benötigt, um all die Bilder, die ich sehen durfte, zu sortieren und in meinem Hinterkopf einzubrennen, bevor ich euch jetzt hier ausführlich berichten kann.

Um zunächst einen kleinen Überblick zu verschaffen, hier ein kleiner Abriss meiner Reise:

 

Titicacasee – Isla del Sol – La Paz – Salar de Uyuni (Salzwüste) – San Pedro de Atacama (Chile/ Atacamawüste) – Arica und Tacna – Cusco – Lima – Ica/ Paracas/ Islas Ballestas – Iquitos – Lima

 

Über die einzelnen Orte und Augenblicke werde ich in den folgenden Zeilen ausführlicher berichten. So werde ich übersichtshalber für jeden Ort einen kleinen Artikel schreiben. Viel Spaß beim Lesen! ♥

Der Titicaca-See!

Zusammen mit Anna-Maria bin ich am 17. Januar nach Copacabana gefahren. Copacabana ist ein ruhiger, kleiner, touristischer Ort am Titicacasee, der unmittelbar hinter der Grenze zu Peru auf der bolivianischen Seite liegt. Den ersten Tag haben wir beide hauptsächlich damit verbracht, die Sonne zu genießen, am Steg zu sitzen, in einem kleinen Restaurant bei Live-Musik zu essen und Tagebuch zu führen, was ich mir für diesen Urlaub vorgenommen habe. Außerdem haben wir mehr oder weniger auf Regina gewartet, die erst einen Tag später zu uns stieß. Anna-Maria und ich fuhren auf die kleinen schwimmenden Inseln, die man von der Seite des Sees erreichen kann, tankten auf dem Boot das erste Titicacasee-Wasser und holten uns in diesen Stunden den ersten kleinen Sonnenbrand. Die mitten im Schilf gelegenen, kleinen, schwimmenden, auf Brettern aufgebauten Inseln, die hauptsächlich aus Stroh und Bambus bestehen, waren eindrucksvoll. Fotos machen konnte ich hier leider keine, da mein Handyakku leer war und meine Kamera vor einigen Tagen den Geist vollkommen aufgab – Eine Schande für die Reise. Dort gab es aber einfach so viel zu bewundern: die tolle Aussicht über den See, die aus Stroh modellierten Tiere, Fische, die in einem kleinen Teich in der Mitte der Insel gefangen gehalten wurden, und kleine Souvenirs.

Die erste Urlaubsbekanntschaft machten wir beide auch schon einige Zeit später mit Erika, einer lieben Peruanerin, die an diesem Tag ihren 25. Geburtstag feierte. Mit ihr waren wir am Abend eine Kleinigkeit essen, nachdem wir die Kathedrale am Berg der Stadt besucht hatten. In dem Restaurant sangen alle Kellner und Besucher ihr ein Ständchen und wir verbrachten auch noch die ganze Nacht mit ihr, da wir uns das Hostelzimmer zu dritt teilten.

 

Am nächsten Morgen traf dann mit einiger Verspätung Regina zu uns, mit ihr kauften wir uns das günstigste Ticket auf die Isla del Sol (Sonneninsel), auf der wir die nächsten drei Tage und zwei Nächte verbrachten.

Isla del Sol, Titicacasee. ♥

Nach einer kurzen Bootsfahrt sind wir auf der Insel angekommen und leider hat es wieder prompt angefangen zu regnen. Dennoch haben wir unseren kleinen Marathon in Angriff genommen: auf die Suche nach dem Hostel "Walter", das uns von Anna-Marias Schwester empfohlen wurde. Und wir haben es auch nach ein bisschen Wandern und rund 200 Höhenmetern, die wir zurückgelegt haben, gefunden: auf dem Weg begegneten uns spuckende Lamas, drei schreiende Esel und viele unterschiedlich große Steine - und kein eigentlicher Weg -, sodass der Aufgang teilweise sehr anstrengend, aber auch sehr amüsant war. Oben angekommen war ich von der Aussicht mehr als überwältigt – der See, die Inseln und die Berge im Hintergrund. Kaum Boote mit Touristen, sondern vollkommende Ruhe, Stille - Zeit zum Entspannen und Nachdenken. Zuerst habe ich mir meine Polaroid-Kamera geschnappt, mein Tagebuch und ein bisschen was zu essen und begann zu schreiben. Allerdings war der Wind zu stark, aber vor allem kalt, sodass ich es nicht mehr als 10 Minuten draußen aushielt. Papa, an diesem Tag hattest du Geburtstag. Auch hier Alles, Alles Liebe nachträglich! ♥ Ich hab dich lieb!

Die Spaziergänge durch die Berge, Steine und Felder waren wunderschön; die Aussicht, das Wetter, das Zusammenleben mit den Tieren. Mit Eseln, Lamas, Vögeln, Schafen und auch Schweinen. Das Leben auf dieser Insel ist geprägt vom Zusammenleben und Vertrauen, vom miteinander arbeiten und aufeinander angewiesen sein. Um Lebensmittel zu kaufen, muss man aufs Festland fahren. Wenn man krank ist, auf seine Freunde und Verwandten hoffen, die Medikamente besorgen. Diese Stille, kein Auto weit und breit. Das Rauschen des Sees und das Plätschern des Wassers, das Toben der kleinen Kinder und die Tierlaute überall. Die sternenklare Nacht und der wolkenlose Himmel. Hier hätte ich euch gerne einfach aus meiner Hosentasche gezogen und euch diesen Ort gezeigt, denn es war sicherlich einer, der mir mit am besten meiner Reise gefallen hat.

Im Großen und Ganzen haben wir drei auf der Insel nicht viel unternommen. Sind viel spaziert und haben über Gott und die Welt nachgedacht, waren in einem ganz tollen Restaurant „Las Velas“ - das seinen Namen aus dem einfachen Grund trägt, dass es nur mit Kerzen (span. »las velas«) beleuchtet wird - essen und die absolute Stille der Insel genossen.

 

Aus meinem Tagebuch möchte ich eine Passage gerne mit euch teilen, die ich über das Leben auf der Insel geschrieben habe: „Das einfache Leben beeindruckt mich immer wieder - wie man abgeschattet von der Welt, ohne fließendes Wasser und oft auch ohne Strom, ohne gesicherte Nahrung, aber durch viel miteinander Jahre, Jahrzehnte zusammen leben kann, ohne die industrialisierte Welt zu kennen. Viele von den Menschen auf der Insel haben wahrscheinlich noch nie das Festland betreten, kennen es nicht zu reisen, sondern genießen in vollen Zügen ihre Sesshaftigkeit. Ich kann mir vorstellen, dass auch viele Menschen nicht von hier weg wollen; dankbar sind, was sie haben und von der Welt, die sie - glücklicher Weise - nicht kennen, erschlagen werden würden. Eine Schar von Männern macht sich gerade auf den Weg von einem der höchsten Punkte der Insel das Dorf oder das Wasser zu erreichen. Auf ihren Schultern tragen sie Tüten, Werkzeug und vor allem ihre Jacken. Ich vermute, dass sie seit frühen Morgenstunden gearbeitet haben und gerade das erste Mal am Tag zu ihren Familien zurückkehren. Weit hinter ihnen folgen die Frauen, in ihren typischen lateinamerikanischen Trachten, in denen ich bei diesem Wetter eingehen würde. Alle von ihren trugen um den Hals gebunden ihre Tücher: teilweise ihre kleinen Babys, die hoffentlich eine gesund Zukunft haben werden, Lebensmittel oder Dinge, die sie zum Überleben brauchen.“

Am dritten Tag morgens um 6 Uhr sind wir mit unserem netten Hostelbesitzer zurück zum Festland gefahren. Allerdings mit einem kleinen ungeplanten Umweg, da der Sprit in seinem Tank nicht ausreichend gefüllt war, um die komplette Strecke bis nach Copacabana zu fahren. So brachte er uns an ein nähergelegenes Ufer, um von dort aus mit dem Taxi nach Copacabana zu düsen, den Ausgangspunkt für die Weiterreise nach La Paz. Zwar haben wir dadurch ein wenig mehr Geld bezahlt, andererseits noch andere Teile des Landes Bolivien bestaunen können und bemerkt, dass es rund um den See die Armut Boliviens gegenüber Peru deutlich spürbar ist.

La Paz - Die Stadt des Friedens.

Für die Fahrt nach La Paz haben wir nur rund vier Stunden benötigt. Am ersten Tag machten wir dort nicht viel; suchten uns ein Hostel, gingen essen und ruhten uns ein wenig aus. Erst am zweiten Tag nahmen wir ein einer sogenannten „Free Walking Tour“ teil, durch die wir die wichtigsten und imposantesten Teile der Stadt kennenlernen durften: Große Plätze und Markthallen, der Hexenmarkt, viele historische Gebäude und Aspekte und auch über die Geschichte La Paz und insgesamt Boliviens lernten wir an diesem Nachmittag viel. Auch haben wir das höchste Gebäude der Stadt von innen besichtigen können, sodass wir auch einmal die Stadt von „oben“ sehen konnten. Jedoch erschreckt sich die Stadt über so viele Höhenmeter, sodass kein Gebäude dieser Welt einen kompletten Ausblick über die Stadt verschaffen könnte. Die liebenswürdigste Bekanntschaft unseres Urlaubes machten wir am nächsten Morgen mit drei Chilenen, die auch wie wir mit Rucksäcken bepackt quer durch Bolivien, Chile und Peru reisten. Zusammen mit ihnen waren wir in zwei Museen und haben von einem Aussichtspunkt erneut die Stadt bewundert. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, da unsere Tour zum Salar de Uyuni bevorstand. Kontaktdaten ausgetauscht und verabschiedet haben wir uns dann schnell, damit wir drei Mädels uns das Ticket in die Salzwüste sichern konnten.

Wenn man durch die Straßen zog, bemerkte man wie arm die bolivianische Bevölkerung ist. Jeder versuchte dir Dinge wie Cola oder Chips zu verkaufen, andere wollten deine Schuhe putzen. Außerdem gab es unheimlich viele Jongleure auf den Straßen, um Geld zu verdienen, andere bitten in sehr armer Kleidung um ein bisschen Geld, um überleben zu können.

Salar de Uyuni - drei Tage durch den Salzsee, Lagunen und Wüsten. ♥

Auf dieser Fahrt wurden wir von einem netten Brasilianer (Victor), einer liebenswerten Kolumbianerin (Marisol) und einer Polin (Joana), mit denen wir uns auf Anhieb gut verstanden haben, begleitet. ♥

 

Bienvenidos en Salar! Mit 12.000 Quadratkilometer der größte Salzsee der Welt. "der Ort, an dem Himmel und Erde verschmelzen und eins werden!" Also Zeit für verrückte Fotos, barfuß über das Salzwasser zu laufen und die Aussicht zu genießen.

An diesem Tag prasselten wieder so viele neue Eindrücke auf mich hernieder, die alle sortiert werden mussten: Es berühren sich Himmel und Erde!, Herden von Schweinen und Rudel von Hunden rennen durch die Straßen, Flamingos stehen auf einem aus Regen entstandenen See; wenn man über den Tellerrand (der Straße) hinaussieht, sieht man die unberührte Natur – außer hin und wieder einer Stromleitung gibt es nichts.

Doch ehe wir den eigentlichen Salzsee sahen, besuchten wir einen alten »Zugfriedhof«, auf dem viele alte Wagons ruhen, mit denen früher Güter durch das Land choffiert wurden. Der Salzsee bot dann allerlei Möglichkeiten: verrückte Fotos zu machen, Salz selbst abzubauen und zu klauen, die Faszination begreifen.
Lange Zeit beschäftigten wir uns allerdings mit dem ersten Punkt: Hier sind all die Fotos entstanden, auf denen wir springen, hüpfen und tanzen. Da aber auch die Fläche nahezu ebenmäßig ist, kann man gut mit optischen Täuschungen arbeiten. So wirkt eine Person, die mehrere Meter von der Linse entfernt ist, winzig klein und kann von einer anderen Person beispielsweise zerdrückt werden (um das besser zu verstehen, schaut doch einmal in meinem Bilderordner vorbei). Leider habe ich im Vorfeld ncht genügend Ideen gesammelt, wie man diese Bilder gestalten kann, denn im Internet gibt es noch viele weitere richtig coole Ideen.

Am nächsten Tag war der Tag der Lagunen und der wunderschönen Berge. Die Landschaft ist ein Traum: Hohe Gletscher mit Schnee bedeckt, die Felder reichen bis zum Horizont - erstrahlen in allen Farben, die man sich vorstellen kann. Die Lagunen sind je nach Windrichtung und -stärke unterschiedlich koloriert, es ist wunderschön! Einige schimmern rötlich oder haben einen Gelbton, andere sind schwarz wie die Nacht. Der Berg der sieben Farben raubte mir ebenfalls nahezu den Atem; wie er in den unterschiedlichsten braun/ gelb/ rot/ schwarz/ orange/ weiß/ und grün – Tönen erstrahlt.

Dort hielt ich das erste Mal das Gefühl inne, "das andere Ende der Welt" kennenzulernen. Geprägt von diesem Nichts, dieser Ruhe, dieser Gelassenheit.
Mittlerweile sind wir direkt an der Grenze zu Chile. Kann gar nicht fassen, so weit schon gefahren zu sein. Peru habe ich schon hinter mir gelassen; Bolivien ist kurz davor.

Allerdings erlebte ich in meinem letzten Tag in Bolivien auch sehr viel Tolles: Angefangen von wahnsinnig eindrucksvollen Geysiren, durch die die Sonne wie der Mond erschien; knallrote Lagunen; ein zu 90% wolkenloser Himmel; heiße Quellen, die zum Baden einluden; die kleinen Seen, die die Berge und den Himmel wiederspiegeln; einfach ein Traum!

So endete diese Tour durch den Salar de Uyuni und ich hätte niemals erwartet, dass ich hier so viele verschiedene Dinge erleben würde. Der Polizist an der Grenze zu Chile stempelte meinen Reisepass ab; ich stieg nur noch mit Regina in den Bus nach San Pedro de Atacama und genoss die Fahrt in die Sonne! Anna-Maria verabschiedete sich hier von uns beiden, da sie in Richtung Sucre weiterfuhr.

Ganz, ganz große Liebe: Die Atacama-Wüste!

Schon nach 40 Minuten Fahrt kamen wir in der trockensten Wüste der Welt an; die Sonne schien und meine lange Jeans musste schnell gegen eine kurze Hose weichen. Endlich! ♥ Nachdem wir dann schnell ein Hostel gefunden haben (das beste Hostel der ganzen Reise!) mieteten wir beide uns je ein Fahrrad, um eine kurze Tour durch das „Tal des Todes“ zu machen. Es war so eindrucksvoll. Wenn du nicht gerade gefahren bist und mit den Reifen Geräusche erzeugt hast, konnte man einfach die absolute Stille genießen. (Und mit Stille, meine ich Stille!) Nach einem leckeren Stück Melone und einem Abendessen verabschiedete ich mich schon wieder von Regina, die nicht so viel Zeit wie ich für die Tour hatte.

Abends im Hostel buchte ich noch eine Sandboardingtour für den nächsten Tag. Und so klang der erste Abend in der Sonne mit 28 Grad um 23:26 Uhr aus.

Und ich sage euch, liebe Leute, Sandboarding macht so viel Spaß! Auch wenn die Fotos ein bisschen mehr versprechen, als es wirklich war, will ich es unbedingt noch einmal machen! Außerdem war unser Guide der allerbeste. Anstatt dass er deutsche Wörter wie „Hallo, wie geht es dir?“ auf Deutsch versteht und beantworten kann, sprach er nur von „Kartoffelsalat“, „Mopsgeschwindigkeit“ oder „Schweineköpfen“.

Im Anschluss fuhren wir zum Valley de la Luna (zum Mondtal), um dort einen wundervollen Sonnenuntergang mit einem Pisco Sour in der Hand zu bewundern. Wenn ich mir nicht vor Augen geführt hätte, dass auf dem Mond die Sonne nicht untergehen kann und dass auf dem Mond so etwas wie Schwerelosigkeit herrscht, hätte ich wirklich geglaubt, dort zu sein. Alleine in der Stadt San Pedro de Atacama hat das Land Chile so viel zu bieten, dass ich unbedingt noch viel mehr von dem Land sehen möchte. (Im Juni geht es vielleicht nach Santiago! ♥)

 

 

Leider war danach schon die Reise durch San Pedro de Atacama vorbei, da ich deutlich mehr Zeit für die nächsten beiden kleinen Reiseziele eingeplant hatte. Ich fuhr weiter über Arica und Tacna, zwei Städte direkt im Grenzgebiet Chile/ Peru, über die es aber nicht sehr viel zu berichten gibt, da sie mir einfach nicht gefielen.
Allerdings entstand hier mein Masterplan für einen Jahreswechsel: Sollte ich noch einmal Silvester in Lateinamerika verbringen und feiern, möchte ich es in diesen beiden Städten tun. In beiden gleichzeitig? Jain. Da aber zwischen Peru und Chile zwei Stunden Zeitverschiebung liegen, jedoch nur eine halbe Stunde Autofahrt, kann hier mein Träumchen erfüllt werden, einmal den Start ins neue Jahr zweimal zu feiern.

Arequipa und drei kurze, schöne Tage in Cusco. ♥

Dadurch war ich schon zwei Tage später in Arequipa, in der weißen Stadt, in der meine Gastschwester Fio studiert. Umgeben von drei Vulkanen ist die Stadt die wohl schönste Stadt Perus, die ich in meinem Urlaub gesehen habe. Neben einer sehr eindrucksvollen Kathedrale gibt es noch ein eindrucksvolleres Kloster, durch das ich sogar eine deutsche Führung bekam. Die Nonnen, die hier lebten, hatten gewiss nicht so ein schreckliches Leben, wie es die Bewohner der Stadt annahmen. Das Leben war pompös und sie hatten alles, was das Herz begehrte. Neben Geschirr aus Russland, China und Deutschland, hatte jede Nonne zwei Sklavinnen, eine eigene kleine Wohnung mit ihrer eigenen Küche und großem Wohnzimmer; jedoch nur einmal im Monat Kontakt zu ihrer Familie oder Freunden.

Außerdem habe ich mich hier mit Fio getroffen, mit ihr Ceviche (das Nationalgericht Perus) und ein Eis gegessen, habe eine Stadttour durch Arequipa gemacht, auf dem Plaza de Armas Tauben beobachtet, die Sonne genossen und Brote, die ich mir im Supermarkt gekauft habe, gegessen.

Denn schon danach fuhr ich rund 10 Stunden lang zurück nach Cusco, um mir vor allen Dingen einen neuen Reiserucksack zu kaufen, da meiner die Tour nicht überlebt hat; heimisches Leben bei meiner Gastmutter zu genießen; mit meiner Familie zu skypen und meine peruanische Heimatstadt zu bewundern. Allerdings hielt es mich dann doch nur sehr kurze Zeit "zu Hause", denn schon drei Tage später stieg mein Flugzeug in die Lüfte, das mich fix nach Lima gebracht hat. ♥ Und von dieser Reise - Von Lima, der Paracas-Region und Iquitos schreibe ich euch in einigen Tagen, oder vielleicht auch Wochen. 

Das war der erste, sehr imposante Teil meiner Reise vom 17. Januar bis zum 7. Februar 2014. Ich hoffe, euch hat meine Berichterstattung gefallen! ♥ Falls ihr Fragen habt, schreibt mir! Innerhalb kurzer Zeit sollte der zweite Teil auch folgen. Liebe Grüße aus Cusco, eure Weltenbummlerin! ♥

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Toben, Lachen, Lernen. ♥

Liebe Leute,

 

Jetzt ist die Albergue endlich wieder das, was sie einmal war. Seit diesem Sonntag sind wieder die meisten Kinder in unserer Albergue in Quiquijana angekommen! ♥ Das fröhliche Lachen und Toben, die Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit der Kinder haben mir in den letzten Wochen sichtlich gefehlt, sodass ich mich jetzt in vollen Zügen auf die nächsten, und leider auch letzten, 3 1/2 Monate freuen kann. Sie einfach wieder zu sehen, mich mit ihnen zu unterhalten und zu lachen, Quatsch zu machen und die lange Begrüßungsumarmung war für mich eine ganz, ganz tolle Sache und ich freue mich wahnsinnig auf die nächste Zeit, in der wir zusammen arbeiten werden. Auch haben wir bisher sieben neue Kinder in der Albergue. Leider haben wir nur die kurze Zeit „die Neuen“ gut kennenzulernen, aber ich bin mir sicher, dass wir diese Zeit nutzen werden. So glaube ich auch vielleicht nächstes Wochenende einmal in Quiquijana zu bleiben, um mit den Kindern zu spielen und zu toben und die Zeit, die uns gemeinsam verbleibt, zu genießen.

Am Sonntag haben wir uns noch einmal vorgestellt bei den Kindern, vor allen Dingen aber bei den sieben neu Hinzugekommenen. Eigentlich ist es schon ein bisschen erschreckend, dass viele der Kinder, mit denen wir schon rund ein halbes Jahr zusammengearbeitet haben, unsere Namen durch die zwei Monate vergessen haben.

Unter den neuen Kindern, sind auch drei zuckersüße fünf-jährige Kinder. Zwei von ihnen sind trotzdem schon eingeschult worden und die dritte, Nataly, bringen Franca und ich momentan abwechselnd zum Kindergarten; am Nachmittag holen die, die im Schwesternhaus wohnen, die Liebe wieder ab. Die Kleine zaubert mir schon jeden Morgen ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie sich auf den Kindergarten freut.

Am Montag war der Tag der Hitze in dieser Woche. Da unsere drei Instrumentalisten wieder bei einem Fest auf dem Marktplatz spielen durften, waren Anna-Maria, Florian und ich alleine auf der Chacra, auf der wir unendlich viel ernten mussten. 10 Salatköpfe, rund 30 Rote Beete Knollen, 8 Blumenkohl, ganz viel Petersilie, 7 Meerschweinchen und zwei große Eimer Tomaten durften wir mit dem Triciclo zur Albergue bringen, was bei der Hitze und vor allem den vielen Sachen nicht einfach war. Die anderen wurden währenddessen von der Sonne auf dem Marktplatz gequält, auf dem sie aufgrund des „Festes der Frau“ spielen sollten. Nachmittags läuft im Moment wieder vieles abseits des offiziellen Arbeitsplanes, da die Kinder keine Hausaufgaben in der Schule aufhaben (die erste Woche nach den Ferien werden sie offensichtlich stark verschont) und außerdem am Dienstag und Mittwoch Herr Gravenkötter in der Albergue war und sich die Kinder in Form von Tänzen und Gesängen, Briefen und kurzen Dankesreden bei ihm am Mittwochnachmittag bedankt haben. So bereiteten wir am Anfang der Woche Vieles für diesen Tag vor, halfen den Kids beim Anfertigen der Briefe, die alle zuckersüß geworden sind, und unterstützten die Schwestern beim Aufbauen der Feier.

Das Fest war auch wirklich ein voller Erfolg, auch wenn Anna-Maria, Regina und ich im Endeffekt nicht getanzt haben, obwohl wir einige Stunden des Vortages in einen typisch cusquenischen Tanz investiert haben.

Bevor dann am Donnerstagmorgen Herr Gravenkötter zusammen mit Herrn Siepelmeyer zurück nach Lima geflogen ist und wir sie mit einem schönen Gruppenfoto verabschiedet haben, durften wir ordentlich auf der Chacra arbeiten. Dieses Mal stand eine absolut „fernab vom Plan“- Aufgabe auf dem Programm: Wir mussten mit Spitzhacke und Schaufel die „Quelle“ unserer Bewässerungskanals der Chacra von Sand befreien, da das Wasser nicht mehr ohne Probleme angekommen ist. Um mit dieser Aufgabe jedoch überhaupt erst zu beginnen, mussten wir zusammen mit Pavela und Romolo – die uns den Weg wiesen – eine halbe Stunde durch die Felder und Berge Quiquijanas laufen. Mir hat diese Aufgabe wirklich gut gefallen und mich würde es freuen, wenn wir in den nächsten Wochen und Monaten auch noch einmal so etwas machen dürfen.

Am Freitagnachmittag fuhren wir wieder nach Cusco. Hier habe ich an diesem Wochenende auch mal endlich ein bisschen mehr vor.

 

Ich verabschiede mich für diese Woche

mit ganz lieben Grüßen und Umarmungen,

 

eure Anna

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Hogar, dulce hogar! / Home, sweet home! / Zuhause, schönes Zuhause!

Liebe Leute,

da der Blogeintrag über meinen Urlaub noch in Bearbeitung ist; ich euch aber nicht länger ohne Informationen über mein Leben in Peru dastehen lassen möchte, berichte ich euch heute ein wenig über die Woche vom 03. – 07. März, von der ersten Woche wieder zurück im Projekt „Albergue Uñacha“, in der sehr vieles Unerwartetes passiert ist.

 

Die erste Ausnahme in dieser Woche ist, dass wir momentan Besuch von unserem Chef Herrn Dr. Gravenkötter haben, der von unserem zweiten Vorsitzenden der Kinderhilfe Cusco-Peru Herrn Siepelmeyer begleitet wird. So zeigten wir beispielsweise Herrn Siepelmeyer, der das erste Mal das Projekt vor Ort besucht, die Arbeit auf der Chacra, das Dorf mit dem heimischen Leben im Andenhochland und selbstverständlich all das, was die Kinderhilfe hier vor Ort ermögicht hat.

 

Außerdem wurde auch hier in Quiquijana ordentlich Karneval gefeiert; jedoch ganz anders, als man sich das als Deutscher, wohnend am Niederrhein, vorstellt. Es gab keine Wagen, auf denen die jecke Meute stand; sondern es liefen hauptsächlich unendlich viele Kinder mit Eimern, Wasserpistolen und Wasserbomben bewaffnet durch die Straßen und warfen unschuldige Menschen ab. Neben dem vielen Wasser gab es auch wundervolle Schaumkanonen. Damit wurde ich auch nicht nur einmal getroffen; am Rücken, an den Armen, aber vor allen Dingen auch im Gesicht. Durch diesen Tag wurden die Freiwilligen aus Deutschland definitiv im ganzen Ort bekannt.

 

An Aschermittwoch besuchten wir alle zusammen die Messe um 10 Uhr morgens, die sehr, sehr eindrucksvoll war. Dieses Mal hat der Pfarrer die komplette Predigt auf Quechua gehalten, damit die indigene Bevölkerung auch versteht, worum es in den nächsten vierzig Tagen geht. Als eine Frau mitten in der Predigt die Kirche betrat, unterbrach der Pastor seinen Gedankengang und führte die alte, zerbrechliche Frau auf seinen Platz im Altarbereich, da die Reihen in der Kapelle bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Sein einziger Kommentar dazu war, dass sie doch beim nächsten Mal ein bisschen früher zur Messe kommen solle.


Franca, Polly und Benjamin begleiteten die Messe mit ihren Instrumenten; es war wirklich schön. An der Messe nahmen so viele Frauen in ihren teilweise wirklich schmutzigen Trachten teil. Hier wurde es noch einmal deutlich, dass ungemachte Haare oder die Kleidung - Eine Frau hatte sogar noch ein Salatblatt im Gesicht kleben – vor Gott keine Rolle spielen. Es kommt darauf an, wie und in welcher Form man an Gott und an die große Institution Kirche glaubt, anstatt den Mitchristen zu zeigen, was man hat und wie viel die Kleidung wert ist; oder sich vielleicht für Gott „schick zu machen“.

 

Am gleichen Tag besuchten wir noch die Grundschule am Ende des Dorfes, um den Kindern und Lehrern mit einem Wasserrucksack PAUL zu erfreuen. Der Schuldirektor hat sich sichtlich gefreut, nun auch in Besitz eines solches Lebensverbessers zu sein, durch den hoffentlich einige Krankheiten verschwinden, sofern er denn wirklich täglich genutzt wird.

 

Nach einem supertollen Mittagessen, Chacraarbeit mit allen Kindern (es durften wieder alle Tomatensträucher zurückgeschnitten werden), und ein wenig ausruhen, durften vier von uns noch einen Text im Radio vorlesen; im Anschluss lud uns der Pfarrer zum gemeinsamen Abendbrot ein.

 

Am Donnerstag habe ich nachmittags auf der Chacra den härtesten Regenguss meiner Peru-Zeit erlebt. Wenn man sich in den Gewächshäusern aufgehalten hat (was man musste, um nicht zu 100% nass zu werden), konnte man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. So verlängerten wir unsere Arbeit um rund eine halbe Stunde – bis sich das Wetter ein bisschen beruhigt hatte – und gingen zurück zur Albergue, wo eine mehr oder weniger wärmende Dusche auf mich wartete.

 

Außerdem unterrichten wir in dieser Woche oft vormittags, da die Kinder morgens deutlich lernbereiter sind, als nach dem Mittagsessen. Im Moment haben wir das Glück genau sieben Kinder zu haben, sodass jeder Freiwilliger und Pavela mit je einem Kind zusammen arbeiten kann. Ich arbeite mit dem kleinen Alex zusammen, der erst seit Januar bei uns in der Albergue lebt. Er ist wirklich pfiffig und es macht Spaß mit ihm zu lesen oder Mathematik zu üben.

 

Apropos „nur sieben Kinder“. Am Sonntag (09. März) werden alle Schulkinder zurück zur Albergue kommen, weil am folgenden Montag die Schule wieder beginnt. Neben den bekannten rund 70 Kindern werden wir in den nächsten 3 ½ Monaten noch mit rund zehn weiteren zusammenarbeiten, die auch am Sonntag in das Schloss Quiquijanas einziehen werden. Ich freue mich auf sie! Allerdings noch mehr die bekannten Gesichter wiederzusehen, die ich wirklich in den letzten Wochen sehr vermisst habe.

 

So verabschiede ich mich für diese Woche mit urlaubsreichen Grüße aus Cusco,
ganz liebe Grüße in die Welt!

Eure Anna.

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Ich bin kurz wieder da!

Hallo Lieblingsmenschen,

 

für sehr kurze Zeit bin ich wieder hier in Cusco gestrandet, habe eine wunderschöne erste Urlaubshälfte genossen und viel Sonne getankt.
In wenigen Tagen geht es schon weiter, ich fliege an die Küste Perus und erobere ebenso den Urwald des Landes; ich fliege in die Stadt Iquitos, in der meine Großtante zu Hause war.

Leider fehlt mir eindeutig die Zeit, meine Erlebnisse der letzten drei Wochen in Worte zu fassen, sodass ihr bitte entschuldigt: Der Blogeintrag wird erst Anfang März hier erscheinen können.

 

Damit ihr jedoch schon einmal ein Gefühl für meinen Urlaub bekommen könnt, werde ich im Folgenden ein paar Bilder hochladen. Außerdem hört euch doch das Lied "We had today" von Rachel Portman bei Youtube an. (Leider fehlen mir die Rechte, es hier öffentlich hochzuladen.) Dieses Lied hat mich an allen Orten und Situationen meines Urlaubs begleitet, die ich entweder schlichtweg schön fand oder auch an jenen, die mir den Atem raubten.

 

Ich umarme euch,

eure Weltbummlerin Anna!

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Vor-Urlaubs-Zeit! ♥

Liebe Leute,

schon wieder ist eine Woche rum und das bedeutet, dass ich euch erneut ein bisschen über mein Leben in den Anden berichten möchte und werde:
Nachdem in der letzten Woche vieles einfach ausgefallen ist, ohne ein Alternativprogramm zu haben, verlief diese Woche doch ziemlich abwechslungsreich, sodass keine Langeweile aufkommen konnte. (An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, wie froh ich bin, in einem so strukturierten und abwechslungsreichen Projekt zu sein! Von vielen anderen Freiwilligen aus der ganzen Welt höre ich, dass sie von großer Langeweile täglich geplagt werden. Danke, dass ich dieses Gefühl in der letzten Woche das erste und wahrscheinlich letzte Mal verspürt habe!)

 

Als erstes möchte ich aber noch zwei Dinge aus der letzten Woche nachtragen, die ich (skurriler Weise) in meinem letzten Blogeintrag schlichtweg vergessen habe zu erwähnen. Zum einen haben wir momentan Besuch von einer Nonne aus Kolumbien, die sehr liebenswert und freundlich ist. Sie ist immer fröhlich, grüßt freundlich zurück und versucht stets ein nettes Gespräch mit uns zu führen. Im „Schlepptau“ hat sie eine (offensichtlich) zukünftige Nonne, die ungefähr in meinem Alter ist. Bisher trägt sie kein Ornat, jedoch erzählte uns Pavela am Montagvormittag auf der Chacra, dass sie das Leben als Nonne in Betracht ziehe.


Außerdem hatte meine Kollegin Anna-Maria in der letzten Woche Geburtstag. Da es ein ganz normaler Arbeitstag war, hatte wir keine Möglichkeit ihren Geburtstag groß zu feiern. Jedoch hat Erick (ein Bekannter aus Cusco) eine große und eine kleine Torte vorbeibringen lassen – Die große Torte zum Essen und die kleine Torte für Anna-Marias Gesicht. Mit großer Freude habe ich ihr die Torte ins Gesicht geschmiert – Eine Sache, die ich zugegebenermaßen schon immer einmal machen wollte.

Nun aber zu dieser Woche.


Am Montag auf der Chacra stand mal wieder unsere Lieblingsaufgabe „Unkraut jäten“ auf dem Programm. (Achtung, sehr viel Ironie!). Als wir aber gerade in unserem Element vertieft waren, stand Pavela in der Tür, mit der wir uns anschließend viel unterhalten haben. Wir erfuhren Dinge, die wir eigentlich schon längst hätten wissen sollen, jedoch bisher nichts davon mit bekommen haben. So erfuhren wir beispielsweise, dass die krebskranke Mutter einer unserer Nonnen am 1.Januar verstorben ist – Auch jetzt noch wirft mich diese Info aus der Bahn.
Sonst unterhielten wir uns viel über das Weihnachtsfest in Peru und wie wir in das neue Jahr gerutscht sind. Pavela baut gerade ein wenig ihre Wohnung um, ist demnach voll eingespannt und war daher nur am Montag auf der Chacra.
Am Nachmittag schauten wir noch mit den wenigen Kindern einen Film.

 

Am Dienstag schufteten wir morgens wie gewohnt auf der Chacra. Auch heute ging es dem Unkraut an den Kragen. Ein Vorher/Nachher-Bild habe ich euch in der Fotogalerie hochgeladen. Am Nachmittag putzten wir dann mit den Kindern und Schwester Cecilia den Essensraum – Anschließend spielten wir mit den Kindern, schauten wir einen Film, aßen zu Abend und gingen wieder einmal einigermaßen früh schlafen.

 

Am Mittwoch war es in den Gewächshäusern gar nicht auszuhalten; die 50°C Marke wurde überschritten und ich fühlte mich wie in einem schwarzen Auto, das  in der prallen Sonne für mehrere Stunden stand, eingesperrt. So arbeiteten Anna-Maria und ich auch nicht viel – Mein Kreislauf ging zwischenzeitlich ziemlich den Bach runter, wollte aber auch einfach nicht aufhören, weiterzuarbeiten, da ich mich nicht mehr lange Zeit mit Unkraut jäten beschäftigen möchte. In der Sonne habe ich mir dann noch einen kleinen Sonnenbrand geholt. Als ich zurück in mein Zimmer gehen wollte, traf ich im Mädchenschafsaal einige Kinder zusammen mit Schwester Delfina, die gerade dabei waren die Betten der Mädchen umzustellen und unter jedem Bett eine Grundreinigung vorzunehmen. Meine Hilfe wurde beim Verschieben der Betten benötigt und ich bin mir schon jetzt sicher, dass mich morgen ein Muskelkater plagen wird, nachdem rund 25 Hochbetten an den rechten Fleck verschoben werden wollten.


Am Nachmittag waren wir (Anna-Maria und ich) mit den Kindern alleine und bekamen die Aufgabe, den Computerraum mit den Kindern zu putzen. Daraus wurde dann allerdings doch nichts, da im ganzen Jugendhaus der Schlüssel des Raumes nicht aufzufinden war, sodass wir mit den Kindern im „Raum für alles“ Fernsehen schauten, ich zusammen mit Juan Carlos auf dem Hof Fußball spielte und wir sehnlichst auf die Rückkehr der Schwestern hofften – vergeblich. Jedoch bin ich froh darüber, diese Aufgabe dann am Donnerstag gemacht zu haben. An einem Tag, an dem die Schwestern immer in Reichweite waren, da ich schon ein mulmiges Gefühl bei der Sache verspürte, einen Raum mit so vielen Kabeln zu putzen.

 

Als wir damit dann fertig waren, halfen wir drei Kindern bei ihren Hausaufgaben, da die Armen eine Ferienschule besuchen müssen und dann auch noch am Nachmittag Hausaufgaben zu bearbeiten haben. Glücklicherweise waren das nicht viele, sodass alles schnell über die Bühne ging, aber trotzdem tun mir die Kinder wahnsinnig Leid. An diesem Donnerstag bekamen wir außerdem Zuwachs von einem Jungen namens Alexander, der ab nächsten Schuljahr die Schule in Quiquijana besuchen wird. Im Laufe der Wochen wird auch seine kleine vier jährige Schwester aus Lima (Geburtsort der beiden) anreisen, die zunächst noch ein Jahr den Kindergarten besuchen wird.

 

Wie ihr merkt, gab es auch in dieser Woche nicht sehr viel Aufregendes zu berichten, sodass ich mich jetzt sehr auf meinen Urlaub freue, der genau heute (!) beginnt. Am Freitagabend stieg ich in den Bus ein, um sieben Stunden lang an die bolivianische Grenze zu fahren. – Zunächst steht der Titicacasee auf dem Programm.

 

Bis Mitte Februar wird es also keine neuen Blogeinträge geben. Nach meinen ersten Wochen allerdings einen umso längeren Eintrag. Hin und wieder werde ich in ein Internetcafé gehen. – Habt ihr also Fragen oder möchtet wissen, wo ich gerade bin, schreibt mir. Ich werde so schnell wie möglich antworten.

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Erste Arbeitswoche im neuen Jahr, Urlaubsplanung. ♥

Liebe Leute,

Heute auf den Tag genau bin ich 6 Monate unterwegs! Halbzeit!
So blicke ich auf wundervolle 183 Tage zurück, in denen ich bisher ein ganz neues Land kennenlernen durfte, das ich mir gewiss in vielen Punkten ganz anders vorgestellt habe; auf wundervolle Augenblicke mit den Kindern in der Albergue, aber auch auf Momente der Verzweiflung, des Heimwehs, des Vermissens.

Jedoch freue ich mich jetzt auch auf weitere tolle Wochen und Monate, in denen ich ganz gewiss einen tollen Urlaub erleben, weitere unvergessliche Augenblicke mit den Kindern teilen und viele lustige oder spannende Gespräche zu euch in die Heimat führen werde.


Diesmal melde ich mich von einer sehr entspannten Woche zurück und möchte euch ein wenig davon berichten. Wie ihr schon wisst, wohnen zurzeit in der Albergue nur eine Hand voll Kinder, sodass die Aufgaben „Hausaufgabenbetreuung“, „Brotbacken“ und „Englischunterricht“ entfallen. Somit arbeiten wir morgens auf der Chacra und ernten statt nur montags und mittwochs jeden Tag ein bisschen – der übrige Rest, wie beispielsweise tausende Tomaten, werden verkauft. Außerdem haben Anna-Maria und ich in dieser Woche alle vier Mangoldfelder gesäubert, was durchaus einige Zeit in Anspruch nahm.

Generell ist vieles in den Ferien lockerer – So schlafen wir morgens noch ein bisschen länger als gewohnt; das Mittagessen, das uns die Schwestern kochen, gibt es auch manchmal einfach später und am Nachmittag stehen keine offiziellen Aufgaben für uns an, sodass wir mal hier und da mit den Kindern puzzeln, mit ihnen im Computerraum sind oder in unserem Zimmer sitzen und einen Film schauen.


Vor einigen Wochen habe ich von meinem Frühling hier berichtet. Da sich dieser doch mittlerweile stark verändert hat, möchte ich heute ein zweites Mal meine Beobachtungen mit euch teilen. Während wir am Anfang unseres Jahres über die braunen Felder geschaut haben, sind mir mittlerweile vor allen Dingen die Maispflanzen über den Kopf gewachsen und vereinzelt sieht man wunderschöne Blumen. Natürlich findet man hier keine Krokusse oder Hyazinthen, aber andere schöne Blumen, die mir persönlich sehr gut gefallen. In den Bergen, die man soweit das Auge reicht bewundern kann, werden Herzen oder Sprüche wie „Viva in Peru“ gemäht, sodass man sie auch aus der Ferne belächeln kann. In letzter Zeit fliegen auch wahnsinnig viele Papageien – vor allen Dingen grüne – durch die Luft, die sehr lustige Geräusche machen. 
Leider nimmt auch die Regenzeit stetig zu, sodass es viele Tage gibt, die in den Gewächshäusern einfach unerträglich heiß sind – vor der Tür aber einfach nur nass, feucht und unangenehm. Wenn man an einem sonnigen Morgen mit dem Optimismus aus dem Haus geht, man brauche keine Regenjacke, erhält man ganz gewiss wenige Stunden später die Quittung dafür.
Mich hat mal jemand gefragt, ob es hier nach Frühling riecht. Meine Antwort lautet nach den vielen Beobachtungen: Leider nein.


Wie versprochen möchte ich in diesem Blogeintrag auch von meiner bombastischen Urlaubsplanung berichten. In der folgenden Woche werde ich noch zusammen mit Anna-Maria im Projekt arbeiten, um im Anschluss mit ihr und der lieben Regina nach Bolivien zu düsen. Nachdem wir den Titicaca-See und La Paz einige Tage unsicher gemacht haben, geht unsere Reise im Jeep zum Salar de Uyuni, der Salzwüste. Hier trennen sich auch schon unsere Wege – Mein Weg führt mich weiter nach Chile, in die Atacama-Wüste. Von dort aus fahre ich mit dem Bus über Arica und Tacna nach Arequipa. Hier bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich den Collca Caynon – die zweittiefste Schlucht der Erde – in meine Reise einbeziehe. Nachdem ich von Arequipa aus wieder zurück nach Cusco gefahren bin, geht meine Reise mit dem Flugzeug weiter. Ich verwirkliche mir meinen Traum nach Iquitos zu fliegen und dort unter anderem den Amazonas zu bewundern.

Ich freue mich auf eine ganz gewiss atemberaubende Reise, in der ich bestimmt ganz viele Fotos machen werde und mich mein Leben lang zurückerinnern kann. Ein wenig traurig bin ich über die Tatsache, dass meine Zeit für Ica und Umgebung nicht ausreicht, aber zurzeit bin ich mir sicher, dass es mich im Laufe meines Lebens noch einmal nach Peru verschlagen wird.

Endlich halte ich mein Versprechen und es gibt einmal einen kürzeren Blogeintrag,

aus den gerade sehr verregneten Anden,


in Liebe,
Anna!

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Silvester und das neue Jahr in Peru!

Liebe Leute,

 

nach etwas Blog-Schreib-Abstinenz möchte ich euch heute von den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr berichten, sowie von meinem Silvester, das ich zusammen mit Regina bei einigen peruanischen Bekannten gefeiert habe.

 

Wie ihr schon von meinem letzten Blogeintrag wisst, habe ich in diesem Jahr dreimal gebürtig Weihnachten gefeiert. Zuerst, am 20. Dezember, mit allen Kindern und einigen Eltern der Albergue, das zweite Mal am 23. Dezember mit den Ordensschwestern, der Köchin, Juana, Pavela und der Psychologin Rosa und das dritte Mal in feierlichster Stimmung mit meiner sehr liebgewonnenen Gastfamilie. Neben meinen Gasteltern war auch noch meine Gastschwester Fio, mein Gastgroßvater Oscar und zwei weitere Söhne samt Familie anwesend. Es war einfach schlichtweg eine tolle Stimmung, sodass nur in einem klitzekleinen Augenblick die heimische Familie und die Stimmung zu Hause vermisst werden konnte.

(Da ich im letzten Blogeintrag das Fest ausführlich beschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr weiter darauf eingehen, sondern ...)

 

von den Tagen "zwischen den Tagen" (wie ich sie immer so gerne nenne) berichten. Eigentlich stand in meiner Ferienplanung, dass ich mir die Tage nach Weihnachten und vor Neujahr frei genommen habe, da die Schwestern aber von Anfang an sagten, dass wir unsere Urlaubstage nicht ins Detail genau einhalten müssen, nahm ich die erste Veränderung vor. Und zwar arbeitete ich doch am 30. und 31. Dezember in Quiquijana - zusammen mit Regina. Genau das war der Grund für die Umdisponierung, da ich sonst am zweiten und dritten Januar alleine hätte arbeiten müssen. Um es kurz zu machen: Regina und ich hatten auf der einen Seite wahnsinnig viel Spaß mit den übrig gebliebenen Kids, aber auf der anderen Seite viel Freiraum zur Gestaltung, da neben der Chacraarbeit alle typischen Aufgaben entfielen.

Statt Hausaufgabenbetreuung: im Park Quatsch machen. Statt Englischunterricht: Fußball spielen und toben und am Dienstagmorgen auch statt Chacraarbeit ein Picknick mit den Kindern im Park machen. - Es waren zwei wundervolle Tage mit den wenigen, sehr liebenswürdigen Kindern! Man erfährt von Ereignissen in der Vergangenheit der Kinder, die man sich niemals vorstellen könnte und von Visionen der Zukunft, die Tränen ins Gesicht zaubern.

 

Nachdem wir dann am Dienstagnachmittag wieder nach Cusco zurückfuhren (und glücklicherweise nicht - wie angekündigt - für die Schwestern und uns kochen mussten), waren Regina und ich abends bei peruanischen Bekannten eingeladen. Da sich Franca, Benjamin, Florian und Anna-Maria schon zu dieser Zeit auf dem Kontinenten Südamerika verteilt hatten (oh, da Florian in Costa Rica ist muss ich das Gebiet auf "Amerika" ausweiten), erlebten sie auf ganz unterschiedliche Art und Weise dieses Fest in das neue Jahr 2014.

Zu dem Fest gibt es eigentlich nicht sehr viel zu berichten, da es gar nicht so unterschiedlich zu dem verlaufen ist, was ich bisher kannte. Zwei kleine Ausnahmen gab es jedoch schon: Zum einen feierten wir in einem Haus, das eine perfekte Aussicht über ganz Cusco bot. Einfach der Wahnsinn! Man konnte aus jeder Richtung die Böller fliegen sehen und musste dabei keine Angst haben, von einem getroffen zu werden, wie es an Weihnachten auf dem Plaza de Armas der Fall war.

Die andere Ausnahme finde ich persönlich sehr verrückt, aber auch sehr schön, da ich generell sehr sehr gerne Rituale mag: Bevor um Mitternacht mit Champagner, Sekt oder Wein angestoßen wird, werden zwölf Trauben gegessen. Für jede Traube steht ein Monat des neuen Jahres und bei jedem Bissen darf man sich eine Sache wünschen. Zugebenermaßen habe ich mich bei einigen Monaten sehr schwer getan, mir sinnvolle Dinge zu wünschen, da zwölf Wünsche auf einen Streich schon eine Menge sind. Bei zwei Wünschen habe ich sogar fast Angst, dass sie in Erfüllung gehen, da es einfach so ein Quatsch ist, was mir zu diesem Zeitpunkt durch mein kleines Spatzenhirn flog. :)

(Aber ihr wisst ja, man darf nichtsdestotrotz nichts verraten, und da bin ich dann doch ziemlich streng mit mir ♥)

Die Tage nach Silvester bis heute ist nichts Großartiges passiert. Viel war ich mit Regina unterwegs, die sich gerade in Ica und Umgebung aufhält, lag aber auch leider Gottes viel in meinem warmen Bett, um gesund zu werden, da ich mal wieder ohne etwas zu essen, irgendetwas nicht vertragen habe, sodass ich im Bett liegen bleiben musste. Schade, wenn so der Urlaub Stück für Stück kleiner wird.

 

Aber ich habe mich auch wahnsinnig gefreut über die Briefe, Karten und Pakete, die mich in diesen Tagen aus der Heimat erreicht haben. Ich kann meine Freude gar nicht richtig ausdrücken, habe ich oft das Gefühl! Danke an alle, die an mich gedacht haben, die mich durch liebe Zeilen oder liebenswerte und tolle Pakete ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Danke! Ihr seid die Besten!

 

Bald muss ich dann auch wieder los in meine andere, neue, liebgewonnene Heimat namens Quiquijana, auf die ich mich schon wirklich freue, da die Arbeit mit den Kindern einfach sooo viel Spaß macht!

Bei meinem nächsten Blogeintrag informiere ich euch dann ein wenig über meine wahnsinnig tolle Reiseplanung, bei der ihr aus dem Stauen gar nicht mehr rauskommen werdet.

 

Bis dahin,

ganz liebe Grüße aus den Anden,

dicken Kuss,

 

eure Anna.

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Weihnachten in Lateinamerika. ♥

Liebe Blogleser,

aber insbesondere an diesen Tagen liebe Familie und Freunde,

 

ich hoffe, ihr hattet alle ein schönen und besinnlichen heiligen Abend unter dem Tannenbaum im Kreise eurer Liebsten. Heute berichte ich euch ein wenig von meinem Weihnachtsfest in einer anderen Kulter, in der Kultur der Inkas.

Großartig anders verlief es nicht und ich bin fast etwas traurig darüber, dass die Adventszeit, die mir in der Albergue wahnsinnig gut gefallen hat, vorbei ist. Die Novena (das gemeinsame Treffen mit vielen Kindern, um ihnen eine Bibelstelle rund um Jesus Geburt nahe zu bringen), das Wichteln mit den Schwestern, die äußerst schiefe Weihnachtsmusik überall in Cusco und die wahnsinnig stressige Weihnachtsgeschenk-Jagd für meine beiden Wichtel, Anna-Maria und Schwester Cecilia sind nun endgültig vorbei und ich finde es schon ein bisschen schade.

 

Am 23. Dezember (am Montag) fuhren wir das letzte Mal in diesem Jahr alle gemeinsam nach Quiquijana, um zusammen mit den Schwestern, den Psychologin, der Köchin und Juana (der Bäuerin auf der Chacra) Weihnachten zu feiern. Nach einem Festmahl aus vier Meerschweinchen, Hähnchen, Kartoffeln, Mais, Salat (und vielen anderen leckeren Dingen), durften wir der Reihe nach unseren geheimen Freund, unseren "amigo secreto" erraten. Für Schwester Cecilia hatte ich ein Parfüm mit einer passenden Körperlotion, worüber sie sich glücklicherweise auch gefreut hat. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass Benjamin mich gezogen hatte. So war es aber und er schenkte mir neue Handschuhe und Socken, sowie eine Creme gegen Moskitostiche, da ich ja einen großen Teil meines Urlaubs im Regenwald verbringen werde und für Stiche solcher Art sehr anfällig bin! Nach dem großen Schenken, tanzten wir noch ausgiebig mit den Schwestern, aßen selbstgebackene Plätzchen und erfreuten uns an dem letzten Tag in der Albergue für die nächste Zeit. Vielen fällt es vielleicht schwer sich tanzende Ordensschwestern vorzustellen, aber ich muss dazu sagen, dass es mit ihnen sehr, sehr viel Spaß gemacht hat!

 

Ich bin mir sicher, dass es ein wenig anders werden wird, wenn wir wieder nach Quiquijana im März alle zusammen zurückkehren, nachdem wir unseren Urlaub ausgekostet haben. So weiß ich jetzt schon, dass ein Junge nicht mehr wieder kommen wird und die Kleinsten sich in den acht Wochen sicherlich verändert haben werden. Ich mag den Gedanken nicht, dass noch ein weiteres Kind nicht wiederkommt, bei dem ich nicht die Chance hatte, mich zu verabschieden, ich es jedoch in den letzten fünf Monaten liebgewonnen habe.

 

Am 24. Dezember ging in Cusco die Post ab. Ausschließlich an diesem Tag findet auf dem Plaza de Armas ein Weihnachtsmarkt statt, dessen Größe einfach unbeschreiblich beeindruckt ist. Auf den Rat Pavelas und Lilis sind wir schon recht früh dorthin gegangen: Dieser Markt war einfach unglaublich - Neben Taschen, Schals, Keramikgeschirr und Mützen gab es auch viele Stände mit Holzartikeln , Krippen & entsprechenden Figuren oder Spielsachen. Auch unsere Gastmutter Lili verkaufte an einem Stand zusammen mit ihrer Tocher Fiorella ihre heißbegehrten Cupcakes, Macarons und andere niedlich verzierten Dinge. Aufgrund des wechselhaften Wetters machten sich jedoch schließlich nicht so viele Personen auf den Weg - Ein Glück für uns. Belächelt wurde ich von den Menschen, als ich nur im kurzärmligen T-Shirt vom Regen überraschte wurde, obwohl wenige Minuten vorher die Sonne wunderschön schien. Nichtdestotrotz habe ich mir von dem Wetter nicht die Laune verderben lassen, habe allen Menschen ein frohes Weihnachtsfest gewünscht und bin mit einem breiten Grinsen durch die Straßen gelaufen - (Menschen, die die Schultern hochziehen, müssen nicht glauben, dass sie dadurch nur einen Tropfen weniger vom Regen abbekommen. ♥)

 

Abends gegen 22 Uhr begannen wir dann mit dem Festessen Lili's. Neben einem typisch peruanischen Braten, gab es einen typisch-deutschen Nudelsalat mit Apfelkompott, da sich unsere Gastmutter beides gewünscht hatte. In lusiger Runde saßen wir mit unseren Gasteltern, unserer Gastschwester, unserem Gastopa und zwei weiteren seiner Söhne am Tisch, bis die drei kleineren Kinder um die Bescherung baten, die vor einer echten, aus dem Garten gefällten Tanne, stattfand. (Die meisten Tannen in Peru sind leider unecht!) Für mich gab es von meinem geheimen Freund Florian eine Alpacadecke (hihi, Bruderherz!) und ich habe meinem Wichtel Anna-Maria ein Monopoly-Spiel sowie ein Notizbuch geschenkt, worüber sie sich glücklicherweise auch gefreut hat.

Der große Reinfall war an diesem Abend die Mitternachts-Christmette, die nicht stattgefunden hat. Dennoch haben wir eine schöne neue Erfahrung gemacht, da an diesem Abend viele Menschen auf dem Plaza war und mit Feuerwerkskörpern das Fest ausklingen ließen. Oft war es sehr unkontrolliert, sodass nicht nur einmal eine Rakete drei Meter neben mir in die Luft schoß oder auch einmal eine Rakete in der Horizontale das Weite suchte. Um es kurz zu machen: Ich hatte zwar Angst, aber mir ist nichts passiert.

Beeindruckt war, dass sehr viele Menschen in Decken eingemummelt auf den Straßen schliefen, da sie entweder nicht mehr genügend Zeit hatten, um in ihr Heimatdorf zurückzukehren oder überhaupt kein Zuhause haben. Auch viele Kinder und Hunde schliefen bei den armen Frauen und Männern. Eine echt große Armut, die ich hier an Weihnachten auch erfahren habe.

 

Die Tage nach Weihnachten bis zum Neuen Jahr habe ich mir freigenommen, sodass ich vielleicht Zeit finde mit dem ein oder anderen zu telefonieren, unbeantwortete Mails zu beantworten oder auch einfach Zeit für mich zu finden. Zeit, um eine Studienentscheidung zu treffen; Zeit, um einen Brief zu schreiben; Zeit, zum Nachdenken.

Die Leute, die ich weder bei Skype noch via E-Mail vor Weihnachten erreiche, wünsche ich einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014. Das Jahr, in dem wir uns wiedersehen werden.

 

Bis zu meiner Rückkehr wünsche ich euch noch einmal einen lieben Schutzengel, der auf euch aufpasst. Gesundheit, Liebe und Glück, um alle Situationen gut zu meistern, die das Leben uns stellt.

 

Ich denke an euch,

besonders beim Start in das neue Jahr 2014.

 

In Liebe,

eure Anna aus dem Land der Inkakönige. ♥

 

 

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Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi ♥

Hallo meine fleißigen Blogleser,

Entschuldigung! Entschuldigung an alle, die letzte Woche vergeblich auf meinen Blogartikel gewartet haben. Da in der vorletzten Woche nicht außerordentlich viel passiert ist, wollte ich erst diese Woche wieder einen Blogeintrag hochladen, der über die letzten beiden Wochen berichtet. (Das nächste Mal werde ich euch schreiben, wenn es nichts zu erzählen gibt! Versprochen!)

 

So langsam komme auch ich hier in Peru bei Sonnenschein und 15° bis 20°C in Weihnachtsstimmung. Ich habe schon einige Weihnachtsgeschenke besorgen können, Weihnachtsplätzchen gebacken und gegessen sowie Weihnachtsmusik gehört. Weihnachten bedeutet gerade für mich nicht nur, dieses Fest das erste Mal in meinem Leben ohne meine Familie zu feiern, sondern auch, dass die erste Hälfte meines Auslandsjahres vorbei ist. Die zweite Hälfte wird bestimmt auch so schnell vergehen: Es folgen zwei Monate Ferien, in denen ich Bolivien, Chile und Peru unsicher machen werden – und dann gibt es nur noch 4 Monate im Projekt. Gerade kann ich nicht glauben, die Rabauken acht Wochen lang nicht zu sehen, umso mehr freue ich mich jetzt auf meinen Urlaub und dann auch auf den 1. März, wenn die Arbeit wieder beginnt.

 

Begonnen hat die vorletzte Woche schon am Montagabend (9. Dezember) sehr adventlich, da ab diesem Montag jeden Abend eine „novena“ stattfindet. Dabei stellt jeden Tag eine Gruppe der Kinder einen biblischen Textauszug vor, wir beten alle zusammen das Vater unser, singen viel gemeinsam und genießen anschließend die von Schwester Cecilia ausgeteilten Süßigkeiten. Daher kommen auch viele Kinder der Umgebung um sich das kleine Theaterstück anzusehen, viele sehr kleine, aber auch schon größere Schüler und Schülerinnen. Am letzten Donnerstag waren auch wir Freiwilligen an der Reihe über einen Textauszug aus dem Lukasevangelium zu sprechen, der über die Hirten handelt, die von dem Engel die frohe Botschaft verkündet bekommen haben. (Lk 2, 8-16) Also spielten Benni und ich zwei wahnsinnig gutaussehende Hirten und Regina war unser süßes Schaf, das hin und wieder geblökt hat, wenn sie von unserem Hirtenstab geschlagen wurde.

 

Außerdem haben wir an diesem Tag unseren geheimen Freund, unseren Wichtel gezogen. Es macht große Freude, in dem kleinen Karton dem „amigo secreto“ etwas zuzustecken und nachher die Verwirrung oder Verwunderung in den Augen des Beschenkten zu betrachten. Froh bin ich keinen meiner Mitfreiwilligen gezogen zu haben.

Am Dienstag fand eine Firmung in Quiquijana statt, bei der zwei unserer Jungs – Orlando und Cristian – aus der Albergue das heilige Sakrament empfangen haben. Unser Trio Franca (Klavier), Regina (Geige) und Benjamin (Gitarre) spielten auf dieser Firmung auch wieder, sodass die Hausaufgabenbetreuung mit drei statt sechs Leuten ziemlich unterbesetzt war. Dennoch verlief alles ohne Probleme – Im Anschluss lud die Familie Orlandos uns zu einem Festmahl ein, bei dem es Lammfleisch, Kartoffeln und Inka Kola gab.

 

Das Wochenende war wirklich wahnsinnig schön! Perus Spontanität wurde einmal wieder groß geschrieben, indem Regina am Samstagabend zu mir ins Zimmer kam und mich mit dem Vorhaben zu heißen Quellen zu fahren, überraschte. Am Nachmittag hatten das unsere peruanischen Freunde vorgeschlagen – Regina und ich fanden die Idee so verrückt und cool, dass wir uns nicht zweimal haben bitten lassen. Typisch peruanisch trafen wir uns dann doch um erst 23 statt um 21 Uhr, kauften noch einige Sachen ein und fuhren los – 2 ½ Stunden mitten in den Regenwald, Richtung Abancay. Als wir ankamen, war alles stockdüster und kaum ein Auto war auf den Straßen unterwegs. Diese heißen Quellen sind jedoch nur nachts geöffnet, da es tagsüber von Moskitos nur so wimmelt. Fünf Stunden lang tobten wir uns im Wasser aus und spielten mit einem Ball, den eine Familie dort vergessen hatte. Um 6 Uhr in der Früh ging schlagartig die Sonne auf – Die Landschaft hat mich SO beeindruckt, dass ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr rauskommen würde, wenn ich hier einmal beginnen würde. Direkt neben uns strömte ein Fluss dahin; umgeben von hohen Bergen und vielen grünen Papageien. Einfach traumhaft schön. Daher störte es mich zunächst auch nicht allzu sehr, dass unser Auto einen Platten hatte, weshalb wir aber schließlich um 14 Uhr erst wieder zu Hause bei Mama Lili ankamen, anstatt wie geplant um 9 Uhr. Die Jungs haben erst einige Luft mit einer normalen Luftpumpe in den Reifen gepumpt, sodass wir den Weg immerhin bis zur nächsten Werkstatt geschafft haben. Dort warteten wir eine Weile – ich habe mir einige Brötchen zum Frühstück gekauft, mit Regina Quatsch gemacht und einfach nur die Landschaft in vollen Zügen genossen.

 

Außerdem haben wir noch an diesem Morgen gegrillt. Irgendwann kehrten wir in eine kleine Bucht ein, bauten uns aus Steinen einen Grill und haben dort unser Fleisch, unsere Kartoffeln und unsere Würstchen gebraten. Es war richtig lecker! Abgesehen davon, dass ich an diesem Ort wieder von mehr als 20 Moskitos geärgert wurde, war das wohl mein mit Abstand bester Samstag hier in Peru.

Auch haben wir an diesem Sonntagnachmittag noch mit unsere Gastmutter Lili gewichtelt. Am 24.Dezember findet dann hier nach der Christmette um 24 Uhr das große Schenken statt.

 

Auf der Chacra passiert momentan nicht wahnsinnig viel. Die meisten Tage bestehen aus Ernten und Löcher hacken und diese anschließend mit Dünger wieder zu schließen. Damit ihr wisst, was wir momentan alles anbauen, folgt jetzt eine kleine Aufzählung: Tomaten, Mangold, Bohnen, Kohl, Gurken, Spinat, Paprika, Radieschen, Blumenkohl, Petersilie, Basilikum, Thymian, Cilantro, Minze und Zitronenmelisse.

 

Am Montag in der Früh haben wir uns viel mit Pavela unterhalten. Thema dieses Gespräches waren im Prinzip unsere Waisenkinder der Albergue und ihre Geschichten. Ein Junge beispielsweise verlor als er drei Jahre alt war sein linkes Augenlicht. Eines Tages soll er nach Cusco fahren und sich das Auge, das zu großen Teilen weiß ist, schwarz tätowieren lassen. Hier in Peru muss man unversehrt sein - zu mindestens scheinbar - um einen guten Job zu bekommen. Da der Junge auch nicht in den Ferien etwas anderes als Quiquijana sehen kann, hat Pavela ihn und einen weiteren Jungen für eine Woche mit nach Cusco genommen, um ihm das Leben dort zu zeigen. Diese Nächstenliebe zu den Kindern lässt sie für mich noch beeindruckender sein. Pavela ist hier einfach die Frau und Mama für alles und jeden!

 

Ein anderes Mädchen, das mit am längsten in der Albergue lebt, lernte vor rund zwei Jahren ihre Mutter kennen, die sich vierzehn Jahre lang überhaupt nicht um sie gekümmert hat. Heute sind die beiden Feuer und Flamme, was einerseits sehr erfreulich ist – und auch mich freut –, andererseits aber der ein oder andere kein Verständnis dafür hat, dass das heute sechszehn jährige Mädchen ihre Mutter in hohen Tönen lobt, die über die ganze Kindheit hinweg keine Zeit gefunden hat.

Abends fand dann die letzte Englischstunde für dieses Jahr mit den Großen statt – also haben wir noch einmal für den Sing-Wettbewerb am Mittwochabend geübt, ein bisschen Quatsch gemacht und nachdem die Kinder die deutschen und englischen Lieder einigermaßen gut konnten, wurden wir von ihnen unterrichten – Sie brachten uns ein Lied auf Quechua bei!

 

Hanaq pancha gloriamanta

qhapaq Diospa churin hamun (2x)

runa munaq sonqollanwan

kay pachaman uraykamun (2x)

achachalloú sumaq Niño

ima sumaqta k’anchanki (2x)

Llama micheq somiyoq runa

hakuchun Belen portalman (2x)

Belen portalman chayaykupa

kamaqnenchispa kusichisun (2x)

achachalloú sumaq Niño

ima sumaqta k’anchanki. (2x) ♥

 

Ich muss sagen, dass es mir sehr gut gefällt.

 

Mein Dienstag ging im Allgemeinen drunter und drüber und war absolut mit Stress in Verbindung gebracht. Morgens auf der Chacra gab es eine Menge zu tun. Zuerst hackten wir rund 60 Löcher, die wir anschließend alle mit Dünger füllten. Neben diesen 60 Löchern gab es aber noch einige andere Löcher von dem vorherigen Tag zu schließen, sodass diese Arbeit, die ich gerade in zwei Sätzen zusammengefasst habe, sage und schreibe drei Stunden beanspruchte. Zudem waren wir wieder nur zu Dritt, da die anderen bei einer Messe im Rathaus gespielt haben. Anstatt meiner Mittagspause ging ich zusammen mit Florian zu einer Reunión – Mehr als Zuhören sollten wir eigentlich nicht tun, was sich aber als sehr schwierig erwies, da die Lehrerin für die Mütter und Väter der Kinder hauptsächlich Quechua sprach. Am Ende bezahlten wir noch 1,50 Soles, damit die Klassenlehrerin für den letzten Schultag vor den zwei Monate langen Ferien Schokolade und eine Art Brot, die traditionell gegessen wird, kaufen konnte.

 

Als ich wieder in der Albergue ankam, war meine Mittagspause fast rum. Während meiner Hausaufgabenbetreuung unterstützte ich meine Schüler bei ihren Englischaufgaben. Dieses Mal mussten sie über ein beliebiges Thema ein Plakat malen und beschriften.

Nachdem die Novena beendet war, die um 17 Uhr anfängt und ungefähr zwanzig Minuten später wieder endet, musste ich noch im Internetcafé einige Dinge erledigen. So druckte ich noch beispielsweise ein weihnachtliches Arbeitsblatt für Gruppe B, die jüngeren Schüler, aus und vervielfältigte diese später noch im Schwesternhaus.

 

Nachdem ich dann noch mit allen jüngeren Kindern, Franca, Regina und Florian im Park war, ein wenig Fußball gespielt und mir die Haare haben flechten lassen, gingen wir zurück zur Albergue, aßen ein wenig und gaben im Anschluss wieder Unterricht. Dieser war sehr entspannt, die Kinder hatten große Freude an dem Arbeitsblatt, sodass die Stunde wahnsinnig schnell verstrich. – Und im Anschluss fiel ich halbtot in mein Bett.

 

Am Mittwochmorgen besuchte keiner von uns sechsen die Chacra, sondern wir tobten uns wie die Engel in der Weihnachtsbäckerei aus, in der an diesem Morgen neben vielen Brötchen auch einige Mürbeteigplätzchen für die Kinder gebacken wurden. 6kg Mehl wurden dabei mit 24 Eiern, 2 kg Butter und 3 Kg Zucker verknetet – Per Hand! Verfeinert wurden diese Plätzchen durch Hermana Cecilia, die unter den Teig noch ein wenig Muskatnuss rieb – Der Geruch; ich liebe ihn! Im Anschluss an das große Backen nahmen Franca und ich die Kekse in unser Zimmer, das dadurch sehr weihnachtlich duftete.

 

Nachmittags fand anstatt der Hausaufgabenbetreuung der Sing-Wettbewerb statt, bei dem die Kinder der Albergue je ein Lied auf Quechua, ein spanisches, ein englisches und ein deutsches Lied gesungen haben. Unterteilt haben die Schwestern zwischen der Grund- und der weiterführenden Schule. Der Erst-Platzierte gewann 15 Soles, der zweite 10 Soles und der dritte 5 Soles. Aber selbst das hat die Kinder nicht sehr motiviert zu singen – nur 10 Kinder von unseren 68 erklärten sich zum Singen bereit und diese wurden dabei von Francas, Reginas und Bennis Instrument begleitet.

Bei der Novena, die direkt danach stattfand, gab es noch eine Besonderheit: Da Hermana Polly zum Ausdruck bringen wollte, dass Weihnachten Freude bedeutet, zogen unter anderem wir Freiwilligen uns bunte, verrückte Masken an, tanzte und zappelten ein wenig durch die Gegend, sodass sogar die Schwestern ordentlich lachen mussten. Ziel erreicht!

 

Der Donnerstagmorgen begann mit ein wenig Verwirrung, ob wir nun zur Chacra gehen müssen oder nicht. Im Endeffekt wurde das Mittelding entschieden, dass wir nur kurz hingehen, um ein wenig Gemüse zu ernten. Daher waren wir schon wieder um 9:15 Uhr zurück in der Albergue – Zeit um sich von dem bevorstehenden anstrengenden Tag auszuruhen! – Die Promotion eines Junges der Albergue stand bevor.

 

Als wir um 14 Uhr in der Grundschule von Jesus angekommen sind, war noch niemand da. Nur Franca, er selbst, ein Freund von ihm und ich. Nach einigem Warten und auf der Bank sitzen mit Franca, habe ich ein paar Fotos von der Schule gemacht, die mir eigentlich recht gut gefällt. Äußerlich ist sie in rot/ rosa Tönen gehalten, auf dem Schulhof gibt es einige Blumenbeete, die mit Flaschenzäunen abgegrenzt werden. Nach und nach kamen noch einige Freunde und Klassekameraden mit denen er einige Zeit Fußball gespielt hat. Es war süß ihm zuzuschauen, da er sich nach jedem Schuss seine Anzugshose sauber gerieben hat. Er sah insgesamt wahnsinnig schick in seinem Anzug aus.

Gegen 15 Uhr kamen einige Frauen mit Essen zu der Schule, denen wir beim Transportieren der Sachen halfen, einige Tische aus den Klassenräumen und der Bibliothek trugen. Gegen 16 Uhr begann dann die Feier. Rund 20 Kinder waren in der Klasse 6a - 5 Mädchen und der Rest Jungs. Als erstes trat Jesus selbst nach vorne und betete ein kurzes Gebet vor, anschließend beteten wir alle zusammen das Vater unser und das Ave Maria. Hinterher sangen die, die es konnten, die peruanische Nationalhymne mit der rechten Hand auf der Brust. Ein anderer Junge trug ein Gedicht vor; der Klassensprecher bedankte sich bei seinen Klassenkameraden und seiner Lehrerin. Auch die Kinder sagen ein Lied - A Cappella! Und dafür fand ich das echt eine gute Leistung.

Als ein Bilderrahmen mit dem typischen Promotionshut und einem Klassenfoto verteilt worden ist, gingen auch die Eltern mit nach vorne, um der Lehrerin für die letzten sechs Schuljahre zu danken. Manche Eltern fehlten an allen Ecken und Enden die Worte, da sie eigentlich nur Quechua sprechen. Als Jesus aufgerufen worden ist, waren auch Franca und ich an der Reihe und wurden mit "die zwei Mamas" vorgestellt. Nachdem Franca den Kindern als erstes allen einen herzlichen Glückwunsch gewünscht hatte, richtete sie das Wort an die Klassenlehrerin. Der ganze Saal war plötzlich ruhig und lauschte, was das hellhäutige Mädchen zu sagen hatte – im Anschluss klatschten alle sehr kräftig.

Nach einigem Tanzen, Essen und Trinken war Jesus hundemüde und wir gingen zurück zur Albergue. Ich bin froh, dass er so einen schönen Tag hatte und glücklich, aber total erschöpft in sein Bett fallen konnte. Jesus ist ein wahnsinnig taffer und starker Junge für sein Alter, der auch ohne die Hilfe seiner Eltern einer der Besten seiner Klasse ist.

 

Der Freitag war wohl der schönste Tag in den letzten Wochen, denn wir haben zusammen mit allen Kindern und vielen Eltern Weihnachten gefeiert. Begonnen hat der Morgen damit, dass wir Schwester Delfina beim Schmücken der Räume geholfen haben; viele Luftballons wurden aufgeblasen und Plakate auf denen „Feliz Navidad“ gemalt war, aufgehängt. Im Anschluss halfen Franca und ich noch in der Küche und haben dort rund 40 Zwiebeln geschnitten. Freunde der Nacht, ich habe noch nie so stark geweint und wenn ich an meinen Händen rieche, die seitdem mindestens sechs Mal gewaschen wurden, könnte ich gleich wieder anfangen.

 

Das Fest begann mit einem Gottdienst, in dem fünf Kinder unserer Albergue getauft wurden (plus zwei Geschwisterkinder). Außerdem empfangen vier von ihnen die erste heilige Kommunion. Der Gottesdienst war auch sehr auf diese Feste ausgelegt und war eigentlich nicht so weihnachtlich wie ich es mir vorgestellt hatte.

Als der Gottesdienst zu Ende war (den ich in großen Teilen gefilmt habe, aber das Video viel zu groß ist, um es hochzuladen), gingen wir in den Essensraum der Kinder, in dem wir alle einen großen Teller mit Hähnchen, Kartoffeln, Salat und Mais bekommen haben. Viele Eltern waren begeistert von dem Essen, dass sie sich gewiss sonst nicht leisten können.

Spannend wurde es für die Kinder als Sör Nelly die Geschenke überreichte und jedes Kind einzeln nach vorne rief. Jeder von ihnen bekam eine große Tüte mit Kleidung und Süßigkeiten, der eine hatte zusätzlich ein Deo geschenkt bekommen, der andere eine Kleinigkeit zum Spielen. Aber im Endeffekt waren alle zufrieden. Wir Freiwilligen haben allen Kindern etwas zusammen geschenkt: ein Volleyballnetz, Filme für das abendliche Filmschauen, ein Springseil, Kreide, Seifenblasen und zwei Bälle, die die Schwestern zwar ausgepackt haben, wir aber einen wahnsinnig lauten Applaus von den Kindern geschenkt bekamen. Auch die selbstgebackenen Kekse kamen super an – die meisten haben sie noch vor Ort verdrückt.

 

Jetzt kann ich kaum fassen, dass ich die ganzen liebgewonnen Rabauken ganze zwei Monate nicht sehen werde. Auch wenn ich im neuen Jahr während der Ferien zur Albergue zurückkommen werde, werden nur fünf bis sechs Kinder da sein. Zum großen Teil sind das Kinder, mit denen ich bisher nicht viel zu tun hatte, sodass ich mich aber freue, sie in diesen Wochen besser kennenzulernen.

Als die Kinder zusammen mit ihren Familien nach Hause gegangen sind, kam noch ein Junge aus meiner Hausaufgabenbetreuung zu mir und wünschte mir schöne Ferien. Im Anschluss umarmte er mich und sagte mir, dass er mich vermissen wird. Oh ja, liebe Kinder, ich euch auch! ♥

 

Die erste Oktave des diesjährigen Weihnachtsfestes ist vorbei – Am Montag werden wir dann Weihnachten mit den Schwestern in der Albergue feiern, am Dienstag (Heiligabend) mit unserer Gastfamilie und im Anschluss habe ich bis Neujahr erst einmal frei.

 

Ich wünsche euch ein wunderschönes, besinnliches, frohes Weihnachtsfest. ♥

Liebste Grüße aus den Hochanden Perus,

in Liebe,

Anna

 

Feliz Navidad! ♥
Feliz Navidad! ♥
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Das Jugendhaus Quiquijanas ist der Machu Picchu Cuscos. ♥

Hallo meine Lieben in der großen, weiten Welt.

 

Eigentlich hatte ich mich dazu entschlossen, diese Woche keinen Blogeintrag zu schreiben. Ich hatte meinen Laptop sogar in Cusco gelassen, um während der Mittagspause mal ein Buch zu lesen oder ausführlicher Tagebuch zu schreiben. Da allerdings in dieser Woche wahnsinnig viele schöne Dinge passiert sind, die ich euch nicht vorenthalten möchte, schreibe ich ihn doch. – Viel Spaß beim Lesen!

 

Die Woche begann am Montagmorgen zunächst damit, dass ich nicht wie gewohnt im Schwesternhaus aufgewacht bin, sondern im Zimmer hinter dem Mädchenschlafsaal in der Albergue, da ich am letzten Freitag mit Regina die Zimmer getauscht hatte. Mir gefällt dieses Zimmer wahnsinnig gut, weil es klein und gemütlich ist. Schon am letzten Freitag habe ich viele Bilder an den Wänden aufgehängt, habe meinen schönen Adventskalender in Szene gesetzt, sodass ich das Gefühl habe, in diesem Zimmer voll und ganz zu Hause zu sein.

Auch wenn das Zimmer weniger luxuriös als das im Schwesternhaus ist, habe ich hier eher das Gefühl „anzukommen“. Leider gibt es weniger Platz, um seine Dinge zu verstauen, aber das eigentliche Problem ist das Badezimmer, das eher schlecht als recht funktioniert.

Warmes Wasser gibt es eigentlich nicht, da die rund vierzig Mädchen, wenn sie morgens aufstehen, das warme Wasser verbrauchen. Wenn man Glück hat, ist das Wasser lauwarm, geschweige denn, es kommt überhaupt. Besonders schön ist es, wenn man von der Chacra kommt, sich duschen möchte beziehungswiese muss und es überhaupt kein Wasser gibt - weder zum Duschen noch zum Händewaschen, was nach der Chacraarbeit jedoch immer bitternötig ist.

In einem Gespräch mit Pavela in der letzten Woche haben wir auch über dieses Thema gesprochen. Sie hat mehrmals betont, dass es sehr wichtig ist, dass es uns gut geht, damit wir den Kindern in der Albergue helfen können. Mir persönlich macht es nicht so viel aus, dass wir hier in Peru im Vergleich zu unserer Heimat einfacher wohnen. Manchmal tut es mir sogar weh, wenn ich sehe, in welcher Armut die Menschen um uns herum wohnen, wir jedoch, einen hohen Lebensstandard erfüllt bekommen.

Vielleicht haben wir aber im nächsten Jahr die Möglichkeit das einfache Leben in den Anden kennenzulernen, in dem wir für ein Wochenende in einer Hütte einer Familie abseits von Strom und fließendem Wasser leben.

Natürlich gibt es immer wieder Tage, an denen man krank im Bett liegt; trotzdem gefällt mir die Arbeit in Quiquijana wahnsinnig gut. Wenn ich abends durch den regen und munteren Mädchenschlafsaal gehe, von allen Seiten ein freundliches „Gute Nacht, Anna“ zugerufen bekomme, fühle ich mich am richtigen Ort – zur richtigen Zeit.

Während tagsüber im Mädchenschlafsaal nichts los ist, und es auch abends sehr schnell ruhig wird, wachen wir morgens meist immer um halb 6 oder früher vom lautem „Levantense!“ („Aufwachen!“) Schwester Cecelias auf, die die Kinder weckt. Von jetzt auf gleich beginnt der Lärm und alle Mädchen machen sich fertig und duschen laut.

Trotz alledem muss ich sagen, dass ich in diesem Zimmer besser schlafe als im Schwesternhaus. ♥

 

Mein Montag – die Reunión und die wohl schönste Messe. ♥

Unser Montagmorgen begann wie gewohnt mit der Arbeit auf der Chacra. Allerdings blieben wir dort nicht wie gewohnt bis 11:30 Uhr, sondern machten uns schon eine Stunde früher auf den Rückweg, um uns mit den Schwestern zu treffen, um über Weihnachten zu sprechen.

 

Am 20. Dezember werden wir mit allen Kindern und ihren Familien in der Albergue Weihnachten feiern, worauf ich mich tierisch freue! Außerdem werden wir am nächsten Montag mit den Schwestern, der Psychologin Rosa, der Köchin und Juana wichteln. Hier heißt diese Art des Schenkens „amigo secreto“, wobei man auch die Möglichkeit hat, dem geheimen Freund während der Adventszeit Kleinigkeiten zu schenken, wobei man sich natürlich nicht erwischen lassen darf. Seit dieser Reunión freue ich mich sehr auf die Adventszeit! Außerdem werden die Kinder ab nächstem Montag zehn Tage lang in vielen Gruppen je ein weihnachtliches Thema besprechen, das sie anschließend vorstellen werden. Bestimmt wird auch das richtig cool.

 

Da am Abend der Strom ausfiel, fand die Messe am Abend bei Kerzenlicht statt. Es war wunderschön! An diesem Tag hatten wir zudem etwas zu feiern: Da es hier üblich ist, anstatt dem Geburtstag die Taufe groß zu feiern, fand an diesem Montagabend die Messe zu Ehren Sör Nellys statt. Angél, ein Junge der Albergue war auch Messdiener und der Pastor hat eine sehr gute Predigt über den biblischen Satz „Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, …“ gehalten. Durch diese Messe bin ich mir nun hundertprozentig sicher, mich für den richtigen Studiengang entschieden zu haben.

 

Mein Dienstag: Advent, Advent ein Lichtlein brennt …

Bei der Hausaufgabenbetreuung hatte ich an diesem Dienstag wahnsinnig viel Spaß. Zum einen las Pavela zusammen mit Schwestern Delfina das Evangelium des ersten Adventsonntags vor und brachte den Kindern bei, was das Wort „Advent“ überhaupt bedeutet. Am späten Abend habe ich noch mit einem Schüler einen Adventskranz gebastelt, habe viel mit ihm gelacht, sodass die doch eher mühselige Arbeit aus Pappe einen Adventskranz herzustellen, schnell vorüber ging. Geschockt war ich, als ich unter einer Englischhausaufgabe einer Schülerin sah, dass sie statt 20 Punkten nur 18 Punkte von ihrer Lehrerin bekam, obwohl sie alle Aufgaben richtig bearbeitet hatte. Grund für den Punktabzug war es, dass sie an zwei Stellen mit Tipp-Ex gearbeitet hatte.

 

Mein Mittwoch:

Alles Liebe zum Namenstag, Oma! ♥

 

Auch mein Mittwoch war richtig schön. Während Florian, Anna-Maria und Franca Brötchen buken, war ich mit Regina und Benjamin alleine auf der Chacra, wobei wir richtig viel gearbeitet haben. Zuerst haben wir mindestens dreißig Bohnensträucher aus der Erde gerissen, um anschließend die Bohnen zu ernten. Im Anschluss ernteten wir auch noch sehr viel Mangold, den wir am Tag zuvor gesäubert hatten, Tomaten, Rote Beete, Kohl, Minze, Petersilie und Cilantro. Außerdem gruben wir wieder allerhand Löcher, um diese in den nächsten Tagen wieder mit Dünger zu füllen.

An diesem Abend gaben wir keinen Unterricht, da viele unserer Schüler wahnsinnig viele Seiten bis zum nächsten Morgen abschreiben mussten. Clemente musste 18 Seiten abschreiben, wobei es absolut egal ist, ob sie verstehen, was die dort abschreiben. Die Hauptsache ist, dass alles fein, ordentlich in ihren Heften steht.

 

Dennoch fanden wir die Zeit ein wenig Quatsch zu machen und über Gott und die Welt zu reden. So erfuhr ein Schüler von mir, dass ich geboxt habe und wollte sofort von mir unterrichtet werden. Allerdings glaube ich, dass es nicht sinnvoll ist, ihnen meine Boxkünste beizubringen, sodass ich ihnen vielleicht einmal die Grundstellung und beiden verschiedenen Gangarten zeigen werde; jedoch nicht die Schlagtechniken.

 

Mein Freitag: - Krippenaufbau!

Nein, den Donnerstag habe ich nicht vergessen. An diesem Tag geschah jedoch nichts besonders, sodass ich darüber nicht berichten werde.

Mein Freitag war dafür umso interessanter: Morgens brachte ich zuerst Francas und meine Wäsche zum Schwesternhaus, die Anna-Maria und Florian wuschen. Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Rückweg zur Albergue, um dort Pavela beim Krippenaufbau zu unterstützen.

Am Anfang durfte ich zum ersten Mal den Jungenschlafsaal sehen, da dort oben in einem Raum im Dachgeschoss alle Krippenfiguren aufbewahrt werden. Einige Figuren waren wirklich sehr schwer. Im Anschluss haben wir aus Vulkansteinen eine Art Höhle gebaut, in der Maria und Josef ihr Plätzchen gefunden haben und die heiligen drei Könige ihr Ziel einen Monat früher als erwartet erreichten. Dennoch machte es sehr viel Spaß, die Krippe aufzubauen, auch wenn wir die meiste Zeit im Regen arbeiten mussten. Nächste Woche möchte ich ein Foto von dieser Krippe machen – Vorausgesetzt ich finde meine Speicherkarte wieder ;-)

 

Damit verabschiede ich mich von heute,

ganz liebe Grüße in die weite Welt

und in das verschneite Deutschland ganz besonders,

 

eure Anna!

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Liebe Grüße aus den Anden!

Hallo meine Lieben,

 

Nachdem ich doch recht lange nichts mehr über meine Wochenenden in Cusco geschrieben habe, möchte ich das heute ein wenig nachholen und von zwei sehr warmen, erfolgreichen Tagen berichten.

 

Da wir am Freitag auch noch nachmittags unsere Kräfte auf der Chacra schwinden gelassen hatten, gingen wir es am Freitagabend erst einmal ein bisschen gemütlich an. Regina und ich entschlossen uns dazu, eine kleine Pizza in unserem kleinen Stammrestaurant zu essen, in dem wir schon sehr freundlich von dem Besitzer begrüßt wurden. Anschießend verbrachte ich einige Zeit im Internet, schrieb die eine oder andere Mail und freute mich auf gleichem Wege über viele.

 

Momentan habe ich einfach das große Problem, dass ich weder in Quiquijana unter der Woche noch in Cusco an den Wochenenden gut schlafen kann. Egal zur welcher Uhrzeit ich mich ins Bett lege, um Punkt 8 wache ich auf und kann anschließend partout nicht mehr einschlafen. Aus diesem Grund helfe ich morgens oft meiner Gastmutter Lili beim Frühstückstisch decken, gehe Brötchen kaufen oder frühstücke schon mit ihr in aller Seelenruhe. An diesem Samstagmorgen machte ich mich anschließend auf den Weg zur Post – Leider stand ich zusammen mit Franca vor verschlossenen Türen. Jedoch wollte ich nicht bei dem wunderschönen Sonnenschein direkt wieder zurücklaufen, sodass ich ein wenig durch die Straßen schlenderte. Es tat wirklich gut mit Musik auf den Ohren durch die Straßen zu ziehen und die Stadt zu bewundern. Später habe ich mir noch zwei Croissants und einen frisch gepressten Saft gegönnt, was beides wirklich einfach himmlisch war.

 

Im Reisebüro habe ich mich noch kurz über einen Kurztrip nach Santa Cruz in Bolivien schlau gemacht, um eine Bekannte, die ich beim Vorbereitungsseminar in Köln kennengelernt habe, an einem verlängerten Wochenende einmal besuchen zu können. Preislich ist die Lage vollkommen in Ordnung, allerdings ist die Frage, ob es nicht zu viel Zeit beansprucht, da man in der bolivianischen Hauptstadt La Paz einen Zwischenstopp einlegen muss.

 

Nachdem ich meinen kleinen Snack bei Lili genossen hatte und ein wenig mit der einen oder anderen Person geskypt oder geschrieben habe, machte ich mich ein zweites Mal auf in die Stadt, um einfach mehr frische Luft zu schnappen. Dieser Tag wäre einer der Tage gewesen, an denen ich unheimlich gerne zu Hause gewesen wäre, weil einfach so vieles gleichzeitig war: Die Galasitzung unserer RKG, die Boxveranstaltung meines Vereines oder das Traumtheater in der Schule – Alles Dinge, an denen man in den vorherigen Jahren immer auf mich zählen konnte.

 

Während die drei anderen Mädchen zusammen mit Florian Salsa tanzten, genoss ich die abnehmende Wärme auf dem Plaza de Armas in einem Café, trank eine heiße Schokolade und schrieb ein bisschen Tagebuch. – Einfach Wahnsinn, wie lange ich es nicht mehr gemacht habe.

 

Abends trafen wir uns alle zusammen mit einigen Jungs aus ACUPARI, die man mittlerweile fast als Freunde bezeichnen konnte. Obwohl der eigentliche Plan lautete, Salsa zu tanzen, entschlossen wir uns erst dazu einen Hamburger zu essen (Der beste Hamburger, den ich je gegessen habe!) und anschließend in einen Club zu gehen. Es hat wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht, sich zuerst eine Weile mit den Jungs zu unterhalten und anschließend auf Popmusik richtig feiern. Wenn mich meine Bauchschmerzen nicht so geplagt hätten, wäre ich auch sicherlich noch länger geblieben.

 

Und auch obwohl ich in dieser Nacht erst um halb 4 wirklich bettfertig im Bett lag – Um Punkt 8 war ich wieder wach und konnte nicht mehr schlafen. Daher machte ich mich später direkt ein zweites Mal auf den Weg zur Post; auch dieses Mal vergeblich. Heute war das Problem, dass sie keine Briefmarken mehr zur Verfügung hatten. Manche Situationen kann ich einfach nicht verstehen. Auf der Post in einer so großen Stadt gibt es keine Briefmarken mehr?

 

Ein wenig sauer über diese Tatsache machte ich mich auf den Rückweg und skypte wieder einige Zeit, bis ich mich schließlich noch dazu aufraffen musste, einkaufen zu gehen. Als das endlich erledigt war, packte ich schnell meine sieben Sachen zusammen und unsere zweite Heimat, Quiquijana, rief schon lauthals nach uns.

 

In dieser Woche ist wirklich nicht wahnsinnig viel passiert:

Am Montag auf der Chacra gingen wir unserer gewöhnlichen Arbeit nach – und da sogar am Wochenende das Wasser angeschaltet war, mussten wir durch die Fahrradpumpe die Pflanzen nicht gießen. Am Dienstag- und am Mittwochnachmittag arbeiteten all meine Jungs auf der Chacra, um das Maisfeld erneut von Unkraut zu befreien, sodass meine Hausaufgabenbetreuung noch ruhiger verlief als gewohnt – Meiner Meinung nach sogar ein wenig zu ruhig. Allerdings hatte ich aus diesem Grund genug Zeit, die Familienverhältnisse der Kinder aufzuschreiben. So weiß ich jetzt – Dank der Hilfe eines lieben Mädchens – welche Schwester welchen Bruder hat und habe immerhin einmal alle Namen aufgeschrieben.

 

Unser Mittwoch war ein wenig abwechslungsreicher.

Nachdem ich zusammen mit Benni und Regina Brot gebacken hatte, von dem sogar Schwester Cecilia begeistert war, und nur auf sehr wenige Kinder bei der Hausaufgabenbetreuung aufgepasst hatte, wurden wir vom Pfarrer Quiquijanas zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Er hat ein wirklich riesiges Haus und von seinem Musikzimmer waren wir alle schlichtweg begeistert. Neben vier verschiedenen hochwertigen Gitarren, besitzt er auch eine Harfe und ein E-Piano. Er selbst hat vor einigen Jahren zusammen mit verschiedenen Freunden zwei CDs aufgenommen und uns diese nach einem kleinen Festmahl gezeigt. Wir waren alle so begeistert, dass er uns eventuell noch eine CD schenken wird. Im Anschluss fand um sechs Uhr die Messe statt. – Allerdings leider ohne Kinder, was mich ein wenig enttäuscht hatte. So saßen wir nur zusammen mit den Schwestern und einigen Bewohnern Quiquijanas in den Bänken, um eine Messe zu feiern. Mittlerweile habe ich es mir angewöhnt, die Gebete auf Deutsch mitzubeten, die ich auf Spanisch nicht verstehe oder in der Schnelligkeit nicht mitbeten kann. So habe ich das Gefühl, aktiver am Messgeschehen teilnehmen zu können, was mir – wer mich kennt – immer wieder ein bisschen Kraft gibt.

 

Im Anschluss zur Messe unterhielten wir uns noch lange mit Pavela, die zu sehr vielen Scherzen aufgelegt war. Es machte richtig viel Spaß sich mit ihr zu unterhalten, obwohl es mir zu diesem Zeitpunkt nicht sehr gut ging und meine Magenschmerzen mich nicht in Ruhe lassen wollten.

 

Am Donnerstagabend spielten Regina und Benjamin noch eine gute Stunde mit Schwester Polly kirchliche Lieder, wobei sehr viele kleine Kinderohren den schönen Klängen gelauscht haben. Solche Momente erfüllen mich immer wieder. Um Schwester Polly sind wir alle sehr dankbar und freuen uns, wenn sie mit ihrem Charme die Albergue zum Strahlen bringt. Leider – ich glaube, ich habe es schon einmal geschrieben – geht es ihrer Mutter momentan überhaupt nicht gut, sodass sie die meiste Zeit in der Woche bei ihr in Cusco verbringt. Ist sie jedoch da, erfreuen wir uns alle an ihrer lustigen, aufheiternden Art.

 

Jetzt kann ich euch noch ein wenig von meinem Freitag erzählen.

Da jetzt schon wieder zwei weitere Monate verstrichen sind, haben wir an diesem Freitag erneut die Zimmer getauscht. Regina war es wichtig, einmal im Schwesternhaus zu schlafen, in dem man nahezu immer Anspruch auf warmes Wasser hat, aber auch ich wollte einmal in das Zimmer in der Albergue, das hinter dem Mädchenschlafsaal liegt. Dadurch, dass das Zimmer viel kleiner ist, wirkt es gleich viel wohnlicher und freundlicher. Ich freue mich darauf in diesem Zimmer zu schlafen, in dem man hin und wieder wirklich auf das Wichtigste reduziert lebt. – Nicht selten ohne Wasser und ohne Storm.

 

Außerdem wuschen Anna-Maria und ich an diesem Morgen und nahmen dies zusätzlich zum Anlass, einen Frühjahrsputz durchzuführen. Ich selbst hatte schon am Vorabend all meine Sachen gepackt, sodass nicht mehr viel im Weg stand, sodass die Grundreinigung durchgeführt wurde.

 

Damit verabschiede ich mich für diese Woche,

wünsche euch allen einen schönen Start in die Adventszeit.

Trinkt auf den Weihnachtsmärkten einen Glühwein für mich mit,

Ganz liebe Grüße aus den Anden,

eure Anna

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Das Wetter in Peru und die neue Fahrradpumpe auf der Chacra

Guten Morgen/ Tag/ Abend/ Nacht allerseits!

 

Heute möchte ich euch nicht von meinem Wochenende berichten, sondern eher von den Wetterunruhen erzählen, die sich momentan ereignen. So erlebten wir vor allen Dingen am letzten Samstag ein Unwetter der besonderen Art: Als Franca, Regina und ich abends in einem kleinen Laden, der wundervolle Säfte verkauft, saßen (ich wollte nicht Saftladen schreiben! ;-)), begann es urplötzlich in Strömen zu regnen, aber auch stark zu hageln. Kaum hatten wir den Laden verlassen, waren wir sehr nass – besonders weil nachmittags noch strahlend die Sonne schien und wir daher an Regenjacken nicht gedacht hatten.

 

Kurzer Einschub: Da mich immer so viele Menschen fragen, welche Temperaturen hier momentan herrschen: Leider ist mein inneres Thermometer defekt, sodass ich euch die Frage nicht genau beantworten kann. Allerdings kann es nachts nur mit der Decke im Schwesternhaus und ohne Heizung doch ziemlich kühl werden, man jedoch am gleichen Tag sehr schwitzen, wenn man durch die Straßen Quiquijana geht oder mittlerweile auch hin und wieder mit dem reparierten Fahrrad fährt.

 

Da Cusco eine Stadt mitten in den Anden ist, die sich über sehr viele Höhenmeter erschreckt, wurden aus den Straßen Wasserfälle und die Autos (wir haben uns auch für eine Taxifahrt entschieden) kamen kaum voran, da sich das Wasser auf den ebenen Straßen doch sehr staute. Erst da bemerkte ich, dass die Stadt Cusco beispielsweise kaum Abwasserkanäle oder Gullys besitzt und bemitleidete die vielen Obdachlosen auf den Straßen, die sich an der einen oder anderen Stelle unterstellten.

Lili, unsere Gastmutter, sagt uns immer, dass dieses feuchte und vor allen Dingen hagelreiche Wetter, auf eine sehr heftige Regenzeit hindeutet, da diese offiziell noch gar nicht richtig begonnen hat. Im Prinzip gibt es in Peru auch keine vier Jahreszeiten, wie wir sie kennen. Denn die Peruaner (und generell die meisten Südamerikaner) unterscheiden nur zwischen zwei Situationen: Zwischen der Regen- und der Sonnenzeit. Trotz alledem kann man momentan morgens die Vögel in den nicht vorhandenen grünen Bäumen zwitschern hören und die Frühjahrsgefühle der Menschen beobachten, die im Allgemeinen verrücktspielen. So kann man im Augenblick noch mehr küssende Paare am Straßenrand antreffen, als es eh schon der Fall ist.

Obwohl hier, nach unserer Denkweise, momentan der Frühling beginnen würde, bekommt man davon nicht viel mit. Vereinzelt darf man mal eine schöne, blühende Blume betrachten – Allerdings eine rare Ausnahme! So vermisst im momentan ein wenig die roten Blätter des Herbstes und die Krokusse und Hyazinthen des Frühlings. Auch hätte ich gerne einen Adventskranz, um mir wenigstens durch ihn vor Augen führen zu können, dass wir uns fast in der adventlichen Vorweihnachtszeit befinden.

 

Auch dieses Mal möchte ich nicht ausführlich von jedem Tag der Woche berichten, sondern entweder nur durch einen Satz auf kuriose oder nervige Erlebnisse hinweisen oder im Detail außergewöhnliche, spannende Dinge berichten.

 

Kurios jedoch begann unsere Busfahrt nach Quiquijana am Sonntagabend. Später als gewohnt machten wir uns auf den Weg zu unserer Busstation und sahen mit großen Augen auf die Menschenmassen, die alle mit den Bussen fahren wollten, mit denen wir auch wöchentlich nach Quiquijana touren. Ein wenig lustlos standen wir uns an die mindestens 150 bis 200 Meter lange Schlange an, als wir plötzlich unsere beiden Jungs weiter vorne in der Reihe entdeckten. Im Verlauf eines Gespräches zwischen Anna-Maria und den Jungs stellte sich heraus, dass sie seit über einer Stunde, fast zwei, warten. Ohne dass wir auf die Idee gekommen wären, boten sie uns freundlicherweise an, ein Ticket für uns mit zu kaufen, obwohl wir schon damit gerechnet hatten, drei Busse später als sie im Projekt anzukommen.

 

Als wir dann endlich einen Sitzplatz hatten und die Fenster mit Gewalt aufbekamen, um dem schrecklichen Geruch des Busses zu entfliehen, nahm eine Frau mit ihrer ungefähr 9 Jahre alten Tochter auf dem Gang Platz, die beide ein Babyschaf mit sehr weichen Fellen auf ihrem Schoß trugen. Zwischendurch blökten die Tiere gerne, weil sie tierischen Durst hatten. Und ich konnte sie verstehen.

 

In Quiquijana angekommen wurden wir ein weiteres Mal von keinem Strom überrascht, der jedoch morgens früh wieder zu benutzen war, wodurch mein MP3-Player aufgeladen werden konnte und sich meine Laune sehr besserte.

Eine weitaus größere Überraschung bot mir an diesem Abend unsere Oberordensschwester Sör Nelly, die mir ein Paket aus Deutschland überreichte. Es ist von dem lieben Cousin meiner Mutter, der mir einen zweiten Vogel auf einem Keilrahmen zugeschickt hat, den ich einmal quer durch Peru fliegen lassen werde. (Vielen Dank, Willi!)

Außerdem wurde der kleine Weg zur Haustür der Albergue an diesem Wochenende wieder benutzbar gemacht. Allerdings hoffe ich sehr, dass die Bauarbeiter den Weg noch einmal komplett bearbeiten, da man momentan bis zu den Knien im Schlamm steckt, wenn es geregnet hat. Ihr möchtet nicht wissen, wie all meine Schuhe momentan aussehen.

 

Am Dienstagmorgen besuchten wir alle nicht die Chacra, sondern besuchten den Plaza de Armas, auf dem Regina, Franca und Benjamin ein kleines Konzert gaben, da der Bürgermeister der Stadt sowie die Pyschologin Rosa dazu eingeladen hatten. An diesem Tag/ Vormittag fand der „Tag der Rechte des Kindes“ statt, sodass ein Clown die Kindergartenkinder Quiquijanas belustigte, mit ihnen einige Spielchen spielte und es einen kleinen Umzug der Kinder über den Hauptplatz gab, wobei die Kinder mit Plakaten in der Hand die Straße hinauf marschierten. Auf diesen Plakaten standen kurze Sätze wie „Ich habe das Recht auf Nahrung“, „Ich habe das Recht mit meiner Familie zusammenzuleben“ oder „Ich habe das Recht auf Spielen mit meinen Freunden“. Diese drei Sätze sind nur Beispiele für die vielen, bunt verzierten Plakate, die die Kinder mit Stolz, aber auch ein bisschen mit Ehrfurcht trugen. Am Ende der Straßen wurde ihnen dann eine Tüte mit Popcorn und Himbeergelatine überreicht. Immer mal wieder spielten Benjamin, Franca und Regina einige einstudierte Stücke wie „El condor pasa“. Leider funktionierte die Musikanlange a) nicht so, wie die drei sich es vorgestellt hatten und b) durften sie nicht all ihre Stücke spielen, da dafür schlichtweg keine Zeit blieb. Darüber ein wenig verärgert und trauernd über die verlorengegangene Zeit, in denen sie die Stücke einstudiert hatten, fuhren wir später zurück zur Albergue.

 

An diesem Tag war die Laune unserer Vorgesetzten gewiss nicht die beste, wobei wir auch dazu sagen müssen, dass wir einige Fehler gemacht haben. So regten diese sich beispielsweise über den vielen Dreck auf, der durch die unfertige Straße zur Haustür hin, im ganzen Haus verteilt wurde. Außerdem ist ein Schlüssel abgebrochen, der zu dem Raum führt, in dem unsere Fahrräder untergestellt werden. Heute summierten sich viele Kleinigkeiten, die zu einem angespannten Verhältnis geführt haben.

 

Mit meinen kleinen Rabauken der Hausaufgabenbetreuung klappt es momentan aber richtig gut. Obwohl nicht viele meine Hilfe bei ihren Hausaufgaben in Anspruch nehmen möchten, freue ich mich doch, wenn ich dem ein oder anderen bei komplizierten Aufgaben helfen kann. Zu dem ein oder anderen fehlt mir immer noch ein gewisser Draht, andere hingegen stellen mir sehr persönliche Fragen. Besonders mit einem Jungen, er heißt Clemente, komme ich super zurecht und konnte ihm heute sogar bei einer schwierigen Matheaufgabe helfen. Obwohl im deutschen Curriculum alles was mit Polynomen-Division zu tun hat, gestrichen wurde, konnte ich mir das Thema auf Spanisch anlesen und ihm gut helfen. Zwischenzeitlich habe ich mich sogar selbst überrascht auf das richtige Ergebnis gekommen zu sein, da Mathe gewiss noch nie meine Stärke war.

 

Außerdem ist der neue Flyer der Kinderhilfe Cusco-Peru e.V. fertig, der eine Jahresbilanz über das vergangene Jahr 2013 zieht. Unter meinem Blogeintrag steht dieser zum Download bereit.

 

Am Mittwochmorgen waren wir nur zu dritt auf der Chacra, auf der an diesem Tag Hochleistungssport betrieben wurde. Die Arbeit, die wir am Montagvormittag zu acht bearbeitet hatten, machten wir an diesem Tag nur zu dritt (später zu fünft, da Pavela und Juana mithalfen) und ernteten dazu noch eine Menge. Insgesamt waren wir aber schneller fertig als am Montag, was mich auf der einen Seite sehr erfreute, aber auf der anderen sehr zum Schwitzen brachte.

 

Meine Erkältung hat hoffentlich mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht, sodass sie in den nächsten Tagen immer mehr abklingt.

Abends, als ich alleine auf den Straßen Quiquijanas unterwegs war, um zum Schwesternhaus zu gehen (Anna-Maria ist mit dem Fahrrad gefahren), kam mir ein kleines, ungefähr zwei bis drei Jahre altes kleines Mädchen entgegen. Auf meine Fragen „Wohin gehst du?“ „Wo ist deine Mama/ dein Haus?“ oder „Wie heißt deine Mama“, hat die Kleine entweder total schüchtern auf Spanisch geantwortet, sodass ich sie nicht verstand, oder aber sie sprach ausschließlich Quechua. Da ich mir nicht anders zu helfen wusste, brachte ich das süße Mädchen zu dem nächsten, geöffneten Laden, in dem zwei Frauen saßen. Zwar wussten die beiden Damen auch nicht, woher das Mädchen kommt oder wer ihre Mutter ist, allerdings nahmen sie die Kleine liebevoll an sich.

 

Donnerstag, 21. November 2013

An dieser Stelle möchte ich auch hier meiner lieben Mama zum Geburtstag gratulieren, die ich besonders an diesem Tag sehr vermisst habe. Alles Liebe und Gute, Mama! ♥

 

Nichtsdestotrotz ging die Arbeit auf der Chacra weiter. Jedoch nicht Wasser schleppend, sondern Tomaten- und Bohnensträucher zurückschneidend verstrichen die Stunden. Anschließend holten wir noch eine Pumpe, die ab morgen mit einem Fahrrad angetrieben wird, und einen Schlauch, um die Pumpe mit dem Brunnen zu verbinden. So werden wir ab morgen kräftig in die Pedale treten, um die Pflanzen in den Gewächshäusern zu bewässern. Ich bin gespannt, wie gut die Konstruktion funktionieren wird. Hoffentlich denke ich an meine Kamera, um euch ein Foto davon zu zeigen.

 

Abends waren wir noch mit allen Kindern im Gottesdienst. Ich liebe diese Tage, wenn ich mir ein oder zwei Kindern an der Hand durch die Straße Quiquijanas laufe und die Bewohner mit einem freundlichen "Buenas tardes" begrüßen kann. Obwohl ich dieses Mal nicht viel in der Messe verstanden habe, hat mir diese wirklich gut gefallen. Unter anderem durfte der kleine Abel (ein Jungs der Albergue) messdienen, was er wirklich sehr ehrfurchtsvoll gemacht hat und drei Kinder sowie zwei Erwachsene trugen eine Fürbitte vor, die sie sich kurze Zeit vorher selbst ausgedacht hatten. Beispielsweise betete ein kleiner Junge für alle kranken Menschen auf der Welt. Momentan ist unsere liebgewonne Schwester Polly nur sehr selten in Quiquijana, um ihre krebskranke Mutter in Cusco zu pflegen. Beispielsweise in den Messen fehlt sie uns sehr, da sie das Geschehen immer mit ihrer Gitarre und ihrer tollen Stimme untermauert hat.

 

Als ich von der Albergue wieder zurück zum Schwesternhaus lief, gab es im ganzen Dorf keinen Strom. Ich mag Stromausfälle, weil man dadurch immer wieder vor Augen geführt bekommt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist zur jeder Tages- und Nachtzeit Strom beanspruchen zu können. Außerdem regnet es seit gut einer Stunde. Da wir immer mit offenem Fenster schlafen, hört man das Geplätscher ziemlich deutlich. Auch das mag ich irgendwie. Abends schrieb ich noch einen Brief, den ich auch am Wochenende verschicken werde.

 

An diesem Freitag stand die Welt in Quiquijana, und vor allem auf der Chacra ein wenig auf dem Kopf. Morgens lief ich zusammen mit Benjamin, Florian und Anna-Maria zur Chacra, auf der wir zuerst einmal nicht zu arbeiten begannen, da wir auf Pavela warten mussten, die einige Teile für eine Fahrradpumpe (hier auch gerne Bicibomba (von Bicicleta = Fahrrad) bezeichnet) gekauft hat. Als diese dann da war, begannen wir das schwere Gerät zu installieren, was sich gar nicht als so einfach erwies. Nachdem Florian schon einmal in den Brunnen klettern musste, um ein Gelenk des Schlauches, aus dem Brunnen zu fischen, das Pavela versehentlich in das vier Meter tiefe Loch fallen ließ, brauchten wir noch sage und schreibe 3 ½ weitere Stunden, damit die Fahrradpumpe ihren Dienst aufnehmen konnte. Da die Pumpe nicht stark genug dafür war, das Wasser vier Meter in die Höhe zu pumpen, ließen wir in ein zementiertes, quadratisches Loch Wasser ein, sodass die Pumpe daraus effizient Wasser durch einen Schlauch fließen lässt, der die Pflanzen in den Gewächshäusern bewässert. Leider kann man die Fahrradpumpe nicht an das Schlauchsystem anschließen, sodass immer noch drei Personen jeden Montag, Mittwoch und Freitag beansprucht werden: Einer, der wie wild in die Pedale tritt; ein zweiter, der das Wasser aus dem Brunnen in das zementierte Loch füllt und ein dritter, der mit dem Schlauch alle Pflanzen begießt.

Da wir den Vormittag nur dafür verwendet haben, das Gerät zu installieren, mussten vier von uns (dieses Mal Regina, Benni, Florian und ich) am Nachmittag ein zweites Mal die Chacra besuchen, während Franca und Anna-Maria die Hausaufgabenbetreuung der Waisenkinder alleine übernahmen. Begrüßt wurde ich von Romolo (der Ehemann der Bäuerin Juana), der gerade dabei war, eine kleine Schlange zu ermorden. Ich wollte gar nicht zusehen, wie er auf das arme Tier mit dem Stein einschlug. Die Frage, ob die Schlange giftig sei, verneinte er. Und so kann ich noch weniger verstehen, warum er das Tier getötet hat.

 

Im Anschluss trat ich zuerst für eine dreiviertel Stunde ordentlich in die Pedale, bis mir mein Po unheimlich wehtat (Er tut es immer noch!). Nach einer kurzen Verschnaufpause übernahm ich dann die Arbeit von Florian, der Romolo dabei assistierte den Schlauch so zu halten, dass viel Wasser aus dem Schlauch kam und keine Pflanzen verletzt wurden.

Für jedes Gewächshaus brauchten wir je eine Stunde, bis die schweißtreibende Arbeit beendet werden konnte. Als wir die Fahrräder in der Albergue wieder verstaut hatten und ich in Windeseile meine Tasche für Cusco gepackt hatte, fuhren wir zurück zu unserer Gastfamilie nach Cusco, worauf ich mich sehr freute.

 

Mir gefallen die Wochenende in Cusco in letzter Zeit sehr, da wir abends bis spät in die Nacht hinein unserer Gastmutter Lili beim Backen und Zubereiten ihrer Bestellungen für Geburtstage, Taufen und Co. helfen dürfen, tagsüber gemütlich in ein Cafe sitzen und Briefe schreiben, durch die Stadt schlendern, Besorgungen machen, uns manchmal mit peruanischen Freunden treffen, in Lilis Küche Nudeln kochen oder einen gemeinsame Film schauen.

 

Diese Woche ist wirklich wahnsinnig schnell vergangen. Jetzt ist es fast nur noch ein Monat bis Weihnachten, woran unsere Ferien anschließen. Ich kann es gar nicht fassen, wie schnell die Zeit doch vergeht und dass uns nach den Ferien und dem Zwischenseminar in Lima nur noch weitere fünf Monate bleiben – Die Zeit, die wir bisher hier sind.

 

Ganz liebe Grüße aus dem Andenhochland!

Besonders an meine Familie und Freunde. Ich schicke euch eine fliegende Umarmung,

eure Anna

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Flyer der Kinderhilfe 2013
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Alles nimmt seinen gewöhnlichen Gang ..

Hallo ihr! Hier meldet sich die Weltenbummlerin!

 

Mein letztes Wochenende ist sehr, sehr ruhig verlaufen: Krank und richtig erkältet in meinem Bett. Aus diesem Grund war ich am Sonntagnachmittag bei einer deutschen Ärztin in Cusco, da ich vor allen Dingen meine Kopf- und Halsschmerzen nicht mehr ausgehalten habe. Die letzten Nächte habe ich teilweise nur 4 Stunden geschlafen, sodass sie mir einige Medikamente gegen meine Grippe verschrieb. Am Montag blieb ich noch in Cusco – schlief also noch eine weitere Nacht bei meiner Gastfamilie und wurde dabei liebevoll von meiner Gastmutter Lili umsorgt, die sich wirklich immer sehr fürsorglich um uns kümmert. So fuhr ich erst am frühen Abend zurück ins Andendorf und kam dort an, während die anderen gerade dabei waren die letzten Minuten des Englisch- und Computerunterrichts zu erteilen. Meine Kollegen haben an diesem Montagmorgen anstatt die Chacra zu besuchen, eine Erstkommunion in der Grundschule von Quiquijana mitgefeiert. So eine Feier hätte ich wirklich gerne einmal miterlebt und genau an diesem Tag lieg in krank, mit Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und dem vollen Programm im Bett. Schön war, als mich die Ärztin in Cusco auf Typhus getestet hat: Die Begründung alleine „Sie leben in Quiquijana“ reichte für sie aus, mir Blut abzunehmen und es auf Erreger zu testen, sodass ich eine weitere halbe Stunde im Krankenhaus saß und auf mein zum Glück negatives Ergebnis zu warten.

 

Mittlerweile haben wir schon November, meine vierzehnte Woche hier oben in den Anden ist angebrochen und es schien an vielen Tagen die Sonne in ihrer vollen Pracht. An anderen Tagen schüttete es jedoch aus Eimern – Das Wechselbad des Wetters und den damit verbundenen Gefühlen kann man momentan wirklich mit unserem deutschen Herbst vergleichen. Da fehlen nur die wunderschönen bunten, aber vor allen Dingen knallroten Blätter der Bäume, die einem durch die Haare und ins Gesicht fliegen, während man durch die Straßen geht. – In Deutschland mit Mütze und Schal und hier mit kurzärmligen T-Shirt.

 

Nachdem ich all meine Sachen in Quiquijana ausgepackt hatte und mich gerade in mein kuschelig, warmes Bett legen wollte (da es auf 3500 Höhenmeter in der Nacht doch sehr kalt wird), klopften die beiden Jungs an unserer Zimmertür und brachten uns ein kleines Geschenk vorbei: Eine dicke, richtig rote und große Spinne, in einem Trinkglas gefangen gehalten. Richtig angewidert wollte ich den Jungs schon die Tür vor der Nase zu machen, als die anderen doch noch auf die Idee kamen von dem prächtigen Tier einige (leider verwackelte) Fotos zu machen. Im Anschluss tötete Anna-Maria das Vieh mit dem nahegelegensten Schuh und die Sache war glücklicherweise vom Tisch.

Außerdem möchte ich in diesem Bericht nur sporadisch von meinen Erlebnissen dieser Woche erzählen, damit keine Langeweile aufkommt, da momentan alles seinen mehr oder weniger gewöhnlichen Gang nimmt.

 

Eine durchaus gravierende Neuigkeit gibt es aber für uns, da momentan der kleine Weg zur Haustür der Albergue erneuert wird. Aus diesem Grund müssen wir seit Montag einen kleinen Umweg laufen. Das Problem ist, dass es für die Tür, durch die wir jetzt immer gehen müssen, am Anfang der Woche nur einen einzigen Schlüssel gab. Aus diesem Grund riefen wir meist die beiden Mädels, die im Schwesternhaus wohnen an oder hofften auf ein hellhöriges Kind, das uns die Tür aufmachte. Am Mittwochvormittag dann, gab Sör Nelly drei nachgemachte Schlüssel – für jedes Zimmer einen.

 

Eine richtige Gänsehaut bekam ich durch zwei Situationen in dieser Woche:

Die erste ereignete sich am Dienstagabend, als ich mit einer Schülerin, die sehr lange mit ihren Hausaufgaben beschäftigt war, zusammensaß, um ihre Englischaufgaben, die sie einfach nur abschreiben wollte, erledigt habe. Eine Aufgabe dabei war es, eine kleine Geburtsurkunde über die eigene Person anzufertigen. Als wir bei dem Thema „Name des Vaters“ angekommen waren, zuckte sie zunächst mit den Achseln; trug anschließend den ersten Namen ein, radierte ihn allerdings wenige Sekunden später wieder aus – Diese Prozedur wiederholte sich genau zwei Mal. Schließlich einigten wir uns darauf, alle drei Namen in das vorhergesehene sehr kleine Kästen einzutragen, als sie fast weinend vor mir saß und meinte „Mi mamá no está segura“ (Meine Mama ist sich nicht sicher). Diese hieß übrigens genau wie ich Anna.

 

Der zweite sehr schockierende Moment erlebte ich am Mittwochabend: Regina und ich waren an der Reihe Englischunterricht zu geben, da uns aber unser Heft fehlte, mit dem wir die Anwesenheit der Kinder kontrollieren, lief ich noch einmal schnell hoch, um dieses zu holen. Zu diesem Zeitpunkt war die Treppe schon voller Blut und ich erschrak wie noch nie. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die kleine Babykatze, die wir alle so süß finden, aus dem Gesicht stark blutete, da wahrscheinlich ihre Mutter sie verstoßen hat und außerdem ihr Schwanz gebrochen ist, was wiederrum darauf hindeutet, dass ein Kind über sie gestolpert ist. Als ich jedoch im ersten Moment nur dieses Blutbad auf der Treppe sah, kribbelte es bei mir am ganzen Körper, wurde an einen schlechten Krimi erinnert und konnte daher später kaum schlafen.

 

Am Donnerstagmorgen wiederholten wir die Arbeit von letztem Dienstag: Obwohl Pavela mit den Bauarbeitern in der Stadt gesprochen und sie gebeten hat, dass das Wasser für ein paar Stunden am Tag angemacht wird, da unsere Pflanzen bei dieser heißen und sehr trockenen Luft in den Gewächshäusern sonst eingehen, mussten wir an diesem Tag ein zweites Mal alle Tomaten-, Mangold-, Gurken- Salat-, Zucchini- und diversen anderen Pflanzen durch unsere kleinen Tassen begießen (Nebenbei erwähnt: So etwas wie Gießkannen besitzen wir nicht!). Dieses Mal beträufelten wir jede Pflanze mit 3 Tassen (ungefähr 750 ml), da bei letzten Mal unser halber Liter Wasser nicht ausreichend für die Pflanzen war. Glücklicherweise arbeiteten an diesem Morgen noch mehr Hände als beim letzten Mal mit, sodass wir nicht ganz 3 Stunden für die ganze Arbeit benötigt haben. Sehr froh sind wir darüber, dass das Abkommen mit den Bauarbeitern an den restlichen Tagen geklappt hat: Denn sonst wären wir jeden Tag ausschließlich damit beschäftigt, die Pflanzen zu gießen und hätten keine Zeit für die anderen wichtigen Aufgaben wie Säen, Ernten oder Pflanzen zu säubern.

 

Das Schlauchsystem, das normalerweise an jede Pflanze bis zu einem Liter Wasser pro Tag spendet, lernen wir erst jetzt richtig zu schätzen. Auch für die Kanäle, an denen wir jeden Tag vorbeigehen müssen, um zum Gewächshaus zu gelangen, sind wir jetzt richtig dankbar. Allerdings sind diese momentan durch die Arbeiten leer, wodurch das Problem überhaupt entstehen konnte.

 

Im Laufe der Woche brachten zwei von uns die Fahrräder, die sich einmal vorherige Freiwillige gekauft hatten, zur Reparatur, sodass nun der Weg vom Schwesternhaus zur Albergue einfacher und kürzer ist. Für sage und schreibe 4,20 Soles (1,10 €) wurden beide Fahrräder auf Vordermann gebracht, sodass wir ab Donnerstagnachtmittag durch die Straßen Quiquijanas rasen, anstatt langsam und gemütlich die Straßen entlang zu schlendern.

 

Am Freitagnachmittag putzten wie dieses Mal nicht den Comedor (Essensraum der Kinder), sodass wir direkt mit der Anfertigung der Hausaufgaben beginnen konnten. Glücklicherweise ging auch das schneller als sonst voran! Also fuhren wir dieses Mal etwas früher als gewöhnlich nach Cusco, erlebten eine schrecklich enge Busfahrt von Quiquijana nach Urcos, um dort in einen anderen, leereren Bus umzusteigen. Sehr froh war ich bei dieser Hitze 1 Liter Wasser dabei gehabt zu haben, um nicht auszutrocknen.

 

Als wir in Cusco angekommen waren und wir kein Taxi gefunden hatten, der uns alle sechs mit nach „Hause“ nimmt, fuhren wir in zwei Touren. Während das Taxi, in dem Franca, Benjamin und ich saßen von der Polizei angehalten worden ist (Standartkontrolle mit Führerschein vorzeigen), fuhr der Taxifahrer der anderen drei einen riesen Umweg, sodass sie dachten, gar nicht mehr an ihrem Ziel anzukommen. Das war auch ein Erlebnis!

 

An alle einen lieben Gruß,

eure Anna

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Eine "normale" Woche in Quiquijana - aber was heißt schon normal?

Hallo ihr Lieben,

 

schon wieder melde ich mich aus dem Andenhochland, um euch von meiner vergangenen Woche und vor allem auch von meinem langen Wochenende in Cusco zu erzählen. Damit möchte ich auch gleich anfangen: Da am Freitag ein wichtiger Feiertag (Allerheiligen) war, fuhren wir bereits am Donnerstagnachmittag zurück zu unserer Gastfamilie, um ein verlängertes Wochenende in der Inkahauptstadt zu verbringen.


Als wir Mädels am Donnerstagabend zusammen Pizza essen waren, konnten wir einige Kinder beobachten, die wild verkleidet, die Straßen unsicher machten. In Deutschland konnte ich mich ja noch nie mit dem Fest „Halloween“ anfreunden, da jedoch hier sogar die Kinder Autos anhalten und um Süßigkeiten bitten, verschlug es mir die Sprache. Ich jedoch musste absolut nicht um Süßigkeiten schnorren, da ich an diesem Wochenende endlich das langersehnte Paket meiner Großeltern im Empfang nehmen konnte. Auch hier noch einmal, vielen lieben Dank!


Am Freitag hatten, obwohl Allerheiligen als ein sehr wichtiger Feiertag angesehen wird, fast alle Geschäfte – auf jeden Fall bis zur Mittagszeit – geöffnet. So schlenderte ich ein wenig durch die Straßen, entdeckte eine schöne Laufstrecke, die ich am nächsten Wochenende ausprobieren möchte und setzte mich in ein Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen, sowie ein Buch, das man sich dort ausleihen konnte, zu lesen. Meine Gastmutter Lili erzählte mir, dass es in Peru nicht unbedingt üblich ist, an Allerheiligen in die Kirche zu gehen, allerdings seien sehr viele Menschen auf dem Friedhof bei ihren verstorbenen Freunden und Verwandten.


Als ich einmal zusammen mit ihr und ihrer Tochter Fiorella (die in Arequipa studiert) den Friedhof besucht habe, durfte ich in eine ganz andere Kultur eintauchen, die mir jedoch sehr gut gefiel. Anstatt dass es auf diesem Friedhof vorgesehen ist, zu schweigen und die Ruhe zu suchen, saßen viele Menschen mit einem Picknickkorb vor den Gräbern und aßen Dinge, die sie mit dem Verstorbenen in Verbindung bringen und unterhielten sich dabei fröhlich. Zudem wird das Grab des Verstorbenen drei Mal mit Wasser begossen und bei jeder Wiederholung ein Vater Unser sowie ein Ave Maria gebetet, wenn ich mich recht erinnere.


Am Samstag war ich nur schnell bei der Post und einkaufen, um anschließend mir wieder leckere Nudeln zu kochen. In der Zwischenzeit tauschten Anna-Maria und Regina ihre Zimmer, sodass Regina ab diesem Wochenende im Einzelzimmer schlafen wird und Anna-Maria, Franca und mir Gesellschaft leistet. Von meinem Samstag lässt sich jedoch eigentlich nur viel über den Abend, die Nacht, erzählen, da wir zusammen mit unserer Gastmutter bis in die Nacht Cocktails gemixt und Karaoke gesungen haben. Dabei durften wir unsere Barkeeper-Künste bei einem Pisco Sour austesten und da jeder einmal seine Künste unter Beweis stellen sollte, tranken wir gleich sieben. Mitten in der Nacht überkam uns dann noch der kleine Hunger, sodass wir uns entschlossen, eine kleine Nachtwanderung durch Cusco zu machen. Auf dem Plaza de Armas angekommen, aßen wir alle eine Kleinigkeit, um anschließend sehr müde in unsere weichen Betten zu fallen.


Dass diese Betten wirklich sehr weich und gemütlich an diesem Tag waren, zeigte sich vor allen Dingen dadurch, dass ich bis zwölf Uhr mittags schlief, obwohl ich an den vorherigen Tagen immer bereits um acht Uhr morgens aufgewacht bin und durch das laute Bellen meines Lieblingshundes Cocaine auch nicht mehr einschlafen konnte.


Auch sonntags haben hier in Peru viele Geschäfte geöffnet, sodass ich zusammen mit Regina durch die Straßen lief. Das eigentliche Vorhaben Falafel essen zu gehen, scheiterte jedoch aus dem absurden Grund, dass der Laden doch geschlossen hatte, sodass wir kurzerhand umdisponierten. Ein wenig gestärkt liefen wir jedoch weiter, kauften uns beide je zwei Schals, aßen noch ein Stück Torte und versuchten uns – ebenfalls mehr oder weniger vergeblich – in einem Reisebüro über unsere Ferien im Januar und Februar zu informieren. Nachdem ich dann bei Lili meinen Rucksack für Quiquijana gepackt habe, für die Homepage der Einen-Welt-AG unserer Schule einige Texte geschrieben habe und mich von meinen Gasteltern verabschiedete, traten wir unsere Rückfahrt nach Quiquijana an und hofften auf eine spannende und abwechslungsreiche Woche!

 

Hinsichtlich des Wetters begann die Woche auf jeden Fall wieder sehr abwechslungsreich. Während wir in den Gewächshäusern schufteten und viele Früchte (die Diskussion war groß, ob Tomaten Früchte oder Gemüse sind) und Gemüse wie Mangold, Paprika und Blumenkohl ernteten, schien die Sonne so extrem, dass wir an den Brunnen liefen, um uns Wasser über unsere Köpfe zu schütten. Kaum waren unsere Haare nass, nahm nicht nur die gefühlte Temperatur ab, sondern auch die wahrhaftige: Denn urplötzlich fing es an zu regnen, obwohl der Himmel noch strahlend blau war! Da Juana und Pavela von jetzt auf gleich nicht mehr da waren und wir nicht wussten, welche weiteren Aufgaben anstanden und darüber philosophierten, ob heute wieder eine Reunión stattfindet (da ein neuer Monat begonnen hat) oder nicht, gingen wir mit unserem Geernteten zurück zur Albergue, stellten fest, dass wir uns heute nicht mit den Schwestern zusammensetzen und genossen aus diesem Grund eine sehr wohltunende Dusche! (Für die sich erstmal keine Zeit gefunden hätte, hätte die Reunión stattgefunden.)

 

Jedoch spiegelte das wechselhafte Wetter auch das abwechslungsreiche Projekt wieder, da ich an diesem Montagnachmittag zusammen mit Benjamin keinen Hausaufgabenbetreuung gab, sondern auf der Chacra unseren Jungs über die Schulter schauen durfte. Wenn es um das Arbeiten auf den Feldern geht, packen die Kinder immer sofort mit an, obwohl es an einigen Tagen sehr schweißtreibend sein kann. Richtig schrecklich finde ich es immer, wenn ein Kind gerade Pause machen möchte, aber wenn wir hinsehen, sofort weiterarbeitet, aus Angst, dass wir schimpfen. So war es leider mit einem Jungen an diesem Tag gleich zwei Mal, sodass ich am Ende des Tages ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber hatte.
Nebenbei schnitten wir mit einer kleinen Sense Gras und Kräuter zurück, die an die Meerschweinchen in den nächsten Tagen verfüttert werden. Als ich zurückkam – klitschnass selbstverständlich, da man hier momentan nicht erwarten kann, dass zwei Stunden am Stück die Sonne scheint – war die Hausaufgabenbetreuung auch schon beendet. Zusammen mit Anna-Maria kochte ich mir eine Suppe, da die anderen den Kindern ein Konzert geben wollten. Jedoch verlief das nicht so, wie sich das meine Kollegen gewünscht haben, denn die meisten Kinder hielten sich zwar im „Konzertsaal“ auf, hörten jedoch nicht zu und schlugen sich stattdessen. Im Anschluss gab ich noch zusammen mit Regina den Englischunterricht bei den Größeren, der aber gut verlief. Es mag unter anderem daran liegen, dass wir mit ihnen heute die Farben erneut besprochen haben – Ein Thema, das ihnen mehr oder weniger liegt.
Mittlerweile regnet es seit mehr als fünf Stunden ununterbrochen und dabei ist absolut kein Ende in Sicht: Hoffen wir einmal, dass sich das Wetter bis morgen beruhigt hat, sodass ich nicht schon durchnässt bei der Arbeit auf der Chacra aufkreuze.

 

Am Dienstagmorgen strahlte der Himmel wieder in voller Pracht. Die Maispflanzen haben gefühlt einen richtigen Sprung durch den vielen Regen in der Nacht gemacht, wohingegen die Pflanzen in den Gewächshäusern momentan nahezu eingehen, da das Bewässerungssystem nicht mehr funktioniert. Ganz in der Nähe zu unseren Gewächshäusern wird eine neue Straße gebaut (wobei die Fertigstellung mit Spitzhacken und Schaufeln noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird), sodass wir vor einem ziemlich großen Problem standen. Aus diesem Grund schleppten wir heute von unserem kleinen Brunnen 20 Liter Eimer Wasser zu den Gewächshäusern und schütteten je ungefähr 500 ml (zwei Tassen) an jede Pflanze. Bei einer ungefähren Fläche von 1000 m² könnt ihr euch vielleicht bildlich vorstellen, wie viele Eimer Wasser wir benötigten und wie sehr die Kräfte unserer Oberarme schwanden, als wir immer wieder den „weiten Weg“ (der in Wahrheit nicht länger als 150 m beträgt) laufen mussten. Um uns jedoch ein wenig zu entlasten, konstruierten Juana und Pavela ein Wasserleitsystem vom Brunnen zu den Gewächshäusern, sodass immer nur einer bei den Eimern sitzen musste, um sie zu befüllen und zwei weitere Personen beansprucht wurden, um das Wasser a) aus dem Brunnen zu hieven und b) das Wasser in die Rohre zu schütten. Besonders große Freude hat es gemacht, die Bohnen- und Zucchinipflanzen zu bewässern, da beide eine so große Blüten- sowie Blätterpracht zeigen, dass man nicht unbedingt jede Pflanze ohne Blessuren (sei es an der Pflanze oder an dir) überstand.


Da bei meiner Hausaufgabenbetreuung sowie beim abendlichen Film schauen nichts Besonderes, Erwähnenswertes geschah (wie so oft), werde ich in Zukunft meist die Berichterstattung dieser Themen auslassen – Also nicht wundern, wenn ich nicht darüber schreibe, stattgefunden hat sie ziemlich sicher! (sonst erwähne ich es)

 

Am Mittwochmorgen packte mich dann erneut der Krankheitswicht, der mich dazu verdonnert hat, im Bett liegen zu bleiben. Kopfschmerzen, Schwindel, eine verstopfte Nase und richtig starke Halsschmerzen hielten mich davon ab, der morgendlichen Arbeit auf der Chacra nachzugehen. Während wieder drei Personen von uns Brötchen buken, schufteten Benjamin und Regina in den Gewächshäusern, schnitten Bohnen- und Rote Beete-Pflanzen zurück und ernteten eine Menge - beispielsweise Blumenkohl. Und ich muss zugeben, dass ich am Ende des Jahres der absolute Profi in den Spielen „FreeCell“, „Spidersolitäre“ oder „Solitäre“ sein werde, wenn ich weiterhin so oft krank bin oder ich nicht einen Geistesblitz bekomme, wie ich meine Mittagspausen anders gestalten kann.

Erst zur Hausaufgabenbetreuung konnte man wieder nach meiner Person verlangen, während ich zum siebten Mal das gleiche Arbeitsblatt in Englisch bearbeiten durfte, in dem es darum geht, englische Freizeitbeschäftigungen in einem Suchfeld zu finden. Schon in der Schule konnte ich es nicht leiden, wenn Wörter sträwkcür in diesen Feldern versteckt sind, geschweige denn rückwärts und diagonal. Aber das war meine Aufgabe und ich musste mich bei der letzten Schülerin, der ich half, in Acht nehmen, ihr nicht alles ausnahmslos vorzusagen, da ich genau wusste, wo welches Wort steht. Der offizielle Unterricht hat an diesem Abend auch wirklich großen Spaß gemacht. Vor längerer Zeit haben wir ein Plakat entworfen, auf dem die Fragen festgehalten wurden, die dazu dienen, die eigene Person vorzustellen. Fragen wie „Wie heißt du?“, „Wo kommst du her?“, „Wie alt bist du“ oder „Wie geht es dir?“ haben wir dadurch noch ein zweites Mal besprochen und baten, die Kinder im Anschluss es in ihre Hefte zu übertragen. Wussten sie zum Beispiel nicht, was „glücklich“ oder „krank“ auf Englisch heißt, spielten wir mit ihnen Galgenmännchen. Dadurch, dass die Kinder das Wort aus diesem Grund immer wieder lesen und mitfiebern, ob der nächste genannte Buchstabe im Wort vorkommt, erhoffen wir uns, dass sich die Schüler dieses Wort merken. Warten wir einmal ab, ob sich Fortschritte zeigen.

 

Am Donnerstagmorgen hieß es den restlichen, überflüssigen Rote Beete Blättern an den Kragen zu gehen und das Ausmaß der Zucchinipflanzen sowie des Kohls zu verringern, indem wir viele Blätter zurückschnitten. (Vielleicht ist es bei der ein oder anderen Kohlpflanzen zu viel des Guten gewesen!)

 

Besonders als ich heute zum tausendsten Mal den Weg vom Schwesternhaus zur Albergue bzw. zu den Gewächshäusern entlang gegangen bin, fiel mir auf, was für eine große Baustelle Quiquijana momentan eigentlich ist. Natürlich habe ich heute nicht zum ersten Mal bemerkt, dass zurzeit die alte, große Kirche renoviert und die große Markthalle neu errichtet wird oder zwei Straßen momentan mit Spitzhacken und Schaufeln gebaut werden. Allerdings bekommen im Moment einige Familienhäuser (bzw. bekamen in den letzten Wochen) einen neuen Anstrich, wodurch Teile des Ortes schon in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Jedoch bemerkte ich besonders heute, dass anstatt eine Baustelle beendet wird, immer wieder neue Dinge dazukommen, die zu bearbeiten sind. So wurde  beispielsweise mit den Renovierungsarbeiten der Kirche bereits im Jahre 2007 begonnen. (Unser Gottesdienst mit den kleinen Kindern findet immer in einer ganz kleinen Kapelle statt. Minimal größer als die St. Josefs Kapelle in Altmyhl, obwohl die Stadt Quiquijana eine große Kirche in der Nähe des Plaza de Armas zu bieten hätte). Wenn wir durch die Straßen laufen und die Menschen grüßen, die gerade diese harte Arbeit verrichten, merkt man hin und wieder, wie sehr sie sich über diesen freundlichen Gruß freuen. Denn beispielsweise die Frauen, die jeden Tag mit einem Triciclo durch die Straßen fahren und den Müll der Menschen aufsammeln, werden nur selten bis gar nicht gegrüßt. Das Lächeln, was uns erwidert wird, lässt mein Herz immer nochmal ein kleines Stück weiter aufgehen. Andererseits habe ich das Gefühl, dass die Bewohner der kleinen Stadt ihre Freundlichkeit mit der Zeit ein wenig uns gegenüber ablehnen, denn statt dem liebevollen „Chau, Amor“ hört man von Jugendlichen mittlerweile viel häufiger „Gringa“, was so viel bedeutet wie „die weiße Ausländerin da“. Auch wenn mein Reiseführer mir verspricht, dass diese Aussage nicht negativ gemeint ist, fühlt es sich schon ein wenig befremdlich und diskriminierend an, wenn aus einer kleinen Gasse solche Rufe kommen.

 

Für die, die mir bevor ich nach Peru gegangen bin, gesagt haben, ich sei doch viel zu dünn (und auch an die, die mich per Email bitten mehr Torten zu essen, weil ich zu dünn sei): Heute Morgen unterhielten sich Anna-Maria und ich mich mit Pavela über unsere Hautveränderungen. Da Anna-Maria, seitdem wir hier in Peru sind, das zweite Gerstenkorn plagt, durfte sie schon allerhand Tricks von Pavela und Juana ausprobieren: Angefangen von warmem Meerschweinchenkot bis hin zur Inhalation von heißem Wasser. Pavela fand die Erklärung für diese Hautveränderung in der Nahrung, die wir hier zu uns nehmen. Plötzlich fragte Pavela auch mich, ob ich irgendwelche Probleme hätte. Und auf meine Antwort „Nein, es ist alles in Ordnung“, erwiderte sie ohne zu Zögern, allerdings mit lautem Lachen: „Kein Wunder, du hast hier ja auch schon zugenommen!“. Liebe Leute, macht euch also bitte keine Sorgen. Solange mir am Ende meines Jahres noch meine Hosen passen, ist alles im dunkelgrünen Bereich.

 

Freitags ist bekanntermaßen Wasch- und Putztag. Ein wenig zurückerinnert an Erzählungen meiner Großmutter, als man zu gewissen Zeiten nur an bestimmten Tagen baden und waschen durfte, putzten wir auch wieder an diesem Freitag unser Zimmer blitzeblank und wuschen dabei unzählige Waschmaschinen Wäsche. Große Freude bereitete das Putzen unseres Zimmer an diesem Tag: Da unser Wasserkocher nach und nach immer mehr den Geist aufgab und es begann aus der Steckdose zu qualmen, entschlossen wir uns dazu, in Pavelas Küche Waser aufzukochen. Leider Gottes dauerte dies aber wahnsinnig lange, sodass ich mich gefühlte Stunden in ihrer Küche aufhielt. Und das obwohl die Siedetemperatur bei 85°C liegt! ;-)

 

Nachdem wir wieder einmal mit großer Freude und sehr viel Wasser den Essensraum der Kinder geputzt und mit dem ein oder anderen Kind, das auch am Wochenende in der Albergue wohnt, die Hausuaufgaben besprochen haben, fuhren wir um vier Uhr zurück nach Cusco. Hier ist es wieder sehr kalt, aber ich freue mich am Wochenende mit dem ein oder anderen skypen und schreiben zu können, sowie einige Dinge zu erledigen, die in Quiquijana nicht möglich sind.

 

Herzlichste Grüße aus dem Andenhochland,

an meine Freunde und Familie: Weckt für mich den Hoppeditz ordentlich auf! :) Lieber Klaus und liebe Heike: Ich wünsche euch eine fabelhafte Session! Ich finde es wirklich schade, nicht dabei sein zu können! Einen lieben Gruß aus den Anden!

Eure Anna! ♥

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Eine verkürzte Arbeitswoche

Hallo meine lieben Menschen in der Heimat,

schon wieder ist ein Monat vorbei und ich kann es kaum glauben, dass es mittlerweile schon November ist und wir im Prinzip in strammen Schritten (erst auf St. Martin) und dann auf Weihnachten zugehen! Allerdings ist das doch noch eine Weile hin, sodass ich hier und jetzt von meinem zwar verkürzten, aber etwas spannenderen Wochenende in Cusco erzählen möchte.

 

Mein (verkürztes) Wochenende in Cusco

Wie ihr bereits in meinem letzten Blogeintrag erfahren habt, sind wir dieses Mal erst am Samstagmorgen nach Cusco zurückgefahren, da wir den Freitag damit verbrachten, den Kindergeburtstag rund vierzig Kinder zu feiern. Weil wir aber schon um 8 Uhr in der Früh in unserer Gastfamilie in Cusco ankamen, konnten wir den Samstag komplett nutzen: Zusammen mit Franca, Regina und Anna-Maria war ich zuerst eine Kleinigkeit in unserem süßen französischen Café essen und direkt danach bei der Post, bei der ich vergeblich versuchte das Paket meiner Großeltern entgegenzunehmen. Im Anschluss schlenderte ich zusammen mit Regina durch die großen Markthallen, in der sie eine peruanische Blockflöte für sich entdeckte. Nach einigen Skype-Gesprächen und faulenzen, rafften wir uns gegen 19 Uhr erneut dazu auf das Haus zu verlassen, da eine Einladung zum 23